Dienstag, 3. Februar 2026

zukünftiges frühlingsgrün

                                                               Foto: Uli Boll, Manderscheid

Neues Wesen
 
Blau kommt auf
wie Mörikes leiser Harfenton.
Immer wieder
wird das so sein.
Die Leute streichen
ihre Häuser an.
Auf die verschiedenen Wände
scheint Sonne.
Jeder erwartet das.
Frühling, ja du bists!
Man kann das nachlesen.
Die grüne Hecke ist ein Zitat
aus einem unbekannten Dichter.
 
Die Leute streichen auch
ihre Familien an, die Autos,
die Boote,
Ihr neues Wesen
gefällt allgemein.
 
(Karl Krolow. In: Gedichte für einen Frühlingstag)

das bild zeigt etwas vom kommenden frühling: grün, verwirbelt, hell und ein suchbild. wir werden weiter wachsam sein müssen. wir werden aufeinander aufpassen und nicht zulassen, das unsere nachbarn die hoffnung verlieren, weil die bestimmenden sich deren leben nicht vorstellen können. immer wieder zählt die zuversicht, und wir sind auf das vertrauen in die macher/innen angewiesen.

 und dann werden wir auf den wiesen tanzen und uns die lauen frühlingslüfte um die nase wehen lassen, ich rieche die blüten. ich male mir frühling.

träumereien als es schneite am dritten februar, saukalt und glatt ist es.

 
 

Freitag, 30. Januar 2026

Frauen

 
 
Skulptur Marianne Wagner

 
 

 Hilde Domin schrieb: 

 Seite 29 Nr. 427 · Juni 2005
Antwort an Christa Wolf
„Du weinst um das Nachlassen …
und so unglaublich es sein mag,
den unvermeidlichen Verfall der Sehnsucht.“
(„Kindheitsmuster“)

Die Sehnsucht
nach Gerechtigkeit
nimmt nicht ab
Aber die Hoffnung
Die Sehnsucht
nach Frieden
nicht
Aber die Hoffnung
Die Sehnsucht nach Sonne
nicht
täglich kann das Licht kommen
durchkommen
Das Licht ist immer da
eine Flugzeugfahrt reicht
zur Gewißheit
Aber die Liebe
der Tode und Auferstehungen fähig
wie wir selbst
und wie wir
der Schonung bedürftig
aus:
Gesammelte Gedichte, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main, 1987

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Kommt gut in den Februar und erinnert euch an Omas Spruch zum 2. Februar:

"Maria Lichtmess, Spinnen vergess, bei Tag zur Nacht ess."      (Spinnen: mit dem Spinnrad!)  

 

Montag, 26. Januar 2026

Schulkameraden irgendwo

                                                              Bild: Anna- Lena (wo ist das?)
  

 auf der suche nach ideen für diesen blog fahren sich meine gedanken wieder im tal der angst fest: wieviel darf ich preisgeben von meinem leben, von dem anderer menschen und von meinen gedanken über manches. dann ärgere ich mich, ich möchte kein ängstlicher mensch sein. 

wie sollte sich etwas ändern, wenn ich und du und ihr euch nicht ändert? nichtstun heißt die kräfte zur änderung verschenken, die freude an der eigenen wirksamkeit im leben nicht erfahren. ich gehe in mich und trage mich nach außen.

manni ist gestorben, ein von vielen gut gelittener schulkamerad, ein halbes jahr jünger als ich. ich muß zur kenntnis nehmen, dass mein jahrgang und jünger immer häufiger bei den todesanzeigen vorkommt. wie ist es beim nächsten klassentreffen, wie viele werden fehlen bei unserem fünfjährigen rhythmus?  ich fände es wichtig, bei diesem treffen auch nach vorne zu schauen. wir sind einen langen weg gegangen, dieser weg endet unterschiedlich für uns. und alle bereits gestorbenen sind in unseren erinnerungen mehr oder weniger präsent. aber die noch lebenden sollten ihre lebendigkeit spüren...

manni war politisch wach und informiert, auf ihn konnte ich mich verlassen. wichtig war auch sein humor, dass miteinander spotten können über den irrwitz der bürokratie. möge er dort sein, wo er hinwollte.  

Samstag, 17. Januar 2026

Kleinstadtbeobachtungen


 Reklame ohne Strom zu verbrauchen, handwerklich hergestellt und aufgehangen, hält jetzt seit fast einhundert Jahren. Unterhalb dieser alten Reklame ist das Schaufenster einer verlassenen Bäckerei. Sie ist insolvent, seit Wochen geschlossen. Seit Jahren läuft im Schaufenster ein großer Bildschirm, um für ihre Produkte Werbung zu machen. Er zeigt nicht lieferbare Produkte an, bietet auch verschiedene Sorten Kaffee sowie "cafe- to-go". Währenddessen frißt er Strom und schmälert die Summe der Insolvenz.  

Sieht niemand diesen Wahnwitz? 

