Mittwoch, 31. August 2022

vertrauen, lichter und tiere

Theaterausstellung Berlin

"Man muss wünschen wollen, an sich glauben, auf das Morgen vertrauen, für das Morgen leben - das heißt Leben."           Fanny Lehwald, 1811- 1889, deutsche Schriftstellerin

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noch ein umweltthema: die lichtverschutzung bei nacht, nicht einmal die milchstrasse kann man in unserer kleinstadt sehen. nachts sieht man kaum menschen auf den straßen, aber hell erleuchtete straßen und angestrahlte gebäude. nachtaktive insekten fliegen zum licht und sterben dort, lichtscheue tiere wie fledermäuse werden vom licht vertrieben und finden kaum noch quartiere. den nachtaktiven tieren wird die nacht genommen, den tagaktiven die ruhe, sagte die biologin brigitte heinz vom BUND rhein-neckar-odenwald. der paragraf 21 des neuen landesnaturschutzgesetzes baden- württemberg hat ein beleuchtungsverbot für öffentliche gebäude von 22.00 bis 6.00 uhr vom 1. oktober bis 31. märz festgelegt. 

ein schritt in die richtige richtung, dem nun private hausbesitzer und supermärkte folgen sollten. niemand braucht einen aldiparkplatz nachts hell erleuchtet, oder ein private hofeinfahrt. bei angst vor einbrüchen reichen bewegungsmelder, die bei annäherung licht einschalten. 

es sollte nicht vergessen werden, dass es vorrangig um das einsparen von strom geht, um ein umdenken im umgang mit ressourcen. das betrifft ebenso die heizenergie, deren preise sich hochschaukeln. viele sind sehr großzügig gewesen bei ihrem persönlichen verbrauch. wir dürfen unseren verbrauch nicht nach der leistungsfähigkeit unseres geldbeutels bemessen.

wir müssen lernen, und ich sehe mich altersgemäß im vorteil: die wohnung meiner kindheit hatte einen holz- küchenherd, am wochenende wurde ein kleiner ofen im wohnzimmer angefeuert. eisblumen an den fenstern des kinderzimmers waren schön, sie wegzuhauchen machte spaß. wir trugen im winter wollsachen und wollstrümpfe, es gab einen unterschied zwischen winter- und sommerkleidung. das warmwasser gab es beim samstäglichen baden und beim rasieren für vater, sonst eher nur kaltwasser. 

ich vertraue auf die menschen, die wissen, wie stark menschen gemeinsam sein können. 

Nachtrag 01.September 22:  die energiesparverordnung der bundesregierung toppt noch die der landesregierung, und sie gilt ab heute. dank guter lobbyarbeit und der fdp wurde das treibstoffsparen ausgenommen! geben wir doch der bundesregierung einen denkzettel, sparen wir sprit, wo wir können, und fahren wir keinesfalls über 130 kmh auf der autobahn! 

Freitag, 26. August 2022

dirndl und lederhose für ostfriesland verboten?

                                                      Vogelfrau, gestaltet von Marianne Wagner

 https://www.youtube.com/watch?v=KwHg5pNHfpI   - so stelle ich mir ein Miteinander vor, Prof. Hüther erklärt am Beispiel der Stadt Tulln wie eine Stadt im Idealfall eine Gemeinschaft werden kann. Diese guten Anregungen begeistern mich und lassen mich denken, wir können alle an einer Änderung unserer Gesellschaft arbeiten.

Wir können dabei nichts verlieren und so viel gewinnen. Es kann doch nicht sein, dass die Mittelschicht sich aus Angst vor kalten Wohnungen mit Heizlüftern eindeckt und weder an die Ressourcen denkt noch an die Menschen, deren Spielraum sehr viel enger ist.

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In der Rhein-Neckar-Zeitung Heidelberg vom 24.08.22, Seite 11, las ich unter anderem folgendes:

"Gemeint ist, dass Menschen sich einer Kultur bedienen, die nicht die eigene ist, zum Beispiel durch Musik oder Kleidung. Kritisiert wird vor allem, wenn Mitglieder der Mehrheitsgesellschaft sich Elemente der Kultur einer Minderheit bemächtigen, sie kommerzialisieren und aus dem Zusammenhang reißen...In Bern wurde ein Konzert der Band Lauwarm abgebrochen, weil sich einige Besucher daran störten, dass sie jamaikanische Musik spielte und die weißen Mitglieder der Gruppe teils afrikanische Kleidung und Dreadlocks trugen. Zuvor hatte die Hannoveraner Ortsgruppe von Fridays for Future die weiße Musikerin Ronja Maltzahn... wegen ihrer Dreadlocks ausgeladen."

