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Es werden Posts vom August, 2019 angezeigt.

Nachttheater

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                             Spanisches Theater im Berliner Postbahnhof- vor längerer Zeit, OLE`! Dieses Straßentheater mit viel Akrobatik und Feuer hat mich sehr beeindruckt- ich würde weit reisen, um diese Truppe nochmal zu sehen. Es war spannend, philosophisch, sportlich und bunt, voller Feuer und Licht. Die Darsteller waren auf Metallgestellen und Stelzen!  ____________________________________________________________________________ " Wir brauchen nicht so fortzuleben, wie wir gestern gelebt haben. Machen wir uns von dieser   Anschauung los, und tausend Möglichkeiten laden uns zu neuem Leben ein."  -Christian Morgenstern-

Alter Spielplatz

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Durchgang gegenüber des Hauses der Familie Mann in Lübeck - ich stelle mir vor, dort spielten die Kinder Heinrich und Thomas bei Regen. Zwei Zitate von Erika Mann, sie starb am 27.August 1969 in Zürich:: „Die Fremde ist herrlich, solange es eine Heimat gibt, die wartet.“ "Gleichgültigkeit, dies kühlste Ruhekissen, ist sehr gefragt und allgemein beliebt." „Der Propagandaminister -- Herr über das geistige Leben eines Millionenvolkes -- humpelte behende durch die glänzende Menge, die sich vor ihm verneigte. Eine eisige Luft schien zu wehen, wo er vorbeiging. Es war, als sei eine böse, gefährliche, einsame und grausame Gottheit herniedergestiegen in den ordinären Trubel genusssüchtiger, feiger und erbärmlicher Sterblicher. Einige Sekunden lang war die ganze Gesellschaft wie gelähmt vor Entsetzen. Die Tanzenden erstarrten mitten in ihrer anmutigen Pose, und ihr scheuer Blick hing, zugleich demütig und hassvoll, an dem gefürchteten Zwerg. Der versuchte durch

Zollverein Essen

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                                                Zeche Zollverein Essen Gegenwart und Vergangenheit vereint, viel Schweiß beim Bau der Förderanlage und beim Umspannwerk. Die Erbauer sind längst tot, sie waren stolz auf ihre Arbeiten. Das Kubusgebäude davor ist wunderbar bunt bemalt, viele Puzzlestücke, ich kann nicht ausprobieren, ob sie ein Gesamtbild ergeben. Und was würde es für ein Motiv? Beides zusammen gefällt mir, alles hat seinen Sinn. ------------------------------------------------------------------------------------------------------- Bertold Brecht: Zwei Städte Herr k. zog die Stadt B der Stadt A vor. In der Stadt A, sagt er: liebt man mich; aber in der Stadt B war man zu mir freundlich. In der Stadt A machte man sich mir nützlich; aber in der Stadt B brauchte man mich. In der Stadt A bat man mich an den Tisch, aber in der Stadt B bat man mich in die Küche.

verschiedene Zeiten

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                                                 Wuppertal, Uhrmachergeschäft Liedchen Die Zeit vergeht, Das Gras verwelkt, Die Milch entsteht, Die Kuhmagd melkt. Die Milch verdirbt. Die Wahrheit schweigt. Die Kuhmagd stirbt. Ein Geiger geigt. Joachim Ringelnatz (1883 - 1934), eigentlich Hans Bötticher, deutscher Lyriker, Erzähler und Maler _______________________________________________________________________________ Es ist auch Glück, dass die Zeit vergeht! Wer will schon immer Zahnweh haben, oder immer eine ungeliebte Arbeit tun? Wenn wir auf jemanden warten, vergeht die Zeit zu langsam, weil wir uns freuen. Aber wenn uns etwas Unangenehmes erwartet, ist die Zeit im Nu da.  Und in der Ewigkeit ist eine Stunde nicht messbar...

