Mittwoch, 31. Juli 2019

Pegasus


Ein schnittiges Pferd auf einem stehenden LKW! Ist ja auch Pegasus...

Komme wieder zurück auf Tucholsky, auch seine Sprüche sagen mir etwas. Und er ist für mich eng mit Berlin verknüpft. Was hätte er noch schreiben können...


Wer schmeißt denn da mit Lehm

Die Menschen heutzutage sind alle so nervös.
Über jede kleine Kleinigkeit da werden sie giftig bös.
Schimpft einer auf den andern,
Dann sing ich voll Humor,
Damit er nicht mehr schimpfen soll,
Mein kleines Liedchen vor:
Wer schmeißt denn da mit Lehm,
Der sollte sich was schäm'!
Der sollte auch was ander's nehm'
Als ausgerechnet Lehm.
'Ne junge Frau die stößt sich an einem spitzen Stein.
Der Bräutigam sagt liebevoll: "Mein armes Engelein!"
Sind die zehn Jahr verheiratet,
Dann sagt er prompt zu ihr:
"Na heb doch dein Beene uff,
Du olles Trampeltier."
Wer schmeißt denn da mit Lehm,
Der sollte sich was schäm'!
Der sollte auch was ander's nehm'
Als ausgerechnet Lehm.
Bei unser'm Nachbarn Meyer ist immer etwas los.
Die sind sehr sportbegeistert, auch die Frau boxt tadellos.
Kriegt sie ihn mal beim Wickel,
Dann zähl'n sie ihn aus komplett.
Dann setzt sie ihn auf's Töppken drupp
Und schiebt ihn unters Bett.
Wer schmeißt denn da mit Lehm,
Der sollte sich was schäm'!
Der sollte auch was ander's nehm'
Als ausgerechnet Lehm.
Jüngst traf ich auf der Straße den alten Maler Kraus,
Dem guckte aus dem Hosenbein der Sockenhalter raus.
Da schreit so'n kleiner Bengel
Zu dem alten Herrn sehr klug:
"Sie, passen Sie auf Ihr'n Bandwurm auf,
Der macht 'nen Fluchtversuch!"
Wer schmeißt denn da mit Lehm,
Der sollte sich was schäm'!
Der sollte auch was ander's nehm'
Als ausgerechnet Lehm.
Die Berliner sind sehr höflich. Ein Herr trat neulich mal
Einer Dame auf die Schleppe. Im Foyer war'n Mordsskandal.
"Können Sie nicht sehn, Sie Ochse!"
"Ja", sagt der Herr, "ich kann's,
Aber warum haben Sie olle Kuh
So einen langen Schwanz?"
Wer schmeißt denn da mit Lehm,
Der sollte sich was schäm'!
Der sollte auch was ander's nehm'
Als ausgerechnet Lehm.
https://lyricstranslate.com


Kurt Tucholsky
Kurt Tucholsky war einer der bedeutendsten Publizisten der Weimarer Republik und hat sich durch seinen Wortwitz und Scharfsinnigkeit einen Namen gemacht. Seine Werke sind wahre Ansammlungen an Lebensweisheiten:
„Der Mensch hat zwei Beine und zwei Überzeugungen: Eine, wenn's ihm gut geht und eine, wenn's ihm schlecht geht. Die letzte heißt Religion“ ,
„Toleranz ist der Verdacht, dass der andere Recht hat“ und
„Der Vorteil der Klugheit besteht darin, dass man sich dumm stellen kann. Das Gegenteil ist schon schwerer.“

Dienstag, 30. Juli 2019

in der Stadt auf dem Land

Ich schaute die Tunnelwände an und dachte, toll, da sind ja Malereien! Beim zweiten Blick sah ich, es war unser Handtuch, das wir gegen die Hitze nass auf die Ablage gelegt hatten.
Aber schön wären die Wände gewesen!
Acht Stunden Autofahrt (inkl. Pause) bei um 40 Grad Hitze am Freitag waren anstrengend, dabei waren es dank der geplanten Zwischenübernachtung nur 450 km.
Nun brauche ich einige Zeit zum Ankommen.