In anderen Ländern gibt es diese Debatte um die Aneignung kultureller Identitäten schon länger. Die deutsche Ethnologin Susanne Schröter findet diese Diskussion problematisch. Die ..."geforderte Nutzungsbeschränkung würde dazu führen, dass bei jeder Form kulturellen Ausdrucks die Urheber ausfindig gemacht und ihr Gebrauch auf diese beschränkt werden müsste." Begonnen hatte diese Diskussion dadurch, dass der Ravensburger Verlag zwei Kinderbücher zum neuen Film  "Der junge Häuptling Winnitou" zurückzog. (Werden sie nun verbrannt?) Dem Verlag wurde vorgeworfen, er bediene mit der Veröffentlichung ein romantisierendes Klischee über indigene Völker weitab von deren Realität.

Der Held meiner Kindheit war für mich eine Romanfigur, die Bücher von Karl May sind keine Sachbücher aus denen ich mein Wissen über fremde Kulturen lernen konnte. Und die Aneignung fremder Kulturen findet täglich überall statt, rund um die Welt, in Musik, Kleidung, Lebensweise...

Es liegt an uns, den Erwachsenen, dafür zu sorgen, dass auch Minderheiten ihr Recht bekommen, dass ihre Bodenschätze wie ihre Sprache und Kultur geschätzt werden und geachtet werden. Und da bin ich bei den jungen empörten Menschen: Schaut eure Handys an, eure Kleidung, eure Nahrung - wie viel ist davon Aneignung zu Ungusten von Minderheiten? Und was ist mit den Bildern auf Plakaten, der Farbe, wie bewegt ihr euch von Ort zu Ort, welche Musikinstrumente spielt ihr?

Und bayrisches Kulturgut wie Dirndl und Lederhose gehören nach Bayern, sind alpenländische Tracht, alles andere ist auch Aneignung. Wo soll dies Denken enden?


 

Dienstag, 23. August 2022

luftblicke und lichtblicke

 

in koblenz gibt es eine kabinenseilbahn mit diesem tollen ausblick aufs "deutsche eck" und den für mich verzichtbaren kaiser wilhelm. mir fallen da immer die vielen kriege gegen frankreich ein, die soviel leid brachten und die lange feindschaft. nun wurde es seit jahrzehnten zum glück eine stabile freundschaft. ist doch ein lichtblick, dass sie gegen alles mißtrauen wachsen konnte. 

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einer freundin ist etwas schönes passiert, im gespräch darüber mussten wir beide lachen. irgendwie realisiert man ja nicht ständig, wie die anderen menschen uns wahrnehmen. sie ging in einem park spazieren und setzte sich im schatten auf eine bank. auf der nebenbank saß ein junger mann, zu dem sagte sie etwas über den schatten. dieser junge mann gab eine antwort, und es begann ein nettes gespräch. es stellte sich heraus, dass sie den gleichen dialekt kennen, fern vom ursprungsort leben beide. entspannt gab ein wort das andere, und froh konnten beide später weitergehen.

so einfach kann es sein. dabei glaube ich, der junge mann hätte sie nie angesprochen, wenn sie nicht selbst zuerst gesprochen hätte, sie ist halt über siebzig und wird, wie ich auch, kaum angesprochen. in unseren köpfen sind wir jünger und kommunikativer, so wie früher. und das war dann so wie früher, es geht noch!


Donnerstag, 18. August 2022

glücksmomente erfahren

 


" ... und mit einem mal überkam mich fünf oder sechs sekunden lang ein gefühl vollkommenen wohlbefindens. in dieser kurzen zeit war mein inneres im gleichgewicht mit der welt um mich herum. ich hatte die flüchtige gewissheit eines perfekten augenblicks, in dem das leben uns das beste von sich zeigt, und zugleich fühlte ich mich, umgeben von den lichtern und schatten des sommers, von seliger unbeschwertheit erfüllt. ich blieb abrupt stehen, um nicht unversehens aus dem kleinen kreis hinauszutreten, in dem ich diesen einzigartigen moment erlebte."
aus: Reise mit Clara durch Deutschland, Fernando Aramburu, Rowohlt

es braucht keine besonderen ereignisse oder bewegende erlebnisse, um dieses glück zu erleben. mitten im alltag, in dem wir aufmerksam um uns schauen und uns spüren, auch unsere reaktion im augenblick, ist auf einmal freude in uns. ich saß vor dem buchladen und trank einen cappuccino. dabei betrachtete ich vorübergehende menschen, schaute manche mit einem lächeln an. dabei bekam ich lächeln geschenkt, auch kleinkinder winkten mir.
ich genoß den augenblick weitab von alltäglichen aufregungen und konnte gestärkt zurück in die alltagsaufgaben gehen. 