Sonntag im August

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                      Ringelnatz, Joachim (1883-1934) Sommerfrische Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß, Das durch den sonnigen Himmel schreitet. Und schmücke den Hut, der dich begleitet, Mit einem grünen Reis. Verstecke dich faul in der Fülle der Gräser Weil`s wohltut, weil`s frommt. Und bist du ein Mundharmonikabläser Und hast eine bei dir, dann spiel, was dir kommt. Und lass deine Melodien lenken Von dem freigegebenen Wolkengezupf. Vergiss dich. Es soll dein Denken Nicht weiter reichen als ein Grashüpferhupf. -Der August Nun hebt das Jahr die Sense hoch und mäht die Sommertage wie ein Bauer. Wer sät, muss mähen. Und wer mäht, muss säen. Nichts bleibt, mein Herz. Und alles ist von Dauer. Stockrosen stehen hinterm Zaun in ihren alten, brüchigseidnen Trachten. Die Sonnenblumen, üppig, blond und braun, mit Schleiern vorm Gesicht, schaun aus wie Frau'n, die eine Reise in die Hauptstadt machten.

Lebensreise mit Schiff Erde

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  Schiff Erde »Ich will den Kapitän sehn«, schrie die Frau, »den Kapitän, verstehn Sie?« – »Das ist unmöglich«, hieß es. »Gehn Sie! So gehn Sie doch! Sie sehn ihn nie!« Das Weib, mit rasender Gebärde: »So bringen Sie ihm das – und das –.« (Sie spie die ganze Reling naß.) Das Schiff, auf dem sie fuhr, hieß ›Erde‹. Christian Morgenstern Aus der Sammlung Der Gingganz Wer bin ich auf meinem Lebensschiff?  Laß ich das Boot treiben, wo greife ich ein? Beschäftige ich mich mit der Gestaltung des Schiffes oder mit seiner Mechanik? Wen rufe ich an Bord?

Unterwegs mit Strom

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                                Berliner S- Bahnhof, eigentlich ein schönes Häuschen zum Wohnen.  »Guten Tag«, sagte der kleine Prinz.   »Guten Tag«, sagte der Weichensteller. »Was machst du hier?«, sagte der kleine Prinz. »Ich sortiere die Reisenden Tausenderweise«, sagte der Weichensteller. »Die Züge, in denen sie reisen, schicke ich mal nach rechts, mal nach links.« aus: Der kleine Prinz  ----------------------------------------------------------------------------------------------------------------- Und so fahren wir und stehen, so die Bahn will, dann fahren wir wieder. In zu vollen Zügen, in denen die Fenster nicht zu öffnen sind und die Klimaanlage versagt. Und bei diesen Fahrten starren viele Menschen wie gebannt auf Laptop oder Smartphone, egal was um sie passiert. Und sie glauben dabei, ihr Leben "im Griff" zu haben,  lebendig zu sein. Manchmal denke ich, ein Stromausfall wäre eine Chance.

Überlegungen zur Arbeit

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Künstler sind diese Bodenleger gewesen, und konnten sich doch kein Haus mit einem guten Boden leisten. Wer beurteilt den Wert der Arbeit, und warum ist diese körperliche Arbeit, die auch ein präzises Denken voraussetzt, soviel weniger wert als andere Leistungen?

Erinnerungen an Düfte

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                                                Landesgartenschau Bad Rappenau Morgenstern, Christian (9.5.1871-1914) Der Duft der Dinge ist die Sehnsucht, die sie uns nach sich erwecken. ------------------------------------------------------------------------------------------------ Lavendel duftet für mich auch nach Provence, nach Erinnerung an Gitanes und Rotwein, nach Rosmarin und Thymian. Damals, vor über vierzig Jahren, war diese Kombination Aufbruch. Geblieben ist alles, außer Zigaretten, und ich bin ziemlich froh darüber!

Gewinne und Flüge

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Zitat von Mark Twain: D i e P h a n t a s i e i s t d e m M e n s c h e n m i t g e g e b e n a l s E n t s c h ä d i g u n g f ü r d a s , w a s e r n i c h t i s t , u n d d e r H u m o r a l s T r o s t f ü r d a s , w a s e r i s t . Was will uns Esso damit sagen? Sie freuen sich, Gewinne zu erwirtschaften?  Sollten wir uns darüber freuen? Sie holen ein Naturprodukt aus der Erde und verkaufen es verarbeitet für viel Geld. Wo ist unsere Freu

Ziele oder Forderungen des Menschen?