Vorher war im Nebengebäude eine Niederlassung von "Toni", sie versuchten viele Kunden für schnelles Internet zu gewinnen. Auch hohe Vertragsabschlüsse führten nicht zu reibungslosem Ablauf der Bauarbeiten, es fehlten vielleicht Bauarbeiter. Dann wurde die Firma übernommen, der Name änderte sich. Die Bauarbeiten stocken weiterhin. 

Ein Schaufenster ging in der Nacht zu Bruch und die Besitzer verkleideten das leere Schaufenster mit einer kunstvollen Installation. 

Die Touristen fragen was das ist und warum es so ist, seit über zwei Jahren am zentralen Marktplatz. Die Gesetze sind zahnlos, obwohl das historische und denkmalgeschützte Ensemble verunstaltet wird. Außerdem verrotten die wunderbaren Fenster der kleinen Erker über diesem Schaufenster.

                                                               ______________________________

 Der moderne Weltuntergang wird sich so vollziehen, daß gelegentlich der Vervollkommnung der Maschinen sich die Betriebsunfähigkeit der Menschen herausstellt. Den Automobilen gelingt es nicht, die Chauffeure vorwärts zu bringen.

Karl Kraus 

 

Montag, 12. Januar 2026

Hydra und wir


 "Die meisten Kriege der Neuzeit sind so, als würde man versuchen, einer Hydra den Kopf abzuschlagen: Man löst ein Problem und schafft Dutzende neue. Vermutlich liegt das Problem darin, dass wir alle es gewohnt sind, die Welt in Wir und die anderen einzuteilen, und natürlich sind die anderen immer eine gesichtslose Masse, und diese Masse ist eine Bedrohung...

Ronny ist Israeli, und durch ihn habe ich gelernt, dass es im Grunde nur zwei Arten von Menschen gibt: diejenigen, die Frieden wollen, und diejenigen, die siegen wollen. Er teilt die Welt in vernunftbegabte Menschen und Vollidioten ein und vermutlich hat er recht. Beide Arten von Menschen gibt es überall, in Israel genauso wie in Gaza, im Libanon, in Deutschland und überall sonst auf der Welt, doch das Problem besteht darin, dass die meisten Leute noch immer glauben, dass Konflikte zwischen Nationen oder Konfessionen stattfinden, während es in Wahrheit ein Haufen Idioten ist, die auf Sieg spekulieren und damit den friedliebenden Teil der Menschheit in die Verzweiflung treiben."

aus: Joana Osman, Wo die Geister tanzen, Bertelsmann 2025 - ein sehr lesenswertes Buch der palästinensisch- deutschen Autorin, ein Roman über ihre Familie und über Menschen, die flüchten müssen.  

unsere jüngste enkelin schaut aufs meer, es war ein schöner abend an der ostsee. auch diese momente dürfen wir geniessen und suchen, damit werden die idioten nicht mehr. mehr werden sie, wenn wir ihren schlagworten trauen, wenn wir ihren scheinbar "einfachen" lösungen gehör schenken und uns von immer neuen aufgeregtheiten durch unsere tage treiben lassen. 

Samstag, 10. Januar 2026

leute ohne rahmen

                                                               Detail Fensterumrandung

inzwischen eskaliert der orange hauptmann der kriegstreibenden männerschaft heftig. mir fehlen die worte, es ist nicht einmal mehr stoff fürs kabarett, das glaubt dir doch niemand, total übertrieben. ein ganz schlechtes drehbuch, oder seine gefolgsleute und er verwechseln die filmischen visionen und eine realität, die menschen angepaßt ist. vielleicht wirken nun die PC- spiele und schlechte US-filme nach, in denen ein übermensch alles rächt und kommandiert, weil er das richtige für alle weiß. 

es ist auch ohne viel nachrichtenkonsum unangenehm. da wollen aktivisten gegen die großindustrie und für die natur kämpfen und sind "einfach" nur kriminell, weil sie gesundheit und leben zehntausender riskieren. wie kann man so verpeilt sein, menschen ohne strom und heizung und aufzug und essen und telefon und... zu stellen und dann vorzugeben, im sinne der menschen zu handeln?

hoffentlich findet man die täter und sie werden zu harten strafen verurteilt. diese tat löst auch soviel weitere unsicherheit aus, und forderungen nach schutz vor solchen ereignissen, der wohl nicht leistbar ist. unsere welt ist zerbrechlich, außen und innen. ungerechtigkeit wie die forderungen vom CSU- parteitag bereiten noch mehr angst.

ich nehme die tage einzeln, dann geht mir gut. ich schaue, dass es dinge gibt, die ich gern tue, dann gehen auch pflichten besser. ich fülle mein gedächnis mit angenehmen bildern, meine tage mit freundlichen menschen, meine augen sehen gute fotomotive und lesen spannende bücher. ich habe sehr viel glück, dies alles zu können. wie sollte mich ein rollator oder knieschmerzen abhalten davon? und schon garnicht die idioten dieser welt.
 