Ich grüße alle Leserinnen und Leser und hoffe, ihr habt es inzwischen auch kühler, in Berlin sind es heute 22 Grad.
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Übers Meer
Tag für Tag weht an uns vorbei,
bringt das Boot in den Wind!
...
So viele Jahre und so viele Sterne
ist es schon her...
Quelle: Musixmatch
- wir hörten das Balladen- Album auf der langen Autofahrt,

Donnerstag, 25. Juli 2019

auf Reisen


Wir sind ab morgen unterwegs und freuen uns auf Begegnungen mit Verwandten und Freunden in Berlin. Ab 12. August bin ich wieder hier.
Gerne möchte ich mich dorthin zoomen lassen, leider technisch noch nicht möglich.
Sicher werde ich nach einer Woche mein Bett vermissen, unseren schönen Hof, unsere Wohnung.  Aber die Konsequenz wäre, nie mehr zu verreisen.
Unsere Enkelin fährt mit uns und freut sich sehr, wir auch auf die gemeinsame Zeit.
Ich werde neue Fotos machen und alte Erinnerungen auffrischen.


Habt eine gute Zeit. Falls ich mit der Technik zurecht komme, werde ich zwischendrin mal bloggen.

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Die Badewanne

Sie hielt sich für das Mittelmeer
Und ihre eine Seitenwand
Für Helgoländer Küstenland.

Die andre Seite - gab sie an -
Sei das Gebirge Hindostan
Und ihre grosse Rundung sei
Bestimmt die Delagoabai.
Von ihrem spitzen Ende vorn,
Erklärte sie, es sei Kap Horn.
Den Kettenzug am Regulator,
Hielt sie sogar für den Äquator.

Sie war - nicht wahr, das merken Sie? -
Sehr schwach in Geographie.

Dies eingebildetet Bassin.
Es wohnte im Quartier latin.
(Joachim Ringelnatz 1883-1934, deutscher Schriftsteller

Tierisch ?




Mein Kräutervogel hat sich den Zeh gebrochen, nun kann er nicht mehr weglaufen, aber er steht tapfer an meiner Tür. Es ist überhaupt fraglich, ob es ein Vogel ist, das Gesicht hat so bekannte Züge.
Es erinnert an jemanden...
Die Hitze macht mich zu müde zum Schreiben!

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 Fliege und Wanze
Die Fliege hat zur Wanze gesprochen:
"Leih' mir doch eine Mass Blut,
Ich habe den Bürgermeister gestochen. - -

Aber der roch nicht gut.
Und ich habe sein Blut, ohne was zu sagen,
In die Nase von seiner Frau übertragen,
Und gab auch der Tochter und dem Sohn
Eine kleine Portion.
Und nun riecht die ganze Familie
Nach Quecksilber und Petersilie,
Und ist voller Pickel und Flecke,
Und es ist ein Vergnügen, von der Decke
Aus zuzugucken, wie sie sich jucken."

Die Wanze tat etwas fremd
Und brummte: "Ach, Bagatelle!"
Und kroch dabei einem Kutscher ins Hemd.
Dort war derzeit ihre Quelle.

- Joachim Ringelnatz 1883-1934, deutscher Schriftsteller

Mittwoch, 24. Juli 2019

Früchte


Marktfrüchte, die Ernte ist reichlich trotz der Trockenheit.

Es ist wunderbar einen Wochenmarkt zu besuchen und dort einkaufen zu können. Ein sinnliches Erlebnis, die Farben und Gerüche der angebotenen Waren bereiten mir Freude.
Das Reden mit den Verkäuferinnen und Verkäufern und anderen Marktbesuchern sind eine Bereicherung des Alltags. Manchmal gibt es Kochtipps, es wird nachgefragt ob ich mich wohlfühle,
die kleine Ortspolitik wird beredet.

