Mittwoch, 14. August 2019

Brücken und Krähen

Die Krähe lacht. Die Krähe weiss,
Was hinter Vogelscheuchen steckt,
Und dass sie nicht wie Huhn mit Reis
Und Curry schmeckt.

Die Krähe schnupft. Die Krähe bleibt
Nicht gern in einer Nähe.
Dank ihrer Magensäure schreibt
Sie Runen. Jede Krähe.

Sie torkelt scheue Ironie,
Flieht souverän beschaulich.
Und wenn sie mich sieht, zwinkert sie
Mir zu, doch nie vertraulich.



Joachim Ringelnatz (1883-1934) deutscher Dichter, Kabarettist und Seefahrer
Aus „Und auf einmal steht es neben dir“ Gesammelte Gedichte

Warum den Text mit der Krähe? Weil mir keine begegnet ist unterwegs, ich finde sie klug und sie werden hoffentlich nicht so bald aussterben.




4 Kommentare:

  1. Manchmal,
    liebe Roswitha,
    können sie mich auch nerven mit ihrem Dauergekrächze:
    Die hochintelligenten Krähen.
    Ich mag das Ringelnatzgedicht mit seiner feinen Ironie!

    Lieben Gruss
    Hausfrau Hanna

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    1. Hat nicht fast alles zwei Seiten? Sie haben mich in der Kur am Bodensee täglich um ca. 5 Uhr geweckt. Ich habe mir manchmal überlegt, was sie sich so früh am Morgen schon erzählen wollen.
      Lieben Gruß, eine manchmal krächzende Roswitha

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  2. Ja, sehr kluge Tiere !
    Ich habe mal einer zugeschaut (30 Minuten lang), die aus´m Abfallkorb ... aus einer weggeworfene Brottüte die Scheiben herausgeholt und verspeist hat (ړײ)

    Vollmond-Gruß und einen schönen hier ... herbstlichen Donnerstag wünsch ♥

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    1. Liebe Annette, ich bin sehr froh über das kühlere Wetter. Ich habe in Schwerin mal zugeschaut wie eine Krähe eine Muschel öffnete und aß.
      Der Mond freut mich, bin vielleicht mond-süchtig, er erinnert mich an eine Laterne, an ferne Welten, daran, dass auch wir auf einem Planeten leben. Liebe Grüße, Roswitha

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