die menschen fotografieren, schauen sie auch? ich stelle mir den stolz der handwerker vor, die dieses gebäude fertig sahen.
sie schenkte mir eine blaue kugel, etwas größer als ein tennisball, mit blinkendem fuß. wenn ich die kugel beim namen rufe, blinkt sie und sucht das gewünschte in sekundenschnelle. es ist für mich unfassbar, in welchem tempo ich einen sender, den wetterbericht oder ein bestimmtes musikstück hören kann. auch aus größerer entfernung versteht sie mich. sie findet popmusik, die andere kaum kennen, weil sie über fünfzig jahre alt ist und nie mehr im radio gespielt wird. ich teste ihre fähigkeiten und fand bisher nur eine musikgruppe, die sie nicht liefern konnte: elster silberflug. es sei ihr verziehen, diese gruppe hatte hauptsächlich regionale bedeutung und gehört zur sparte folksongs.
so konnte ich gestern von den beatles bis donovan, melanie oder bob dylan songs hören, auch mittelalterliche gesänge oder bach kamen problemlos und in besserer tonqualität als vom PC. ich starrte diese wunderkugel an, wie geht das, wo liegt der fehler? klar müssen strom und w-lan vorhanden sein, aber das ist ja beim radio auch so.
störend empfand ich den hinweis auf den verkäufer, die bei jeder änderung neu kam, das ist eine reklame für diese weltweite firma. wenn ich einfach radio höre, entfällt dies natürlich.
und sie verlangt ausdrücklich eine persönliche ansprache, ehe sie etwas neues einspielt, ich muß sie mit namen ansprechen. als ich mein musikprogramm beendete und so vor mich hinredete: alexa, nun ist schluß, kam aus dem lautsprecher: a guats nächtle!
ich bin erschüttert, dieses ami-spielzeug kann reden wie meine freundin von der rauhen alb.
wie kann ich ihren namen ändern? ich will keine alexa.
die welt ist bunt, auch wenn es auf die jeweilige perspektive ankommt. unser blickfeld wird von der eigenen wahrnehmung begrenzt. und diese ist nicht zu allen zeiten oder jahreszeiten oder umständen gleich.
wir müssen oder sollten uns immer neu orientieren, wie wir uns und die welt sehen. im laufe der jahre gibt es grundsätzliche gedanken, ethische normen oder überzeugungen, alles spielt eine rolle.
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vor ein paar tagen sah ich im tv große gruppen von stadtmenschen verschiedenen alters, sie passten scheinbar nicht in eine gruppe, sportliche wie mehrgewichtige, mit turnschuhen oder im büro-outfit. alle treffen sich monatlich zu einem gemeinsamen spaziergang, weit über einhundert menschen. einer hatte dazu eingeladen, es werden jeden monat mehr, die redend und ohne handy durch einen park spazierengehen.
stuttgart gibt es einen termin, da sitzen verschiedene sich fremde menschen gemeinsam in einem raum und jeder/jede liest in einem anderen buch, das heißt lesetreff. es können eigene bücher mitgebracht werden, aber es gibt auch einen kleinen vorrat im raum.
beides sind für mich erstaunliche und freudige entwicklungen, zeigen sie doch, es besteht ein bedarf am miteinander. raus aus der vereinzelung der großstadtmenschen, hin zum zunächst unverbindlichen treffen und kennenlernen von mitmenschen.
zum glück braucht es keine große unglücke, damit das stattfindet. so etwas sollten wir überall anregen, in manchen orten gibt es eine "schwätzbank" mit schild. wer da sitzt, will sich gerne unterhalten. es gibt offene handarbeitstreffen in Hinterzimmern von geschäften.
gibt es ähnliches auch für männer? basteltreff mit fahrrädern? mit elektroeisenbahnen?
kommen wir miteinander ins gespräch...
der alte spruch: kommt zeit, kommt rat - er fordert uns ganz schön. und wenn unsere fachfrau für heizungen/ energie nicht für vorräte sorgt, dann können wir im winter vielleicht auch das gegenteil der hitze erfahren.
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S.102 "Alles, was man nicht wahrhaben will
und verdrängt, jeder Konflikt, der geleugnet und nicht offen
angesprochen wird - in einer Kultur ebenso wie im Leben jedes
Einzelnen - sucht sich ein Ventil und kehrt sich schließlich in
teuflischer Verkleidung gegen das Leben, gewaltsam und
vernichtend."