Der Anteil der Sprache an der Kommunikation mit anderen ist nur ein Teil, Körpersprache und Mimik sind wichtig. Der Marktbesuch schenkt uns, so wir offen sind, Austausch mit anderen Menschen, optische und gerüchliche Eindrücke, Anregungen für den häuslichen Speiseplan und wir erfahren nebenbei etwas über den Ort, in dem wir uns befinden. Eine wichtige Gelegenheit auch, sich selbst als Teil der Einwohnerschaft im Wohnort wahrzunehmen. 
Dies gilt ebenso für die Einzelhandelsgeschäfte vor Ort, in denen noch Personal Kundenservice bietet.

Und wenn die gleichen Waren im Internet bestellt werden? Es mag rationeller sein so einzukaufen, man braucht eventuell nicht in den Regen gehen, “spart“ vielleicht sogar Zeit.
Aber was ist das Bild einer Birne gegen deren Duft? Bringt es nicht mehr Freude, die Äpfel vom Bauer seines Vertrauens zu kaufen, als irgendwelche mit gleichem Sortennamen? 

Und nach dem Einkauf können wir uns in einem Cafe treffen. 

Dienstag, 23. Juli 2019

Vögel



Bildausschnitt Raben, Maler Heiko Pippig


Wie man einen Vogel malt

Jacques Prevert

Male zuerst einen Käfig
mit einer offenen Tür
dann male
irgend etwas Hübsches
irgend etwas Einfaches
irgend etwas Schönes
irgend etwas Nützliches
was nur den Vogel angeht
Dann lehne die Leinwand an einen Baum
in einem Garten
in einem Wäldchen
verbirg dich hinter dem Baum
ohne zu sprechen
ohne dich zu rühren...

Bisweilen kommt der Vogel bald
aber er kann ebensogut viele Jahre brauchen
bis er sich dazu entschließt
Verlier nicht den Mut

warte

Warte wenn es sein muß jahrelang
denn der rasche oder langsame Anflug des Vogels
hat nichts zu tun mit dem Gelingen des Bildes

Wenn der Vogel kommt
falls er kommt
so sei ganz still
Warte bis der Vogel in den Käfig schlüpft
und wenn er hineingeschlüpft ist
schließe mit dem Pinsel leise die Tür

dann

tilge nacheinander alle Gitterstäbe aus
wobei du keine einzige Feder
des Vogels berühren darfst

Sodann male den Baum
und wähle den schönsten seiner Äste
für den Vogel

Male auch das grüne Laub und den frischen Wind
den Sonnenstaub
und das Gesumm der Grastiere in der Sommerglut
Und dann warte ob der Vogel sich entschließt zu singen
Wenn der Vogel nicht singt
so ist es ein schlechtes Zeichen
ein Zeichen daß das Bild schlecht ist
Aber wenn er singt ist es ein gutes Zeichen
ein Zeichen daß du das Bild mit deinem Namen zeichnen darfst
dann zupfst du ganz sacht
eine Feder aus dem Vogelgefieder
und schreibst in einer Ecke des Bildes deinen Namen niede
r

Montag, 22. Juli 2019

Sommer ist es!



Sommerabend
(Rainer Maria Rilke)

Die große Sonne ist versprüht,
der Sommerabend liegt im Fieber,
und seine heiße Wange glüht.
Jach seufzt er auf: "Ich möchte lieber ..."
Und wieder dann: "Ich bin so müd ..."

Die Büsche beten Litanein,
Glühwürmchen hangt, das regungslose,
dort wie ein ewiges Licht hinein;
und eine kleine weiße Rose
trägt einen roten Heiligenschein.
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Wo sind die Glühwürmchen geblieben?  Seit Jahren sehe ich keine...

Samstag, 20. Juli 2019

Brücken und Ginkgo- Gedicht



Eine Brücke über den Rhein, zwischen zwei Bundesländern.  Brücken sind für mich besondere Bauwerke weil sie verbinden. Es gibt gedankliche Brücken, Eselsbrücken genannt, die an etwas erinnern sollen. Dann gibt es die Brücke der Freundschaft, sogar eine Europabrücke gibt es.
Und es gab eine Luftbrücke die Menschen das Überleben sicherte.

