Freitag, 3. Juli 2026

bunte treffen statt grauschleier

                                                             Foto: Ulrike Ernst, Mosbach

die welt ist bunt, auch wenn es auf die jeweilige perspektive ankommt. unser blickfeld wird von der eigenen wahrnehmung begrenzt. und diese ist nicht zu allen zeiten oder jahreszeiten oder umständen gleich. 

wir müssen oder sollten uns immer neu orientieren, wie wir uns und die welt sehen. im laufe der jahre gibt es grundsätzliche gedanken, ethische normen oder überzeugungen, alles spielt eine rolle. 

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vor ein paar tagen sah ich im tv große gruppen von stadtmenschen verschiedenen alters, sie passten scheinbar nicht in eine gruppe, sportliche wie mehrgewichtige, mit turnschuhen oder im büro-outfit. alle treffen sich monatlich zu einem gemeinsamen spaziergang, weit über einhundert menschen. einer hatte dazu eingeladen, es werden jeden monat mehr, die redend und ohne handy durch einen park spazierengehen. 

stuttgart gibt es einen termin, da sitzen verschiedene sich fremde menschen gemeinsam in einem raum und jeder/jede liest in einem anderen buch, das heißt lesetreff. es können eigene bücher mitgebracht werden, aber es gibt auch einen kleinen vorrat im raum.

beides sind für mich erstaunliche und freudige entwicklungen, zeigen sie doch, es besteht ein bedarf am miteinander. raus aus der vereinzelung der großstadtmenschen, hin zum zunächst unverbindlichen treffen und kennenlernen von mitmenschen.

zum glück braucht es keine große unglücke, damit das stattfindet. so etwas sollten wir überall anregen, in manchen orten gibt es eine "schwätzbank" mit schild. wer da sitzt, will sich gerne unterhalten. es gibt offene handarbeitstreffen in Hinterzimmern von geschäften.

gibt es ähnliches auch für männer? basteltreff mit fahrrädern? mit elektroeisenbahnen? 

kommen wir miteinander ins gespräch... 


 

Freitag, 26. Juni 2026

der sommer gibt auch bücher

Foto: Stadtpark, Nina 
 
ich fühle mich einem grottenolm ähnlich, obwohl ich nie einer war: in abgedunkeltem zimmer gehe ich umeinander, bin müde vom schlaflosen liegen im bett, die augen brennen und ich suche jeden tropfen wasser.
aber warum auch nicht? sonst geht es mir und uns ja gut, ich kann schreiben und lesen und radio und TV nutzen. ich suche mir heute einmal die gründe zusammen, weshalb ich meine dankbarkeit trainieren sollte. unsere enkelin brachte uns eis, mein mann brachte mir matjes- so gibt es heute matjessalat mit pellkartoffeln(von gestern), rote bete und äpfeln. 
außerdem habe ich eine neues buch von mely kiyak gekauft: Gute Momente - ich liebe ihre beobachtungen. im klappentext steht: "Gute Momente sind eine fabelhafte Hymne auf den Alltag und ein großes Lob der Menschlichkeit."  
 
ich empfinde es als großes, unerwartetes geschenk meines alters, dass ich mir einfach so ein buch kaufen kann. das erste selbstgekaufte buch erarbeitete ich mit vierzehn jahren, indem ich in der spülküche einer gaststätte über die kirmes geld verdiente. immer die große sehnsucht nach büchern, die mir neue welten öffneten. 

 

Montag, 22. Juni 2026

winterbild zum abkühlen

so sah es auch mal auf unserer terrasse aus, schneepolster und erfrischung gab es bis zur haustüre geliefert. wir tun gut daran, unsere machtlosigkeit beim wetter zu erkennen, einzig langfristig ist eine abkehr von zuviel hitze möglich. leider haben wir versäumt, die richtigen menschen für dieses ziel zu wählen.

der alte spruch: kommt zeit, kommt rat - er fordert uns ganz schön. und wenn unsere fachfrau für heizungen/ energie nicht für vorräte sorgt, dann können wir im winter vielleicht auch das gegenteil der hitze erfahren.