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Philosophie Der Mensch hat neue Welten geschaffen – Die Welt der Sprache, der Musik, der Dichtung, die Welt der Wissenschaften. Und die bedeutendste von ihnen ist Die Welt der moralischen Forderungen. Der Forderungen nach Gleichheit, Freiheit, nach Hilfe für die Schwachen. Sir Karl R. Popper

Brücken und Krähen

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Die Krähe lacht. Die Krähe weiss, Was hinter Vogelscheuchen steckt, Und dass sie nicht wie Huhn mit Reis Und Curry schmeckt. Die Krähe schnupft. Die Krähe bleibt Nicht gern in einer Nähe. Dank ihrer Magensäure schreibt Sie Runen. Jede Krähe. Sie torkelt scheue Ironie, Flieht souverän beschaulich. Und wenn sie mich sieht, zwinkert sie Mir zu, doch nie vertraulich. Joachim Ringelnatz (1883-1934) deutscher Dichter, Kabarettist und Seefahrer Aus „Und auf einmal steht es neben dir“ Gesammelte Gedichte Warum den Text mit der Krähe? Weil mir keine begegnet ist unterwegs, ich finde sie klug und sie werden hoffentlich nicht so bald aussterben.

fahrende Händler statt versandter Pakete

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Hooligäns - so ähnlich hießen früher in der Eifel die fahrenden Händler. Sie kamen ab dem Frühjahr bis zum Herbst in größeren Abständen mit ihren kleinen LKW ins Dorf gefahren. Rundherum hingen Holzkörbe aus Weiden, Einkaufskörbe und ähnliche leichte Gegenstände. In den Regalen des Aufbaues gab es ein reiches Angebot an Steingutgeschirr, Kochtöpfen, Küchenmesser und Haushaltsausstattung, irgendwann auch viel Plastik. Mit einer großen Schelle läuteten sie mitten im Ort und warteten dann auf Käuferinnen. Ja, es waren meist die Frauen, ihre Kundinnen. Manchmal hatten sie auch Kittelschürzen oder blaue Arbeitskleidung für die Männer. Es kam dabei ja nicht auf genaue Paßform an. Es war spannend für mich, als ich ein kleines Mädchen war. Die Händler hießen so wie die Vogelformationen, die im Frühjahr und Herbst über uns hinwegzogen aus dem Norden. Diese Menschen fielen mir ein bei der Durchfahrt durch den Tunnel mit dem Graffiti.  

Schulbeginn mit altem Liedgut

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Teach Your Children Crosby, Stills and Nash Sie, die unterwegs sind   You who are on the road Muss einen Code haben, nach dem du leben kannst   Must have a code that you can live by Und so werde du selbst   And so become yourself Weil die Vergangenheit nur ein Abschied ist.   Because the past is just a good-bye. Lehren Sie Ihre Kinder gut,   Teach your children well, Die Hölle ihres Vaters ging langsam vorbei, Their father's hell did slowly go by, Und füttere sie mit deinen Träumen And feed them on your dreams Die, die sie auswählen, die, an der Sie sich orientieren werden. The one they picks, the one you'll know by. Fragen Sie sie nie, warum Sie weinen werden, wenn sie es Ihnen sagen. Don't you ever ask them why, if they told you, you will cry, Also schau sie dir an und seufze So just look at them and sigh Und weiß, dass sie dich lieben. And know they love you. Und Sie, von zarten Jahren, And you, of tende