Es gibt in manchen Mündern eine Brücke, diese wird kleinteiliger gebaut, Teile davon aber mit gleichen Bezeichnungen.

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Ein altes Gedicht ist eine Brücke zu uns in die Gegenwart, es verbindet auch!




Diese Baumes Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
gibt geheimen Sinn zu kosten,
wie's den Wissenden erbaut.
Ist es ein lebendig Wesen,
das in sich selbst getrennt;
sind es zwei, die sich erlesen,
daß man sie als eines kennt?
Solche Fragen zu erwidern
Fand ich wohl den rechten Sinn;
fühlst Du nicht an meinen Liedern,
daß ich eins und doppelt bin.

Johann Wolfgang von Goethe

Freitag, 19. Juli 2019

der Lampenputzer

Revoluzzer


(Der deutschen Sozialdemokratie gewidmet)

War einmal ein Revoluzzer,
im Zivilstand Lampenputzer;
ging im Revoluzzerschritt
mit den Revoluzzern mit.

Und er schrie: "Ich revolüzze!"
Und die Revoluzzermütze
schob er auf das linke Ohr,
kam sich höchst gefährlich vor.

Doch die Revoluzzer schritten
mitten in der Straßen Mitten,
wo er sonsten unverdrutzt
alle Gaslaternen putzt.

Sie vom Boden zu entfernen,
rupfte man die Gaslaternen
aus dem Straßenpflaster aus,
zwecks des Barrikadenbaus.

Aber unser Revoluzzer
schrie: "Ich bin der Lampenputzer
dieses guten Leuchtelichts.
Bitte, bitte, tut ihm nichts!

Wenn wir ihn' das Licht ausdrehen,
kann kein Bürger nichts mehr sehen.
Laßt die Lampen stehn, ich bitt! ­
Denn sonst spiel ich nicht mehr mit!"

Doch die Revoluzzer lachten,
und die Gaslaternen krachten,
und der Lampenputzer schlich
fort und weinte bitterlich.

Dann ist er zu Haus geblieben
und hat dort ein Buch geschrieben:
nämlich, wie man revoluzzt
und dabei doch Lampen putzt.

Erich Mühsam, geboren 1878 in Berlin, ermordet 10.Juli 1934 im KZ Oranienburg

Donnerstag, 18. Juli 2019

Sommerwolken


Einen wunderbaren Tag wünsche ich- gleich gehe ich schwimmen, so fängt der Tag gut an.

Ringelnatz, Joachim (1883-1934)

Sommerfrische

Zupf dir ein Wölkchen aus dem Wolkenweiß,
Das durch den sonnigen Himmel schreitet.
Und schmücke den Hut, der dich begleitet,
Mit einem grünen Reis.

Verstecke dich faul in der Fülle der Gräser
Weil`s wohltut, weil`s frommt.
Und bist du ein Mundharmonikabläser
Und hast eine bei dir,
dann spiel, was dir kommt.

Und lass deine Melodien lenken
Von dem freigegebenen Wolkengezupf.
Vergiss dich. Es soll dein Denken
Nicht weiter reichen als ein Grashüpferhupf.


Mittwoch, 17. Juli 2019

Handtaschen


Handtaschen, Berge von Handtaschen, einst der Stolz ihrer Trägerinnen. Ich hatte immer besonders gerne große Taschen, in denen grub ich immer wieder nach irgendetwas...
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Geburtstage nach Fünfzig

Bitte keine Dinge, die herumstehen und
abgestaubt werden müssen!
Keine Schneekugeln, steinernen Tiere
oder Bilder.

Das Leben ist voll
wie die Regale und Schränke.
Ich will die nächsten Jahre
nicht unbeweglich in der Fülle
verharren,
oder im Vergangenen ersticken.

Schenkt mir eure Zeit,
eure Freundschaft, euer Wohlwollen.

©

Montag, 15. Juli 2019

Radio auf dem Flohmarkt



Immer gibt es etwas zu entdecken auf dem Flohmarkt, hier ein Radio. Es war schwer, vermutlich aus Bakalit, aber nur ca. 25 cm breit und 15 cm dick.
Sehr stabil hat es Jahrzehnte überdauert und hoffentlich viel hörenswertes empfangen.