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S.102      "Alles, was man nicht wahrhaben will und verdrängt, jeder Konflikt, der geleugnet und nicht offen angesprochen wird - in einer Kultur ebenso wie im Leben jedes Einzelnen - sucht sich ein Ventil und kehrt sich schließlich in teuflischer Verkleidung gegen das Leben, gewaltsam und vernichtend."

Connie Palmen, 1955, niederländische Autorin,
aus 'Du sagst es'


 

Mittwoch, 17. Juni 2026

ACHTHUNDERTFÜNFZIG

dies ist mein achthundertfünfzigster blogeintrag, kinder wie die zeit vergeht, hätte meine oma gesagt. und das ohne besondere kenntnisse der technik. ich weiß vieles nicht, z.b. wie ein anderer blog verlinkt wird, wie ein video eingebunden wird, oder auch meine gestaltungsmöglichkeiten. hier ist niemand, der mir etwas zeigt, enkel und freunde/-innen schauen keine blogs, oft nicht mal meinen.

trotzdem macht mir das schreiben freude, beschäftigt meine gedanken über den alltag hinaus. dieser ist wahrhaftig nicht einfach, aber es ist meiner, und ich nehme die herausforderungen meist an. immer wieder bin ich erstaunt, wenn ich etwas erlebtes erzähle und beim nachdenken feststelle: oh gott, das ist ja schon vierzig oder fünfzig jahre her. für mich ist es wie gestern, dazu kommen aber immer neue dinge im alltag, die es damals nicht gab. in der politik gibt es eindeutig einen rückschritt bei vielem. der freiheitsgedanke war schon einmal weiter, inzwischen hat oft die wirtschaftsmacht oder ein taktieren um vorherrschaft bei gremien und parteien zugenommen. das schränkt die spielräume der handelnden ein, ich freue mich über alle, die noch mut haben und weiter denken. oft schrieb ich, dass wir utopien brauchen, um ziele zu finden. 

so wünsche ich zum wiederholten mal änderungen, sehne mich nach der aufbruchstimmung der späten sechziger jahre. damals hatte ich auch zuversicht, dass eine gerechtere welt möglich sei.

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Wahrscheinlich hat der Geist jedes Menschen einen Platz in der Zeit zugewiesen bekommen: Einige sind für das, andere für jenes Zeitalter geboren. - virginia woolf-
 


                                           -      mein blick vom schreibtisch, jetzt duftet die linde -

Freitag, 12. Juni 2026

gelber tüll und buchstaben- mut

                                                   Foto: Uli Boll, Manderscheid

der weg ist vorgegeben, man könnte ihn aber in beide richtungen gehen. nach links gibt es keinen zaun: ist das versuchung vom weg abzuweichen? 

der rechte stacheldrahtzaun hielte mich heute ab. vor siebzig jahren hatte ich einen zitronengelben petticoat aus zartem tüll. sehr stolz war ich, aber leider verhielt ich mich nicht "mädchenhaft" für diese kleidung. ich kroch zwischen zwei gespannten drähten aus stacheldraht auf die wiese. warum weiß ich nicht mehr, vielleicht wollte ich blumen pflücken. 

viele kleine risse im tüll gab es, auch im kleid einige wenige. heulend lief ich zu meiner tante rola und sie reparierte mir unter vielem schimpfen mein schmuckstück. es dauerte einige zeit, ehe meine mutter die fehlstellen bemerkte. dieser tüll- unterrock war der einzige seiner art im meinem leben. ich war kein mädchen für modische neuheiten, eher für den vierfalten-rock in pepita.

 


manchmal mußte ich vom vorgezeichneten weg abbiegen, meinen eigenen suchen. ich sah, es gibt auch andere. es stimmt nicht, dass verkündet wurde, wer A sagt, muß auch B sagen, es gibt auch F oder D oder...  

ich lese: Warum glücklich statt einfach nur normal?, Jeanette Winterson, Hanser - gefällt mir sehr, ist bewegend und anregend, voller denkanstösse.  


