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Erinnerung an einen Opernbesuch

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"ein andermal fuhren wir nach mannheim und besuchten ein spektakel, auch oper genannt, und zwar lohengrin. das gebumse und gepauke, gedröhn und gekrache war einfach unglaublich. der quälende und umbarmherzige schmerz, den es verursachte, ruht in meinem gedächtnis gleich neben der erinnerung an die zeit, als ich meine zähne in ordnung bringen ließ. gewisse umstände machten es notwendig, dass ich die vier stunden bis zum schluß dablieb. und ich blieb da. aber das andenken dieser langen, schleppenden leidenszeit ist unzerstörbar. dass man es schweigend und stillsitzend ertragen musste, machte es noch schlimmer. ich befand mich in einem abteil mit acht oder zehn fremden beiderlei geschlechts, und das legte mir zurückhaltung auf. aber zeitweise war der schmerz so heftig, dass ich kaum die tränen unterdrücken konnte. in solchen augenblicken, wenn das heulen, jammern und kreischen der sänger und das rasen, tosen und krachen des gewaltigen …

eine Entdeckung

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"Alles, was ich Ihnen sagen kann, ist, dass ich entdeckte, als ich zu schreiben begann, dass eine Frau - es klingt so einfach, aber ich sollte mich schämen, Ihnen zu sagen, wie lange ich brauchte, das selbst zu entdecken- nicht ein Mann ist. Ihre Erfahrung ist nicht die gleiche. Ihre Traditionen sind anders. Ihre Werte, sowohl in der Kunst wie im Leben, sind ihre eigenen."
Virginia Woolf 
Darüber nachgedacht, staune ich über diese einfache Tatsache. Sicher gibt es Schnittmengen mit Autoren, aber es gibt nicht die gleichen Bedingungen. Seit Virginias Zeiten hat sich einiges geändert, und trotzdem gibt es den Unterschied, nicht nur zwischen Männern und Frauen, sondern auch zwischen Menschen gleichen Geschlechts aus z.B. Algerien und Norwegen.

Es ist nicht nur Schwierigkeit, sondern auch Bereicherung! 

Masken

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Wahr ist das Meer,
wahr ist das Gebirge,
wahr der Stein,
wahr der Grashalm
aber der Mensch?
Es ist immer maskiert,
auch wenn er es nicht will
und nicht weiß.
Luigi Pirandello (1867 - 1936), italienischer Schriftsteller, einer der bedeutendsten Dramatiker und Erzähler des 20. Jahrhunderts, Nobelpreisträger für Literatur 1934



Frausein?
Ich hatte den Gedanken ich sei nicht maskiert, bis mir die Maske die Luft nahm. 
Ich ging weiter und lernte, mit einer anderen Maske zu leben.

Und um Mitternacht, als die Masken fielen,
stand ich inmitten von tausend Maskenträgerinnen.




Ampel auf Rot

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Matthias Claudius "Urians Reise um die Welt" 1787
Wenn jemand eine Reise tut,So kann er was verzählen;Drum nahm ich meinen Stock und HutUnd tät das Reisen wählen.[...]Und fand es überall wie hier,Fand überall ’n Sparren, 
Die Menschen gradeso wie wir, 
Und eben solche Narren.------------------------------------------

So stolpern wir durch die Jahrhunderte, auch ohne Stock und Hut. Wir haben das Reisen zwar einfacher als vor zweihundert Jahren, aber sehen wir mehr? Kommen wir Menschen näher als damals? Wagen wir Begegnungen oder sind wir nur unterwegs in der eigenen Komfortzelle?

ein Wunsch

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Auf einem Baum
brütete einmal ein Gedanke.
Als er nach einigen Tagen
seine Eier verließ,
um Nahrung aufzunehmen,
kam ein Kuckuck
und legte ihm einen Wunsch ins Nest.

Peter T. Schulz, aus: Der Esel




zwei rätselhafte Events

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Der Prinz wartet hinter dem Tuch auf die Prinzessin, der die richtigen Schuhe passen, für 2 Euro ein günstiges Angebot. Zu gewinnen gibt es den langweiligen Prinz und ein Königreich. Vielleicht aber auch nicht, wer glaubt schon an Märchen?

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Clemens Brentano / Achim von Arnim Der Himmel hängt voll Geigen Wir genießen die himmlischen Freuden,
Drum tun wir das Irdische meiden,
Kein weltlich Getümmel
Hört man nicht im Himmel,
Lebt alles in sanftester Ruh;
Wir führen ein englisches Leben,
Sind dennoch ganz lustig daneben,
Wir tanzen und springen,
Wir hüpfen und singen,
Sankt Peter im Himmel sieht zu.

 (Auszug)

Gitarren und Trompete und eine Mandoline sind auch dabei, Hauptsache ist jedoch, jemand spielt mit den Instrumenten. Wie das mit dem englischen Leben gemeint ist, meinten sie Engel? Dann wachsen uns hoffentlich Flügel im Alltag, nach solchen Erlebnissen.
Ich wünsche einen federleichten Tag!

Die Mausefalle zur Reisezeit

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»Guten Tag«, sagte der kleine Prinz.»Guten Tag«, sagte der Weichensteller.»Was machst du hier?«, sagte der kleine Prinz.»Ich sortiere die Reisenden Tausenderweise«, sagte der Weichensteller. »Die Züge, in denen sie reisen, schicke ich mal nach rechts, mal nach links.« Und ein grell leuchtender Schnellzug, grollend wie ein Donnern, erschütterte das Stellwerk. »Sie sind in Eile«, sagte der kleine Prinz. »Was suchen sie?«»Der Lokführer weiß es selbst nicht«, sagte der Weichensteller. Da donnerte ein zweiter grell leuchtender Schnellzug in der anderen Richtung vorbei. »Sind sie schon zurück?«, sagte der kleine Prinz …»Das sind nicht die gleichen«, sagte der Weichensteller. »Es sind andere.«»Waren sie nicht zufrieden, wo sie sich befanden?«»Wir sind nie zufrieden, wo wir sind«, sagte der Weichensteller. Und es donnerte ein dritter strahlender Schnellzug vorbei. »Verfolgen sie die ersten Reisenden?«, sagte der kleine Prinz.»Sie verfolgen gar nichts«, sagte der Weichensteller. »Sie schlafen …