Pfarrers Parkplatz war belegt mit Schätzen die niemand kaufte, vielleicht sind Schränke und Regale überall zu voll.
Ich kaufte auch nichts, nicht mal das Radio,  es gäbe inzwischen auch keinen Empfang mehr, weil alles digitalisiert ist.

Samstag, 13. Juli 2019

Besuch auf dem Amt


Um die Ecke muss man gehen, um zu Ordnungsabteilung zu kommen. Sie haben ein umfangreiches Aufgabengebiet zu bearbeiten.  In anderen städtischen Abteilungen herrscht hoffentlich auch Ordnung.




Ich warte bei Behördengängen gerne neben dieser bunten Dame, der kann ich viel erzählen.

Donnerstag, 11. Juli 2019

Besuch in Lübeck

  




Lebensregel

Erich Mühsam


An allen Früchten unbedenklich lecken;
vor Gott und Teufel nie die Waffen strecken;
Künftiges mißachten, Früheres nicht bereuen;
den Augenblick nicht deuten und nicht scheuen;
dem Leben zuschaun; andrer Glück nicht neiden;
stets Spielkind sein, neugierig noch im Leiden;
am eigenen Schicksal unbeteiligt sein -
das heißt genießen und geheiligt sein.


Danke einer anderen Bloggerin für ein Zitat aus Mühsams Text, danach suchte ich ihn. Und das Bild ist aus Lübeck, seiner Heimatstadt. Wir saßen auf seinem Platz im Ratskeller und dachten an ihn.

 

Dienstag, 9. Juli 2019

Berliner Bären


Berlin Europacenter ca. 2005, drei Bären für Berlin

Bären in Berlin gibt es viele: im Zoo, verkleidet am Brandenburger Tor, und überall in der Stadt die Buddy-Bären, die als Botschafter der Stadt Berlin in die Welt geschickt wurden.
Mir gefallen diese bunten Bären, von verschiedenen Künstlerinnen und Künstlern aus der ganzen Welt wurden sie bunt bemalt.

Eine schöne Idee, die Stadt mit einem Tier zu verbinden, auch wenn ich den Ursprung der Idee nicht kenne.



Montag, 8. Juli 2019

Frauenmantel








Im Garten

Bildergebnis für Frauenmantel
Frauenmantel

Sommerschwüle. Unerträgliche Hitze. Endlich ein Gewitter. Auf den Wegplatten verdampft das Wasser des kurzen Regengusses. Sie geht barfuss zum Kompost. Der würzige Geruch des Kräuterbeetes ist betörend. Die Rosenblüten strahlen mit Eisenhut und Rittersporn in wunderbarem farbigem Dreiklang rosa-weiß-blau. Fasziniert betrachtet sie die Blätter des Frauenmantels, die letzten Regentropfen liegen als kleine Diamanten auf den feinzahnig geränderten Blättern. Die Blattform gleicht einem ausgebreiteten Cape. Üppig breiten sich die gelblich- grünen Blüten über dem dunkelgrünen Blatthorst aus.
Seltsam der Namen : Frauenmantel. Sie denkt über die Wirkung des Krautes nach, zusammenziehend, entzündungswidrig, beruhigend, krampflindernd.
Ein Geschenk für die Frauen, für die Fotografin, für den Garten, für die Floristin.
Und für alle Freunde, die gerne einen Ableger der fleißig aussamenden Staude wollen.

Sonntag, 7. Juli 2019

Gedanken an einen Straßensänger



Palast der Republik, vor dem Abriß - Theater- Leuchtprobe ca. 2005

Bald sind wir in Berlin, wir machen Urlaub und Stadtbummel gleichzeitig. Abends ist dann Ruhe und Schwimmen, und Löcher in der Luft suchen. Ich hoffe, wir wohnen nicht in der Einflugschneise des Flughafens!


