gestern in einer tv-sendung über kunst wurde über den begriff "Heimat" berichtet. wie verschieden doch die definitionen sind. was bedeutet heimat für mich: mit vertrauten menschen zusammen sein, die sprachmelodie kennen(eine frau aus dem allgäu sagte immer, wir aus dem rheinland sängen beim reden), eine gemeinsame geschichte haben, erinnerungen an feste und ihre rituale(kirmes, kommunion, hochzeiten...), auch erinnerungen an gebäude oder eine bank im wald, der blick vom berg. alles ist mit meiner herkunft verknüpft.
die sicht auf vieles ändert sich im laufe des lebens, die erinnerungen kaum. sie verblassen, aber ein kurzes antippen durch etwas weckt sie wieder. wie wunderbar war es, nach vielen tagen über tausend kilometer weg von meinem geburtsort ein auto mit dem nummernschild meines geburtsortes zu sehen. es waren fremde menschen, vielleicht auch aus einem kleinen dorf im landkreis, aber für mich waren es menschen aus "meiner heimat". was umso bekloppter ist es, weil ich selbst dort seit über fünfzig jahren nicht mehr lebe.
auch meinen jetzigen wohnort bezeichne ich als heimat, und die stationen zwischendrin ebenso. es verwundert mich wie sehr mein ursprungsort in mir ist, weil ich schon viel länger weg bin, als ich dort je lebte. so bin ich eine wanderin zwischen orten, in denen ich beheimatet war, überall traf ich gute menschen, freundinnen und freunde. ich bin sehr dafür, die "Heimat" als ein landstück in europa zu sehen und nicht in festen normen zu zementieren. wir sind alle gast auf der erde und niemanden gehört sie allein.
eine andere heimat ist das:
Die Greisin
Mit zitternden Fingern glättet sie Falten auf Tischtuch und Serviette. Früh gelerntes wird nie mehr vergessen, auch wenn das Gestern verlorengeht. Nur wenige Menschen an ihrem Tisch, jetzt endlich die Ruhe, die der Vater den acht Kindern früher befahl. Köstlichkeiten sind eine gute Suppe und eine warme Heizung oder die Sonne, warmes Wasser beim morgendlichen Waschen und ein Radio, das frohe Lieder spielt.
Einem Kind Freude bereiten und sich darüber selbst freuen können ist Gnade.
Eine eigene Welt nur für sich allein, in der der Alltagstrubel unwichtig ist, ist Glück. Die draußen vorübergehenden Menschen in neuen Zusammenhängen sehen stellt eine befriedigende Ordnung her.
Keine Zweifel, keine Angst hat Raum in ihrer Welt, wenn die wenigen Menschen um sie freundlich und fürsorglich sind. Es braucht nicht mehr viel in ihrem Leben - aber es braucht Mitmenschen.
roswitha


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