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Sommerabend

Abend eines langen Sonnentages. Die Frau geht in den Garten. Petunienduft erfüllt die Luft. Der Lorbeer glänzt sattgrün. Behutsam streicht sie über seine Blätter und riecht an den Fingern. Die gelben Nachtkerzen öffnen ihre Blüten, sie riechen zitronig.

Zärtlich zupft die Frau einige verwelkte Blüten des Phloxes ab. Sie fährt spielerisch mit einer Hand über den Thymian und schnuppert, setzt sich auf die kleine Natursteinmauer am Kräuterbeet und schaut.

Vielfalt der Formen, der Farbtöne und des Duftes. Einige Nachtfalter tänzeln um den Ziertabak.

Kein Lärm, nur Vogelstimmen erfüllen die Luft. Für einen Augenblick ist nicht einmal ein Flugzeug am Himmel zu sehen. Die Frau spürt inmitten der üppigen Fülle von Duft und Farben tiefe Freude über die Schöpfung.   

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Ich wünsche allen hier lesenden Menschen Momente des Verweilens am kommenden Wochenende.

Sonntag, 14. August 2022

vorschriften oder philosophie?


 Fuß am Marx-Engels- Denkmal in Berlin, oft befühlt, abgegriffen oder Patina? Lockt die Rundung zum Befühlen? Mir wäre ja Recht, die Menschen würden über die Gedanken des Philosophen Karl Marx neu nachdenken, Material gibt es genug. Vom totalen Unverständnis der Texte bis zur hausbackenen Nachfolge, in der nach Gutsherrenart jeweils die Mächtigsten die Texte interpretierten und es noch heute so tun. Es waren übrigens in der Politik bisher wirklich nur Männer die sich auf ihn beriefen. Wenn er diese Männer hören könnte würde er in seinem Grab routieren. 

Den Unterschied zwischen philosophischen Gedanken und Handlungsanweisungen scheinen viele, die sich Kommunisten nannten oder nennen, nicht zu kennen.

Ähnlich geht es auch mit der Bibel und dem Koran: Einen Text kann man nach meiner Meinung nicht als Handlungsanweisung im Umgang mit lebendigen Menschen nutzen. Es gibt einen Unterschied zwischen sturer Texttreue und dem Geist des Textes, den wohl jede Generation neu mit Leben füllen sollte. Dazu braucht es eine lebendige Zivilgesellschaft, die den Disput aushält und sich im Ziel einig ist: Ein gutes Leben für möglichst viele Menschen zu ermöglichen. 



„Es muss übrigens darauf hingewiesen werden, dass die Gesellschaft, die so heftig bestrebt ist, die Rechte des Embryos zu verteidigen, sich um die Kinder nicht kümmert, sowie sie auf der Welt sind.“ — Simone de Beauvoir

Quelle: https://beruhmte-zitate.de/autoren/simone-de-beauvoir/



„Es muss übrigens darauf hingewiesen werden, dass die Gesellschaft, die so heftig bestrebt ist, die Rechte des Embryos zu verteidigen, sich um die Kinder nicht kümmert, sowie sie auf der Welt sind.“ — Simone de Beauvoir

Quelle: https://beruhmte-zitate.de/autoren/simone-de-beauvoir/



 

Donnerstag, 11. August 2022

unterschiedliche Gedankenwege


Historische Fotos vom Hof des Tacheles in Berlin, damals noch selbstverwaltetes Kreativzentrum, heute ein Gebäude für Investoren mit Wohnungen und Gewerberäumen. 