 

Donnerstag, 4. Juni 2026

menschliche regeln, sonniges maar

                                              Meerfelder Maar, Foto: Uli Boll, Manderscheid
 

die lücke der falschen herkunftsfamilie ist nicht einfach zu überdecken, und geschlossen werden kann sie wohl nie richtig. betroffene halten sie für ein manko, ich sehe das spüren dieser lücke als einen wertvollen erfahrungshintergrund, mit dem sich die welt aus anderer sicht verstehen läßt. meine erfahrung hat mich gelehrt, dass auch fleissiges lernen und beobachten in der schule oder bei zusammenkünften zu mißverständnissen führen können.

als kind wußte ich nicht, dass manche menschen butterbrote mit messer und gabel essen. ich kannte keinen rubin, nach dem im intelligenztest gefragt wurde. auch ungeschriebene regeln gelten und führen zu schubladen, in die menschen eingeordnet werden. status und armut bestimmen mehr, als ich in den jahren des aufbruchs je dachte. früher dachte ich lesen bildet. das stimmt nur, wenn auch empathie wachsen kann, wenn lebendigkeit und menschenfreundlichkeit erfahren wird und gelebt werden kann.

„Alle Dinge enden, wenn ihre Anfänge nicht intakt gehalten werden. Laßt uns nicht Blumen züchten, sondern Knospen.“ ―Charlotte Wolff

 

  

Donnerstag, 28. Mai 2026

unsere kleine stadt und denkmäler

da läßt jemand sein denkmalgeschütztes haus langsam verrotten, da nutzen denkmalämter auf verschiedenen ebenen nichts. auch ensembleschutz neben dem berühmten Palmschen Haus hilft nicht. 

ein anderes historisches gebäude, zuletzt als altenheim gerne genutzt, weil mitten in der stadt, jederzeit besuchbar, die alten menschen konnten marktplatzatmosphäre erleben, wurde vor fast drei jahren einer investorengruppe verkauft und steht seitdem leer. viele studierende hätten sich sicher über günstige zimmer in dem wunderbaren, z.t. gut renovierten gebäudekomplex gefreut, eventuell auch als zwischennutzung. was seitdem passiert ist? es wurden gehölze geschnitten an der grenze zu nachbargrundstücken. was ist los? 

gibt es keine verpflichtung mehr bei eigentum? besonders bei denkmälern die in der geschichte der stadt eine wichtige rolle spielen. wollen wir alles kommerz und willkür einzelner opfern?

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WER NICHT VOM FLIEGEN TRÄUMT,

DEM WACHSEN KEINE FLÜGEL.


Samstag, 23. Mai 2026

visionen mit mut und bloch


vor mehr als einem halber jahrhundert sagte ernst bloch, der in Ludwigshafen 1885 geborene Philosoph, wir müssten ins gelingen verliebt sein, nicht ins scheitern. sein lebenswerk ist die vision des menschlichen fortschrittes, das Prinzip Hoffnung. bloch war überzeugt von der lernfähigkeit der menschen, er plädierte für unseren mut zu empathischen wahrnehmung von uns selbst und der uns umgebenden menschen. er war voller hoffnung, das es menschlichen und gesellschaftlichen fortschritt gibt, wenn die menschen nicht den mut verlieren, im denken und handeln einander unterstützen und visionen des zieles vor augen haben.
 
sein leben war nicht einfach, glatt, ohne schmerzhafte erfahrungen, und die wechselhaften zeiten ab der jahrhundertwende verhinderten ein gesichertes nest zum ruhigen philosophieren. 
 
viele millionen menschen in deutschland engagieren sich ehrenamtlich, sie glauben an ihr tun. wir sollten dafür arbeiten, dass fast alle menschen sich als selbstwirksam erfahren, weil sie etwas zu ihnen passendes tun. helfen wir dazu, dass sie spüren, wie sie anderen helfen können, lassen wir niemanden allein stehen.
 
geben wir nicht nach, wenn die in der politik tätigen falsche prioritäten setzen.
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Es gehört zum Wesen der Hoffnung, dass sie enttäuscht werden kann, sonst wäre sie ja Zuversicht. Die Eitelkeit ist das letzte Kleid, das der Mensch auszieht. (Ernst Bloch 1885 - 1977)
 
  
 

Samstag, 16. Mai 2026

langen atem haben

 

                                                             

 Angelica Domröse, nach Tipps für das Altern gefragt, antwortete: 