Freundschaft und Abschied

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Morgen fahren wir weg von Berlin, zunächst noch einen Tag nach Quedlinburg. Ich freue mich diese Stadt ein wenig anzuschauen. Die Autofahrten machen mir keine Freude, wenigstens sind keine LKW unterwegs! Es war schön die Freunde und Nichten zu treffen hier in Berlin. Gestern haben wir einen Tag mit Gesprächen fast ohne Ende verbracht, jedenfalls gehen die Themen nie aus. Soviel Erinnerungen, soviel kämpferischen Mut, gemeinsames köstliches Essen und gegenseitige Akzeptanz ohne wenn und aber tun gut. Auch das Lachen kam nicht zu kurz, was haben wir in den Jahrzehnten unserer Freundschaft nicht alles erlebt! __________________________________________________________________________ Darum, mein Freund, brauche ich so sehr deine Freundschaft. Ich dürste nach einem Gefährten. Zu dir kann ich kommen, ohne ein Stück meiner inneren Heimat preiszugeben. In deiner Nähe brauche ich mich nicht zu entschuldigen, nicht zu verteidigen, nichts zu beweisen. Über meine ungeschic

Hoffnung? Ja, aber worauf?

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"Er [der Pöbel] ist käuflich und sinnlos gefährlich, folglich kann er von denen, die die Mittel haben und die an den faschistischen Pogromen wahrhaft sachlich interessiert sind, verblendet und gebraucht werden." - Das Prinzip Hoffnung, Bd. 1, Ernst Bloch Ist es so?

Sinn der Erinnerung.

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"Nur jenes Erinnern ist fruchtbar, das zugleich erinnert, was noch zu tun ist." Ernst Bloch Aufruf zum Schauen und Handeln, und auch die Gewißheit, dass Jammern über "vergossene Milch" zu nichts führen kann. Was vorbei ist, ist geschehen und kann nicht geändert werden. Nur in der Zukunft haben wir  Möglichkeiten zu gestalten. So ist es auch sinnlos, hinterher zu sagen, wenn es so gewesen wäre... dann, war nicht und ist vorbei. Wir haben heute, und mit Glück morgen alle Optionen. Meine Sehnsucht nach Großstadtleben hat sich der Realität gestellt und ist geheilt.

Freude, Urlaub, Katze

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Sozusagen grundlos vergnügt Ich freu mich, daß am Himmel Wolken ziehen Und daß es regnet, hagelt, friert und schneit. Ich freu mich auch zur grünen Jahreszeit, Wenn Heckenrosen und Holunder blühen. – Daß Amseln flöten und daß Immen summen, Daß Mücken stechen und daß Brummer brummen. Daß rote Luftballons ins Blaue steigen. Daß Spatzen schwatzen. Und daß Fische schweigen. Ich freu mich, daß der Mond am Himmel steht Und daß die Sonne täglich neu aufgeht. Daß Herbst dem Sommer folgt und Lenz dem Winter, Gefällt mir wohl. Da steckt ein Sinn dahinter, Wenn auch die Neunmalklugen ihn nicht sehn. Man kann nicht alles mit dem Kopf verstehn! Ich freue mich. Das ist des Lebens Sinn. Ich freue mich vor allem, daß ich bin. In mir ist alles aufgeräumt und heiter: Die Diele blitzt. Das Feuer ist geschürt. An solchem Tag erklettert man die Leiter, Die von der Erde in den Himmel führt. Da kann der Mensch, wie es ihm vorgeschrieben, – Weil er sich selber liebt

Bücherfreude

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Mein Lieblingsplatz im kleinen Heimatort. Was wäre ich froh, könnte ich in einen schönen Buchladen gehen und mir ein Buch aussuchen. Aber die Wege in Berlin sind weit, und in ein Buchkaufhaus mag ich nicht, auch Kettenläden meide ich. Die neuen E-Roller standen am Alexanderplatz meinem Rollator im Weg, wo sie nicht waren, waren Fahrräder angekettet. Irgendwie müssten Wege für Kinderwagen, Rollstuhl oder Rollator freigehalten werden. Ich schob die Fahrräder einfach zusammen bis ich durchkam, bin ja auch stark. Fast glaube ich, nun bin ich zu alt für eine Großstadt, bedächtig beobachten und träumend irgendwo stehen geht garnicht. Und es ist mir auch schwierig, Menschen zu umgehen, die schlafend auf dem Pflaster liegen. Ich bin gewohnt zu helfen, und hier steht die Polizei daneben und hält das für normal, weil es alltäglich ist. Mir geht dann das Bild des liegenden Mannes nicht mehr aus dem Kopf, ich denke darüber nach, was in seinem Leben wohl passiert ist. __________________

