"Früher habe ich viele Jahre in der Jugendarbeit gearbeitet. Wieder ist für diese Sozialarbeit keine Lobby da, es gibt zu wenig Geld und Raum. In der katholischen Kirche war ich sehr engagiert, dann in der evangelischen. Heute arbeite ich nicht mehr in der Kirche, ich denke, in hundert Jahren sind sie zu Sekten geschrumpft. Das heißt nicht, dass ich nicht manchmal eine Sehnsucht nach einer Schöpferin der Welt hätte. Religion und Politik sind immer patriarchalisch geprägt, für Frauen ist kein Platz. Die Menschen finden es keinesfalls anstößig, wenn in den Abendnachrichten nur von Männern berichtet wird, die Konferenzen abhielten, von Ministern, von kriegführenden Soldaten, von Bischöfen... Nur zaghaft ändert sich das, viel zu langsam. Die wenigen Frauen mit Verantwortung verdecken vielleicht die Wirklichkeit.
Ich wünsche mir sehr, dass die Frauen in hundert Jahren nicht nur die Hälfte der Bevölkerung wie heute stellen, sondern auch die Hälfte der Macht haben, bei Entscheidungen auch an relevanter Stelle zur Urteilsfindung beitragen. Ich denke, es fehlt der Welt die weibliche Sicht der Dinge. Es ist weder für Männer noch für Frauen gut, wenn ein Geschlecht die Macht hat.
Bis jemand diesen Brief liest, sind wieder viele Tier- und Pflanzenarten ausgestorben, viel Natur wurde dem Expansionsstreben der Menschen geopfert."
Das ist ein Ausschnitt aus einem Brief, den ich 1999 schrieb und der Stadt Rottweil übergab. Er ist mit vielen weiteren Schriftstücken anderer in einem Edelstahlkasten gelegt und vergraben worden zur Jahrhundertwende. In einhundert Jahren wird er ausgegraben und die Nachfahren der Schreiberinnen und Schreiber gesucht. Selbstverständlich gaben wir einige persönliche Daten dazu, damit das möglich ist(?). Unsere Enkel sagten, sie seien gespannt darauf, da musste ich sehr lachen, sie sind Jahrgang 1992 und 1994. Aber ich gab ihnen ein Doppelt für ihre Nachfahren.
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Spannend! Momentan haben wir ja in vielerlei Hinsicht ein Rollback, vor allem was Frauen & Demokratie betrifft. Und doch glimmt in einer Ecke meines Gemüts ein Flämmchen Hoffnung, ich kann auch nicht sagen, warum.
AntwortenLöschenSonntagsgrüße!
In drei Wochen geht es nach fast 10 Jahren wieder in deine Nähe. Bin gespannt.
Astrid
komme zu uns neben die stiftskirche, wenn du zeit und lust dazu hast, würde mich sehr freuen. in jedem fall spannende begegnungen und freude wünsche ich dir. herzlichen gruß, roswitha
LöschenEin Brief, der die Dinge beim Namen nennt und aufzurütteln hofft.
AntwortenLöschenNur ist seit 1999 nicht wirklich viel in diese angestrebte Richtung geschehen. Aber resignieren hilft nicht. Wir müssen uns immer wieder stark machen für die Belange der Frauen. Tag für Tag!
Einen lieben Dank und Gruss zu dir,
Brigitte
leben ist ja immer im fluss, hoffentlich. viele grüße, roswitha
LöschenIch denke, da hat sich doch einiges verändert in den letzten Jahrzehnten.
AntwortenLöschenDie evangelische Kirchengemeinde, in der ich aktiv bin, wird geleitet von einer Pfarrerin und einer Kantorin, und der Kreis derer, die sich sonst in der Gemeinde engagieren, besteht fast ausschließlich aus Frauen. Die zwei Männer, die mit dabei sind, werden gerne geduldet :-)
Ablehnung oder Zurückweisung, weil ich eine Frau bin, habe ich hier nie erlebt.
einzig die mitgliedschaft habe ich noch, ich freue mich trotzdem über deine erfahrungen, lieben gruß, roswitha
LöschenOhja, eine Art Zeitkapsel - sehr interessant! Da würde ich ebenfalls gerne mitmachen.
AntwortenLöschenIch nehme durchaus auch Frauen in führenden Positionen wahr - leider agieren sie viel zu oft wie Männer. Wenn sie sich (gedanklich) mit Hosenanzügen kleiden und sich rhetorisch so martialisch wie Männer geben, dann empfinde ich darüber kaum Freude. Dann ist halt eine Quote erfüllt, aber das, was Frauen ausrichten könnten, fehlt mir.
Ich behaupte nicht, dass es immer so läuft, aber doch auffällig oft.
Insgesamt braucht es eine Firmenkultur, die Mitarbeiter*innen schätzt - und zwar nicht bei Weihnachtsfeiern oder bei Firmenfesten, sondern, indem Menschen in Bereichen arbeiten können, in denen sie ihre Stärken einbringen können. Das soll für jeden Menschen gelten, egal, welchen Geschlechts, oder wo er sich zugehörig fühlt.
Gebt das Gestalten in wahre Menschenhände, dann können wir vieles ändern.
Herzliche Grüße, C Stern
zum glück ändert sich alles immer wieder, und die einsicht für gleichberechtigte teilhabe wächst. herzlich grüßt roswitha
LöschenUte Ehrhardt:
AntwortenLöschenGute Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin
Warum Bravsein uns nicht weiterbringt.
Wolfgang Krüger Verlag, Frankfurt/M. 1994, 222 S.
dies.:
Und jeden Tag ein bißchen böser
Das Handbuch zu „Gute Mädchen kommen in den Himmel, böse überall hin“.
Wolfgang Krüger Verlag, Frankfurt/M. 1996, 191 S.
Herzlichen Gruß in's Wochenende 🌿☀️🌸
von Annette 💪🏻💃🏻👵🏻
+ bleiben WIR stark,
frech und einfach wunderbar 🙏🏻
das war eine entdeckung, dieses buch. bleiben wir, wie wir sind und lernen immer weiter. herzlich grüßt dich, liebe annette, roswitha
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