Gedanken an einen singenden Freund
 
Lieder singen und Körbe voller Freude durch die Welt tragen,
Nachdenkpäckchen versteckt im Wörterreigen.
Momente voller Melodien geschenkt an die, die zuhören möchten, Klänge von gestern und übermorgen und jetzt.
Manchmal kommt etwas Trauer dazu, Erstaunen über die Welt,
wie sie ist. Und der Wunsch, für die zu singen, die etwas aus der Spur laufen, sie locken mit der Gitarre.
Unterwegs sein als Lebensform ist nur etwas für starke Menschen, die anderen sind Nesthocker, mauern sich ein zwischen Kegelverein und Bausparvertrag.

Orte für Worte suchen

von heiner müller zum berauschen:
nämlich die worte müssen rein bleiben
denn ein schwert kann zerbrochen werden
und ein mann kann zerbrochen werden
aber die worte fallen in das getriebe der welt
uneinholbar





Ich suche mit meinem Blog Orte für Worte, für die Worte anderer Menschen und für meine eigenen. Ich ertrage die Welt nicht stumm, ich möchte mich an den Worten entlang vortasten zu meinem Ziel,
eine weise alte Frau zu werden. Mutwillig und unerschrocken, mit viel Lachen und Kraft.
Anderen Menschen will ich Freude schenken mit dem, was ich schreibe. Und mir selbst helfen die gefundenen Worte dazu, meine Gedanken klar zu formulieren.
Außerdem macht Schreiben mir Freude!


Freitag, 5. Juli 2019

Weinbergsmauer am Neckar



Sonnenuntergang am Neckar


Du sitzt an einer alten Weinbergmauer auf der Erde.
Die Erde ist warm, Gräser und Kräuter duften.
Die Mauer ruht auf einem Fundament aus großen Steinen,
fest in die Erde eingegraben.

Du lehnst dich an die Mauer, sie stützt dich.
Du siehst weit in das Flusstal.
Der Fluss gleitet ruhig und wellenlos dahin.
Deine Gedanken folgen dem Fluss durch Dörfer und Städte.

Die Sonne geht unter,
ihr Licht wandert den Fluss hinab.
Aber, als wolle sie ihre ganze Kraft noch mal zeigen
bevor es Nacht wird,
bringen ihre Strahlen den Fluss zum Leuchten,
während sie langsam hinter den Horizont zurückweicht.

Die Wärme der Sonne bleibt noch lange
in den Steinen an deinem Rücken,
in der Erde, die dich ausruhen lässt.
Du bist Teil der Mauer und bist doch soviel reicher:
Du sahst den Sonnenuntergang und dachtest dich
am Flussufer entlang.

Diese Reise, die Wärme der Mauer und der Duft der Pflanzen
um dich machen dich froh und dankbar.
Du atmest ganz ruhig und bist wieder bei dir.
Du lässt deinen Atem gewähren,
spürst wie sich der Bauch hebt und senkt.
Du fühlst dich wohl.

Diese Freude und Dankbarkeit
über deine Erfahrung an diesem Platz macht dich stark und offen.
Du bist ganz bei dir, lässt die Sonne untergehen.
Du weißt, morgen wird es wieder einen Sonnenaufgang geben,
und einen Sonnenuntergang.
Wenn du es vergisst, wirst du wieder eine Weinbergmauer suchen.


©

Mittwoch, 3. Juli 2019

Brief an einen reisenden Freund







„… er war überall a bissl ungern!“ K. Valentin


Lieber Freund,

nun gehst Du wieder auf Reisen! In fremde Welten eintauchen, geht das noch, wenn man so erwachsen ist wie wir? Sind wir nicht angefüllt mit unserer Welt, wie immer sie aussieht, und mit unseren bisherigen Erfahrungen zementiert in Denkweisen, die denen des Eintauchens in fremde Welten widersprechen?
Die Sehnsucht nach fremden Welten, nach anderen oder neuen Erfahrungen ist da. Aber auch die Bereitschaft, den alten Ballast abzuwerfen? Schmerzhaft sich die Wurzel auszureißen - nur wir selbst sollten dies tun! - und mit der Verletzung so offen sein, dass wir neue Erfahrungen machen können, das wäre es.