Connie
Palmen, 1955, niederländische Autorin,
aus 'Du sagst es'
trotzdem macht mir das schreiben freude, beschäftigt meine gedanken über den alltag hinaus. dieser ist wahrhaftig nicht einfach, aber es ist meiner, und ich nehme die herausforderungen meist an. immer wieder bin ich erstaunt, wenn ich etwas erlebtes erzähle und beim nachdenken feststelle: oh gott, das ist ja schon vierzig oder fünfzig jahre her. für mich ist es wie gestern, dazu kommen aber immer neue dinge im alltag, die es damals nicht gab. in der politik gibt es eindeutig einen rückschritt bei vielem. der freiheitsgedanke war schon einmal weiter, inzwischen hat oft die wirtschaftsmacht oder ein taktieren um vorherrschaft bei gremien und parteien zugenommen. das schränkt die spielräume der handelnden ein, ich freue mich über alle, die noch mut haben und weiter denken. oft schrieb ich, dass wir utopien brauchen, um ziele zu finden.
so wünsche ich zum wiederholten mal änderungen, sehne mich nach der aufbruchstimmung der späten sechziger jahre. damals hatte ich auch zuversicht, dass eine gerechtere welt möglich sei.
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Wahrscheinlich hat der Geist jedes Menschen einen Platz in der Zeit
zugewiesen bekommen: Einige sind für das, andere für jenes Zeitalter
geboren. - virginia woolf-
der weg ist vorgegeben, man könnte ihn aber in beide richtungen gehen. nach links gibt es keinen zaun: ist das versuchung vom weg abzuweichen?
der rechte stacheldrahtzaun hielte mich heute ab. vor siebzig jahren hatte ich einen zitronengelben petticoat aus zartem tüll. sehr stolz war ich, aber leider verhielt ich mich nicht "mädchenhaft" für diese kleidung. ich kroch zwischen zwei gespannten drähten aus stacheldraht auf die wiese. warum weiß ich nicht mehr, vielleicht wollte ich blumen pflücken.
viele kleine risse im tüll gab es, auch im kleid einige wenige. heulend lief ich zu meiner tante rola und sie reparierte mir unter vielem schimpfen mein schmuckstück. es dauerte einige zeit, ehe meine mutter die fehlstellen bemerkte. dieser tüll- unterrock war der einzige seiner art im meinem leben. ich war kein mädchen für modische neuheiten, eher für den vierfalten-rock in pepita.
manchmal mußte ich vom vorgezeichneten weg abbiegen, meinen eigenen suchen. ich sah, es gibt auch andere. es stimmt nicht, dass verkündet wurde, wer A sagt, muß auch B sagen, es gibt auch F oder D oder...
ich lese: Warum glücklich statt einfach nur normal?, Jeanette Winterson, Hanser - gefällt mir sehr, ist bewegend und anregend, voller denkanstösse.
die lücke der falschen herkunftsfamilie ist nicht einfach zu überdecken, und geschlossen werden kann sie wohl nie richtig. betroffene halten sie für ein manko, ich sehe das spüren dieser lücke als einen wertvollen erfahrungshintergrund, mit dem sich die welt aus anderer sicht verstehen läßt. meine erfahrung hat mich gelehrt, dass auch fleissiges lernen und beobachten in der schule oder bei zusammenkünften zu mißverständnissen führen können.
als kind wußte ich nicht, dass manche menschen butterbrote mit messer und gabel essen. ich kannte keinen rubin, nach dem im intelligenztest gefragt wurde. auch ungeschriebene regeln gelten und führen zu schubladen, in die menschen eingeordnet werden. status und armut bestimmen mehr, als ich in den jahren des aufbruchs je dachte. früher dachte ich lesen bildet. das stimmt nur, wenn auch empathie wachsen kann, wenn lebendigkeit und menschenfreundlichkeit erfahren wird und gelebt werden kann.
„Alle Dinge enden, wenn ihre Anfänge nicht intakt gehalten werden. Laßt uns nicht Blumen züchten, sondern Knospen.“ ―Charlotte Wolff
ein anderes historisches gebäude, zuletzt als altenheim gerne genutzt, weil mitten in der stadt, jederzeit besuchbar, die alten menschen konnten marktplatzatmosphäre erleben, wurde vor fast drei jahren einer investorengruppe verkauft und steht seitdem leer. viele studierende hätten sich sicher über günstige zimmer in dem wunderbaren, z.t. gut renovierten gebäudekomplex gefreut, eventuell auch als zwischennutzung. was seitdem passiert ist? es wurden gehölze geschnitten an der grenze zu nachbargrundstücken. was ist los?
gibt es keine verpflichtung mehr bei eigentum? besonders bei denkmälern die in der geschichte der stadt eine wichtige rolle spielen. wollen wir alles kommerz und willkür einzelner opfern?
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WER NICHT VOM FLIEGEN TRÄUMT,
DEM WACHSEN KEINE FLÜGEL.
die menschen fotografieren, schauen sie auch? ich stelle mir den stolz der handwerker vor, die dieses gebäude fertig sahen. Der Kölner Dom ...