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Es werden Posts vom Mai, 2020 angezeigt.

eine bunte Geschichte

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Achim mit den blauen Haaren Der Typ stand an jenem Maitag wie aus dem Boden gewachsen vor mir, als ich von der Zeitung aufschaute. Selten wurde ich angesprochen, obwohl ich fast jeden Tag im Park war und auf dieser Bank saß. Der sah vielleicht aus: Blaue Haare, Militärhose, enger lila Pullover, Ohrringe beidseitig. „ Hallo, ich bin Achim “, sagte er bedächtig und setzte sich. Irgendwie stand seine grelle Aufmachung im Widerspruch zu seiner Ausstrahlung. Die hängenden Schultern und der Gesichtsausdruck wirkten traurig. Ich ließ die Zeitung sinken: „ Na, hast du Probleme? “ „ Ich suche Menschen, um mich mit ihnen zu freuen. Darf ich dich kennen lernen ? “ „ Du bist jung, du bist soweit ich sehe gesund, hast Zeit vormittags hier im Park zu sein. Was fragst du mich? Ich bin alt und nicht gesund. “ Betroffen schaute er mich an. „ Warum fragst du ausgerechnet mich? “, wiederholte ich. „ Weil du allein bist, du liest Zeitung “, stellte er fest.

Die Fabel vom Igel

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Der Traum des Igels Der Igel erwachte aus dem Schlaf und lachte. Fröhlich kroch er unter dem Reisighaufen hervor. Wunderbar duftete es nach frischem Gras, Margeriten und Klatschmohn blühten. Ein Kater aalte sich in der Abendsonne. Er fragte verdutzt: „Was ist denn mit dir los?“ „ Stell dir vor, ich habe geträumt die Erde sei eine Kugel! Ein herrlicher Stern im Weltall, wie die vielen anderen Sterne, die wir nachts am Himmel sehen. So etwas verrücktes !“ „ Na, dann vergiss es schnell, sonst fällst du bei deinen Spaziergängen noch irgendwo runter, du Zwerg “, miaute der Kater gönnerhaft. Er räkelte und streckte sich, machte einen Buckel und schmiegte sich an die warme Stallwand. Eine Gartenameise belauschte das Gespräch. Sie meldete sich mit piepsiger Stimme von einem überhängenden Fliederzweig: „Du, Igel, wenn die Erde eine Kugel wäre, würde sie wegrollen. Wir kennen uns da aus,

frei galoppierende Angst

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                                           Eine Frau Noch keine Seniorin, ist sie gleichwohl vergreist. Das macht die Angst vor dem Unfassbaren, Angst, die sich nicht an bestimmten Dingen festmachen lässt, sozusagen frei galoppierende Angst. Keine besorgniserregenden Vorkommnisse, keine schlimmen Lebensumstände oder körperliche Bedrängnis gehören zu ihrem Leben. Sie lebt jeden Tag einzeln, die Tage sind unendlich lang. Wenn sie zurück schaut, sehr selten, sind die Tage einfach verschwunden, es bleibt wenig an Erinnerung. Sie sagt, das Leben geht zu schnell vorbei. Sie ist niemanden wichtig, nicht einmal sich selbst. Andere Frauen in ihrer Situation hätten sich eine Liebhaberei zugelegt, manche sogar einen Liebhaber. Dazu fehlt ihr die Phantasie. „ Leben ist Arbeit und anständig seine Pflicht tun .“ Sie fühlt sich zu unwichtig um Ansprüche zu stellen. Schnell ist sie gekränkt, wenn von ihr als selbstverständlich angesehene Normen von anderen nicht er

Der heimliche Esser

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Tatort : Cafeteria eines Thermalbades - Der (un-) heimliche Esser Ein Mann, etwa fünfzig Jahre alt, übergewichtig, Stirnglatze und Pferdeschwanz, modisch elegant gekleidet, kommt zur Salatbar. Salat nach eigener Wahl kostet auf einem kleinen Teller vier Euro, auf einem großen sieben. Die Essbestecke liegen an der Kasse. Dekoration und Beleuchtung schaffen schummerige Nischen rund um die ausgestellten Speisen. Der Mann hält in der linken Hand einen kleinen Teller. Diesen füllt er mit Schweizer Wurstsalat. Plötzlich übermannt ihn der Appetit, er führt schnell einige Proben des Wurstsalates in den Mund - mit der Hand, den Löffel legt er solange ab! Nachdem er den Teller sehr voll gefüllt hat geht er zögernd um das Buffet und leert ihn hastig per Hand. Kauend schaut er sich um. Er scheint geübt, kein Schnipsel fä