Sonntag, 4. Januar 2026

Störung im Arbeitsablauf

                                                        Foto: Ulrike Ernst, Mosbach

die taube mit dem mond im hintergrund ist ein guter start in jahr 2026: wenig aufregend, viele verästelungen werden meditativ betrachtet von der taube - oder träumt sie? wir bringen ins neue jahr mit, was wir in jahren angesammelt haben, sind aber nicht verpflichtet genauso weiter zu verfahren. das jahr 2026 wartet darauf, von uns gestaltet zu werden, jede/jeder mit seinem/ihrem eigenen werkzeug beginnt. 

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In einem Kinderbuch "Gutentagtexte"  Josef Reding, vom Engelbert-Verlag aus dem Jahr 1974 fand ich folgenden Text:

Gestörter Brückenbauer 

Bevor Olaf Grunnholm die Brücke über den hellgrünen, reissenden Fluß Tra-Um vollenden kann, wird er verschleppt.

Als er nach langer Zeit zu seiner Arbeit zurückkehren darf, hat er das Geheimnis vergessen; die Brücke wird nie mehr zu Ende gebracht.

Olaf ist drei Jahre alt. Man hat ihn von seinen Bausteinen zum Spinatessen geholt. Es stehen viele halbfertigen Brücken am hellgrünen, reißende Fluß Tra-Um. 


 

Mittwoch, 31. Dezember 2025

kommt an mein lagerfeuer


allen hier lesenden wünsche ich hoffnung und zuversicht. ganz wichtig finde ich den mut, euch utopien auszudenken: für euch selbst in eurem leben, so wie für unsere gesellschaft. wenn wir nicht wissen wohin wir wollen, haben wir kein ziel, das uns anzieht.  





 

Samstag, 27. Dezember 2025

frost und fülle

winter ist, leichter frost und der jahreswechsel steht bevor. die nachrichten möchte ich nicht hören, freute mich aber gestern abend über einen leider kurzen bericht über die münchener lach- und schießgesellschaft. diese darsteller hatten schon viel erlebt, in verschiedenen berufen gearbeitet und den krieg überwunden, das prägte ihre auftritte. die art ihres humors war irgendwie gereifter als manche darstellung, die heute geboten wird. vieles ist so auf einen kurzen lacher aus bei den comedians, und leider auch oft ohne niveau.
"schimpf vor zwölf" hieß früher eine silvestersendung, die wir mit spannung erwarteten. satire vom feinsten, ohne das ich in trauer fallen musste wegen erwähnter tatsachen, humor heißt auch, über sich selbst lachen können. 

 

  "Ich fühle mich in der ganzen Welt zu Hause, wo es Wolken und Vögel und Menschentränen gibt" sagte Rosa Luxemburg.

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die schriftstellerin helga schubert(85 Jahre) schreibt unter der überschrift "Lebenstopf" unter anderem:

..."Viel umgeändertes Wissen

Kafka-Unheimliches

Mozart-Flöten, Streicheln

Blitzangst, Donnererlösung

Hilflose Tränen

Um Freunde im Dunkelwarm

Ein Kind.

Mein Topf Leben quillt über, Bilder, Stimmen, Geräusche, Gefahr. "

 

es bleibt spannend, so ist leben... seid alle gegrüßt, roswitha 


 

Dienstag, 23. Dezember 2025

Der Stern und die Krippe



unsere krippe, geschnitzt aus lindenholz, außerhalb der weihnachtszeit ist sie zugeklapp wie ein kleines schränkchen. die kleinste enkelin bestand vor jahren auf diesen drei schafen, weil in eine krippe tiere gehören, sagte sie. darek, ein polnischer holzschnitzer, gestaltete sie vor jahrzehnten in unserem auftrag. in den jahren hat sich meine beziehung zur krippe geändert. 
was ist nur mit den menschen los? warum sollte es an weihnachten schnee geben, wo doch die geburt in einem land stattfand, in dem es in der ebene nie schnee gibt? 
weihnachten ist kein fest für schnee, es ist ein winterfest mit religiösem brauchtum, inzwischen vielfach profanisiert. 
mich freut, dass es rund um die welt als festtag wahrgenommen wird. freude kann nicht zu viel in dieser welt sein. und freundlich miteinander umgehen ist auch wunderbar. schenken wir anderen menschen zeit, nehmen wir uns zeit für uns selbst.
all dieser schreckliche egoismus, diese wettkämpfe mehr oder besser, um macht und reichtum bringen uns zurück in eine zeit, die ich überwunden glaubte. 
 
ich wünsche allen hier lesenden behagliche festtage im kreis der menschen, mit denen ihr gerne zusammen seid. 
 
Der Stern

Hätt einer auch fast mehr Verstand,

Als wie die drei Weisen aus Morgenland,

Und ließe sich dünken, er wär wohl nie

Dem Sternlein nachgereist wie sie;

Dennoch, wenn nun das Weihnachtsfest

Seine Lichtlein wonniglich scheinen läßt,

Fällt auch auf sein verständig Gesicht,

Er mag es merken oder nicht,

Ein freundlicher Strahl

Des Wundersternes von dazumal.

-Wilhelm Busch- 
 

 

zukünftiges frühlingsgrün

                                                               Foto: Uli Boll, Manderscheid Neues Wesen   Blau kommt auf wie Mörikes leiser ...