Verschiedenes, immer noch Berlin

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                               Ganz schön hoch, und viele Menschen kamen als wir fertig geguckt hatten. Berliner Dohlen sind fast zahm, zuviel fütternde Menschen an den Hotspots? Wenn ich das nochmal könnte... Da fällt mir gerade der "Handstand auf der Loreley" von Erich Kästner ein-  kommt auch mal, irgendwann. Nicht der Handstand, aber die Denke dahinter, die er anmahnt. Hier war es ein Sommerspaß.

Berlin, nochmal...

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                                         Blick vom Fernsehturm, hat die Enkelin fotografiert Kurt Tucholsky Das Ideal Ja, das möchste: Eine Villa im Grünen mit großer Terrasse, vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße; mit schöner Aussicht, ländlich-mondän, vom Badezimmer ist die Zugspitze zu sehn – aber abends zum Kino hast dus nicht weit. Das Ganze schlicht, voller Bescheidenheit: ... Einsamkeit und Hummelgesumm. Im Stall: Zwei Ponies, vier Vollbluthengste, acht Autos, Motorrad – alles lenkste natürlich selber – das wär ja gelacht! ... Ja, und das hab ich ganz vergessen: Prima Küche – erstes Essen – alte Weine aus schönem Pokal – und egalweg bleibst du dünn wie ein Aal. ... Ja, das möchste! Aber, wie das so ist hienieden: manchmal scheints so, als sei es beschieden nur pöapö, das irdische Glück. Immer fehlt dir irgendein Stück. Hast du Geld, dann hast du nicht Käten; hast du die Frau, dann fehln dir Moneten – hast du die Geisha, dann stört dich de

Lebensräume in der Stadt

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Wieder sollen Kleingärten den Neubauten weichen. Und das Stadtklima und auch das Wohlbefinden der Gartennutzer wird schlechter. Da helfen auch Unterschriften für den Erhalt der Insekten nichts, wenn sie keine Lebensräume haben, auch Vögel brauchen Platz und Futter. Die können nicht einkaufen fliegen. Die Made (Heinz Erhardt) Hinter eines Baumes Rinde wohnt die Made mit dem Kinde. Sie ist Witwe, denn der Gatte, den sie hatte, fiel vom Blatte. Diente so auf diese Weise einer Ameise als Speise. Eines Morgens sprach die Made: "Liebes Kind, ich sehe grade, drüben gibt es frischen Kohl, den ich hol. So leb denn wohl! Halt, noch eins! Denk, was geschah, geh nicht aus, denk an Papa!" Also sprach sie und entwich. - Made junior aber schlich hinterdrein; doch das war schlecht! Denn schon kam ein bunter Specht und verschlang die kleine fade Made ohne Gnade. Schade! Hinter eines Baumes Rinde ruft die Made nach dem Kinde ....

Landleben in der Stadt

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Auch das ist Berlin! Weit ins Land sehen, reifes Korn, das der Bauer bald erntet, einige Brennessel für die Schmetterlinge, viel Beifuss um gut zu kochen. Und dann ein fester Zaun, damit uns die Natur nicht überwältigt. Wir glauben manches was nicht so richtig stimmt.   Komm, sage mir, was du für Sorgen hast  In eines Holzes Duft lebt fernes Land. Gebirge schreiten durch die blaue Luft. Ein Windhauch streicht wie Mutter deine Hand. Und eine Speise schmeckt nach Kindersand. Die Erde hat ein freundliches Gesicht, So gross, dass man's von weitem nur erfasst. Komm, sage mir, was du für Sorgen hast. Reich willst du werden? – Warum bist du's nicht? (Joachim Ringelnatz 1883-1934, deutscher Schriftsteller)