Überraschende Begegnung

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Die Zeit läuft rückwärts Brockmüller war einer der Menschen, nach denen man sprich- wörtlich seine Uhr stellen konnte. Vom morgendliche Aufstehen bis zum Schlafengehen erledigte er präzise wie ein Uhrwerk alle notwendigen Verrichtungen des Tages. Gewiss, er war freundlich. Aber auf eine Art, die seinen inneren Zeitplan nicht gefährdete. Ein paar unverbindliche   Worte zum Hausmeister im Finanzamt, seiner Arbeitsstätte,  oder zu Nachbarn gehörten selbstverständlich zu seinem Um gang mit Menschen, denen er im Alltag begegnete. Durch diese Korrektheit glaubte er zweifellos, seinerseits ein Anrecht  auf einen reibungslosen Ablauf der Tage zu haben. Das Single leben war wohlgeordnet, er hatte sich einen Lebensrahmen  geschaffen,  der frühere beunruhigende Turbulenzen seiner Meinung nach ausschloss. Auch heute war er pünktlich um 16.30 Uhr aus dem Büro  gegangen. Er schritt zur Rückseite des Gebäudes, wo er seinen  Mittelklassewagen parkte. Neben dem Auto stan

Sehnsucht nach Sommer am Maar

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Am Maar Du liegst im seichten Wasser des Maares, es umfließt dich angenehm temperiert. Wind trägt vom anderen Ufer das Lachen der spielenden Kinder zu dir herüber. Du siehst die Bäume am Ufer und Enten, die im Rohrkolben rasten. Du schwimmst mit ruhigen, gleichmäßigen Stößen hinaus auf den Kratersee. Die kraftvollen Schwimmstöße bereiten dir Freude. Du gibst dich ganz dem Rhythmus des Schwimmens hin, dem ruhigen Ein- und Ausatmen. Es tut gut den Körper zu fühlen, der sich leicht und harmonisch im Wasser bewegt. Du legst dich auf das Wasser und wirst getragen. Gedanken kommen und gehen, du lässt sie vorüberziehen. Das kräftige Blau über dir freut dich, das Kinderlachen, das Bild der Enten im Rohrkolben. Du spürst, die Zeit, die du dir für diesen See nimmst, schenkt dir Stärke und Gelassenheit. Du schwimmst mit gleichmäßigen Stößen zurück zum Ufer, ruhig, voller Freude über das Wasser, das deinen Körper umfließt, über deine

Coronazeiten -Markt

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Die Zeiten ändern sich, sang Dylan... Auf dem Markt Du sitzt auf der Mauer am Rande des Marktplatzes. Um dich sind fremde Menschen die geschäftig umher gehen, manche schlendern ohne erkennbares Ziel. Der Gemüsebauer überzeugt eine nörgelnde Kundin und lacht gleich darauf mit einer anderen. Es riecht nach Sellerie, Äpfeln und Knoblauch. Die Luft ist erfüllt mit Lachen und Stimmengewirr. Drei Männer im Rentenalter stehen seit geraumer Zeit schon und stecken heftig gestikulierend die Köpfe zusammen. Einer geht einige Schritte weiter, dann zögernd zurück. Eine dunkel gekleidete Frau verkauft selbst gezogene Tulpen, die sie in Zeitungspapier einwickelt. Ein Kind hüpft auf einem Bein um eine Pfütze am Blumenstand, springt dann mit beiden Füssen hinein und lacht. Du lachst mit dem Kind, lächelst die Vorübergehenden an, manchmal bekommst du ein Lächeln zurück. Markierungen zum richtigen Anstellen  Auf dem Markt April 2020 Es he