     

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es ist immer noch zu trocken und zu heiss, und die medien überschütten uns mit mahnungen und vorhersagen kommenden unglücks. die politiker und politikerinnen kurbeln mit teilweise nicht zu ende gedachten ideen die spirale weiter an. 

entspannung gibt mir, wenig nachrichten zu schauen oder zu hören. wichtiger ist für mich, hier zu sehen, was ich selbst zum wohlgefühl der menschen meiner umgebung beitragen kann. und ich suche immer entspannung beim lesen oder musik hören.

ich lese gerade einen sehr ungewöhnlichen, spannenden krimi:
Davenport 160 x 90, Sybille Ruge, Suhrkamp
Auf dem Klappentext steht, ..."ist ein Female Noir mit völlig eigenem Sound- innovativ, orginell, ausgekocht und elegant." 
Handlungsort ist Frankfurt, das Erstlingswerk von Frau Ruge läßt hoffen. Sprachgewaltig und kompromißlos ist es ein Einblick in eine mir sehr fremde Welt. 

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Im Gedichtband von Robert Gernhardt (Lichte Gedichte) fand ich folgenden Textauszug:
-WÄRME; STILLE; KÜHLE-
" Der heiße Tag. Das Summen wilder Bienen
geht in dem Wein so emsig ein und aus,
als wolle jede mit dem Hinweis dienen:
Wer jetzt ein Haus hat, gehe in dies Haus."






Samstag, 6. August 2022

glückliche frau


Die Freude der englischen Nationalspielerin Chloe Kelly nach ihrem Europameisterschaftstor war begeisternd. Lucy Ward analysiert im Guardian warum:

Dies ist der Körper einer Frau - nicht für Sex oder Show - nur für die schiere Freude an dem, was sie tun kann und die Kraft und Fähigkeit, die sie hat.

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die spielerin erfuhr sich als wirksam, sie hatte mit eigener kraft etwas erreicht. dies ist dass, was wir alle benötigen: nicht sinnloses tun, nicht "zeit totschlagen" mit TV, sondern aus eigenem antrieb etwas bewirken, ein ergebnis sehen oder spüren. und wie wunderbar ist es, dies in einer mannschaft zu erleben, in der sie aufeinander angewiesen waren(sind) und durch eigenes geschicktes eingreifen der mannschaft (frauschaft?) zum sieg zu helfen.

wie kleinlich ist es, in diesem moment verhaltensregeln durchsetzen zu wollen oder über frauenunterwäsche zu reden? andere sportverbände lassen die frau z. b. in leichtathletik oder volleyball leichtbekleidet rumturnen, mit weniger als frau kelly bekleidet. 

Ina Deter sang: Frauen kommen langsam, aber gewaltig(1986),

ein Zitat aus dem Liedtext:    "Starker Mann was nun

                                               Keine Zeit mehr was zu tun
                                               Frauen kommen langsam
                                                - aber gewaltig"

-  es geht einfach um gleichberechtigung und teilhabe am leben in der gesellschaft, jederzeit, überall und vielleicht muss dies jede generation neu austarieren.


Dienstag, 2. August 2022

kommendes WIR?



"Was mich zur Frage führt, wie deckungsgleich eigentlich das so passiv wirkende Unwissen und die so aktiv wirkende Ignoranz sind – und was das alles erklärt. Da auch mal drüber nachdenken."   https://www.buddenbohm-und-soehne.de/

über diesen satz im sehr lesenswerten blog des herrn buddenbohm konnte ich lange nachdenken. wir leiden jedenfalls an unwissen und ignoranz, woran liegt es, dass sich diese eigenschaften so verbreiten? war es immer so?

und wie ist es mit dem leiden an anderer menschen verhalten? leiden wir nicht eher an nicht erfüllten erwartungen? 

der wunsch, alles möge immer so weitergehen wie bisher, war schon immer ein utopischer. leben ist veränderung, vom zellhaufen bis zu staatengebilden. es war immer ein wunsch der menschen, die schon etwas erreicht hatten(haben). 

mir scheint wichtig, dass wir uns darum bemühen, gemeinschaft zu fördern, mit singen wie mit spielen und feiern, mit einander anlächeln und verständnis füreinander. die kommenden herausforderungen brauchen ein WIR. 

ich las: Das Gartenzimmer, Andreas Schäfer, DuMont, neu als TB 

            Wer nicht alt werden will, muss vorher sterben, Luisa Francia, Nymphenburger

            Fritz und Emma, Barbara Leciejewski, Ullstein

            Das rote Adressbuch, Sofia Lundberg, Goldmann 

         Die beiden letzten Bücher hatte ich zur Enspannung ausgesucht, hat gut geklappt.          



Heimatgefühle ?

  HEIMAT - eine Annnäherung Erinnerungen: Ostern 1978, Theaterfestval in Avingon. In der wogenden Menschenmenge schrie plötzlich eine Frau ...