"Humor behalten. Und wenn er runterfällt, der Humor, dann aufheben und sagen: Bleib bei mir!"                Diese wunderbare Frau starb am 15. Mai in Berlin, fünfundachtzig Jahre wurde sie. Ihre Rolle im Film"Legende von Paul und Paula" mit Winfried Glatzeder und Regisseur Heiner Carow wurde zum Kassiker. Aber Frau Domröse begegnete uns in vielen Rollen, zuletzt auch als Regisseurin.   

heute hatten die meisen in unserem hof ein fest, sie fraßen am mistelbaum und flogen wild umher. das amselpaar hat ein junges welches im fliegen unterrichtet wird. gestern flog es versehentlich gegen ein fenster und fiel auf die bank. dort blieb es kurz liegen, dann schüttelte es sich und flog weg. immer wieder kommen auch rotschwänzchen. sie fliegen an die rosen und pflücken sich wohl blattläuse von den blättern. dann gibt es noch lästige stadttauben, sie vermehren sich zu stark und bekacken alles. füttern ist verboten, dumme menschen füttern sie mit allem: brotstücke, pizza, eiswaffeln... (nicht im hof).

zuschauen beruhigt ungemein, tief einatmen und langsam ausatmen. die amseln sehen mich als teil ihrer umgebung und kommen fast auf armlänge heran.  

ach, ich wollte über humor schreiben. wenn niemand den mahnenden stimmen zuhört bleibt uns vielleicht doch nur noch, in höllisches gelächter auszubrechen wegen des eifers, mit dem die mächtigen der welt sich selbst zerlegen. zuschauen, denken, netzwerke in der eigenen blase bilden. mitbloggerinnen erfreuen ist auch gut, und vertrauen in unsere kreative kraft. 

ich gebe nicht auf, unsere welt, wie ich sie sehe, ist jedes engagement wert, nicht nur für mich. habe heute wieder einen leserbrief in der zeitung, demokratie lebt von teilnehmen.

Sonntag, 10. Mai 2026

männer und lurchi


"Der arabische Diktator General Fusshami war, wie es bei Tyrannen nicht selten ist, schizophren. Er beleidigte jeden und machte sich über alle und alles lustig, war aber eine Mimose, wenn er selbst zur Zielscheibe der Satire wurde."   Rafik Schami, Mein Sternzeichen ist der Regenbogen, dtv

"Viele Männer erkranken mit fortschreitendem Alter an Testosteron- Autismus, was mit einem langsamen Schwinden der sozialen Intelligenz und einem zunehmenden Unvermögen, was zwischenmenschliche Kommunikation betrifft, einhergeht und auch das Formulieren von Gedanken beeinträchtigt."                       Olga Tokarczuk, Gesang der Fledermäuse, Kampka, sie erhielt den Nobelpreis Literatur 2018 

- soviel als kommentar zu den mächtigen dieser welt, die durch ihr dasein millionen menschen ins unglück stürzen. als wenn es nicht genug zu tun gäbe für uns alle, um unseren einzigen planeten zu erhalten. und manchmal bricht das persönliche unglück in unser leben, auch das gehört zum leben dazu.  glück suchen ist momentssache, dauerhaft kann nur sein, flexibel mit den anforderungen der tage umzugehen und mit verstand den nächsten schritt zu gehen. ja, manchmal mutig, manchmal verzagt, immer aber gehen, wie es möglich ist. 

und schauen, was in uns und um uns ist: manchmal eine wunderbarer salamander. der erinnert mich an lurchi, die figur aus dem komikbüchlein der salamander- schuhfabrik hier in baden. ich wollte als kind bücher und bekam sehr selten eines. dieses heftchen gab es nur, wenn meine mutter die teuren schuhe von salamander kaufte, tat sie nicht oft. außerdem gab es die moralische pflicht, schuhe bei der vermieterin der großeltern zu kaufen, sie war kriegerwitwe. 

die natur schenkt mir einen salamander, fotografiert von der enkelin. das ist beglückender als jedes reklame-heftchen. 

 


 

 

 

bunte treffen statt grauschleier

                                                             Foto: Ulrike Ernst, Mosbach die welt ist bunt, auch wenn es auf die jeweilige p...