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Moment auf dem Marktplatz

Auf dem Markt

Du sitzt auf der Mauer am Rand des Marktplatzes. Um dich sind fremde Menschen die geschäftig umher gehen, manche schlendern ohne erkennbares Ziel. Der Gemüsebauer überzeugt eine nörgelnde Kundin und lacht gleich darauf mit einer anderen. Es riecht nach Sellerie, Äpfeln und Knoblauch. Die Luft ist erfüllt mit Lachen und Stimmengewirr. Drei Männer im Rentenalter stehen seit geraumer Zeit schon und stecken heftig gestikulierend die Köpfe zusammen. Einer geht einige Schritte weiter, dann zögernd zurück. Eine dunkel gekleidete Frau verkauft selbst gezogene Astern, die sie in Zeitungspapier einwickelt. Ein Kind hüpft auf einem Bein um eine Pfütze am Blumenstand, springt dann mit beiden Füssen hinein und lacht. Du lachst mit dem Kind, lächelst die Vorübergehenden an, manchmal bekommst du ein Lächeln zurück.
Dann gehst du, kaufst einen prächtigen Strauß Astern, und beginnst, sie einzeln an die Menschen zu verschenken. Von ungläubiger Abwehr bis zu spontaner Freude erfährst…

Gegen den Strom

Der Querschwimmer
Der bebrillte Schwimmer durchfurchte den rechten Rand des Beckens. Ohne Pause spurte er seine Bahn. Niemand kreuzte seine Bugwelle. Die anderen, meist Frauen, schwammen unterschiedliche Bahnen, flexibel, wo immer sie Platz fanden. Mal verschnaufte eine am Rand, mal schwammen ein paar als kleine Gruppe und schwatzten miteinander. Ertrunkene Insekten von der Wasseroberfläche sammelten sich in Dekolletés. Rückenschwimmen gab es nach Lust und Laune oder nach Sonnenstand. Problemlos, ohne Zusammenstoß oder ungesunde Drehung des Halses glitten die Schwimmbadbesucher entspannt durch das Wasser.
Alles hatte seine Ordnung, alle waren zufrieden und genossen das allmorgendliche Ritual - bis zu jenem Dienstag Anfang Juli. Plötzlich war ein Neuer da, nicht mehr ganz jung. Auch ihm wird freundlich zugenickt, bevor die tägliche Routine beginnt. Der bebrillte Schwimmer strebt zu seiner Bahn, zwei Frauen suchen sich ihre Bahnen in stummer Rücksichtnahme.
Der Grauhaarige zögert noch. Die …

Carpe diem, oder so...

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Einmal ist es so dass wir gar nichts vermögen außer uns hinzulegen und zu sterben. So ist es.




Heute ist Frühling! Ich lebe und kann nur über die Gegenwart verfügen - ich will das Heute auskosten, will sehen, was ich zum Tag beitragen kann, was der Tag mir anbietet.

Der kleine Fußballfan

Der Fußball und das ferne Land

Der sechsjährige Habib war seit über einem Jahr in Deutschland. Er erinnerte sich nicht gerne an die schlimmen Dinge in seiner Heimat: Häuser wurden zerstört, Menschen verschwanden, manchmal musste sich die Familie im Wald verstecken. Habib durfte nicht auf der Strasse spielen. Einmal schrie in der Nacht ein Mensch sehr laut. Vater hatte keine Arbeit, das Essen reichte selten um satt zu werden.
Damals erzählten seine Eltern von Deutschland, einem freundlichen Land, in dem nicht geschossen werde. Vater würde wieder arbeiten und sie gemeinsam in einem Haus mit Garten leben. Seine Eltern versprachen Habib einen richtigen Lederfußball in Deutschland. Dort wurde viel Fußball gespielt, die waren Weltmeister!  Die Angst vor der fremden Welt aus dem Fernsehen war groß. Aber er wollte natürlich einen Fußball, statt mit luftleeren Plastikbällen zu kicken!
Die Familie musste sich auf eine lange und gefährliche Reise machen. Sie fuhren mit einem alten Lastwagen an die…

Prickelnde Brause

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Es gibt Tage, an denen wir Erinnerungen zur Gegenwart machen, indem wir einfach eine Wahrnehmung wiederholen oder neu erleben.
Oder einen Geruch – wie zum Beispiel den von Brausepulver, das wir mit Spucke auf der Hand auflösen und schlecken. Oder die Explosionen des Pulvers im Mund, wenn wir es einfach reinschütten! Tüte auf, Zunge raus, Kopf in den Nacken, rieseln lassen, warten, bis das anfangs schier unerträglich saure Gefühl nachlässt, süßigkeitenglücklich fühlen, schlucken, nächste Ladung rieseln lassen!



Und so schieben wir alle Grundsätze gesunder Ernährung beiseite und erinnern uns an eine Zauberwelt von Natron, Weinsäure, Zucker und Aromen.

Nehmt ein Tütchen und probiert!

Naturkraft

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Ausdauer bringt auch etwas gegen harte Fakten!

Ein Baum- Denk-Mal

Die Buche am Elternhaus

Eine junge Frau pflanzte nach ihrer Hochzeit eine kleine Buche, die sie am Wegrand entdeckt hatte. Sie hegte das Pflänzchen, goss es in trockenen Zeiten, jätete das Wildkraut in seiner Umgebung. Sie tat alles, damit aus dem Sämling eine große Buche werden konnte. Diese Frau, meine Ahnin vor mehr als hundertzwanzig Jahren, erlebte mit dem Baum die Jahreszeiten. Sie sah ihn viele Jahre wachsen. Als sie alt war, spendete ihr die Buche Schatten. Ihre Kinder bauten eine Bank unter das Blätterdach. Manchmal stellten sie im Sommer Tische und Stühle dazu und feierten. Im Winter setzten Kinder einen Schneemann auf die Bank, ein altes Foto zeigt sie lachend mit ihrer Schöpfung. Abends traf sich manchmal ein Liebespaar auf dieser Bank und träumte sich in eine gemeinsame Zukunft.
Während der großen Kriege hüteten die Nachfahren der Frau die inzwischen stattliche Buche, damit sie nicht zu Brennholz wurde. Ihr Anblick war ihnen Trost und schenkte Gedanken an Dinge, die über d…