Einerseits ist es so, dass dies die Grundvoraussetzung zur Reise sein sollte, wenn sie der Bereicherung der Person und nicht nur dem Zeitvertreib dienen sollte. Anderseits machen wir uns in unserem eigenen Denksystem schnell mal was vor, und erkennen es nicht, obwohl wir es bei anderen Menschen… die Geschichte mit dem Balken und dem Splitter, altes Testament…
Na, ich wünsche Dir sehr, dass Du offen sein kannst und Dich auf dieses Land, das ja noch nicht so wie hier organisiert ist, einlassen kannst. Du kannst ja nichts verlieren dabei, nur gewinnen.

Ich wäre gern Reisende, aber mit viel mehr Zeit, ich wanderte durch Straßen und schaute dem Alltag der Menschen zu. Mit unseren Augen schauen und dabei von uns absehen, oder so ähnlich…

Dienstag, 2. Juli 2019

Entspannung

 
 

Hängematte im Baum


Du liegst in der Hängematte im Schatten eines großen Apfelbaumes.
Um dich ist Wärme und Ruhe.
In einiger Entfernung hörst du Schafe blöken.
Die Hängematte schaukelt leicht, der Wind umweht dich.
Die Hängematte trägt dich, der große knorrige Ast
trägt die Hängematte, biegsam und fest.

Die Hängematte schaukelt im Baum,
der Wind streichelt dich,
die Sonne wärmt den Wind.
Der Baum wurzelt tief in der Erde,
bekommt Nahrung und Wasser von ihr.
Die Erde nährt auch dich.

Ruhe, Wärme und Wohlgefühl
lassen dich ruhig atmen.
Es atmet in dir, ohne dein Zutun.
Du bist Teil der dich umgebenden Natur.
Du bist da
wie der Baum, die Tiere, die Sonne.

Du atmest ruhig, ohne Anstrengung,
wirst gewärmt und gestreichelt.
Deine Sinne sind wach
und du bist ganz entspannt im Hier und Jetzt.
Kleine Wolken ziehen am Himmel,
betupfen das strahlende Blau.

Es riecht nach Heu und Kräutern.
Eine Amsel beschimpft eine Katze,
die träge umherstreift.
Die Katze kümmert es nicht.
Irgendwo schlägt eine Turmuhr
eine vage Zeit.

Ruhe, Wärme und Wohlgefühl
hast du in dir und um dich.
Du liegst in der Hängematte,
lässt deinen Körper atmen
und hören und gewahr werden.
Alles geschieht ohne dein Zutun
wenn du es zulässt.

©


Montag, 1. Juli 2019

fremd gehen


ca. 2005, Berlin, Hamburger Bahnhof


fremd gehen - fremdgehen

Ging man in Berlin über die Brücke, sah man auf dem Hamburger Bahnhof die Installation in kühlem Neonlicht.

Literarisch ist Fremdgehen eines der populärsten Themen in allen Kulturen der Erde.
Täuschung, Verkleidung, Verwechslungskomödien und „gehörnte“ Partnerinnen und Partner, Dramen wie Komödien bietet Fremdgehen den Handlungsrahmen.

Das Wort ist geheimnisumwittert. Für Menschen, die die deutschen Sprache
nicht gut beherrschen, erschließt sich die Bedeutung schwer.
Ist das Gegenteil von fremdgehen „bekanntgehen“?
Dieses Wort gibt es nicht!


Fremdgehen ist kein neutrales Wort.
Von größter Empörung bis zur größten Wonne kann es Gefühle in Menschen wecken.
Ich finde es interessant, das die ursprüngliche Bedeutung der Worte Gehen und Fremd in dieser Kombination verloren ging und eine ganz neue Bedeutung der Worte Eingang in unsere Sprache gefunden hat.

Außerdem ist paradox: Menschen die miteinander fremdgehen, werden einander bekannt!






zeit und eile

                                         ein pferd in hildesheim, bodenständig liegt es im pflaster Keine Eile... Ich ha...