Sonntag, 28. November 2021

hoffnung lernen

 

                                                       unbequeme ruhebank, symbolbild

die sonnenblume dreht bereits in der nacht ihren kopf in richtung der demnächst aufgehenden sonne, hörte ich eben im radio. das sollte uns ein zeichen von vertrauen und zuversicht sein, erklärte im deutschlandfunk kultur die nonne melanie wolfert aus wien(28.11.2021, 7.04 uhr). ihre anregung zu vertrauen und der stärkung der zuversicht hat mir gefallen. 

die zuversicht hilft uns dabei uns den problemen zuzuwenden. die parabel von den drei fröschen sollte  beispiel sein, nur der frosch, der strampelte, der nicht aufgab und so die milch zu sahne stapfte, überlebt. eine zuversichtlicher mensch sieht die möglichkeiten in der krise, sucht nach den vorhandenen reaktionsalternativen. wir können den tag missmutig begrüßen oder mit freude über einen neuen tag, der noch ungeprägt vor uns liegt. geben wir diesem tag eine eigene prägung, über alle alltagsdinge hinaus.

zuversicht ist erinnern in die zukunft hinein, kraft schöpfen aus vergangenen und überwundenen krisen. manchmal auch hoffnung wider alle vernunft, weil unser geist einfach nicht alles erkennen kann, wenn  unsere angst zu groß ist.

auszug aus machmal, songtext von trude herr: 

Kopp huu
Jläuv an dich
Du liers noch et Fleje
Du häss noch alles üvverlääv
Mit Narbe mit Woot
Un met Bloot
Un met Trääne
Un mit Dreck der an dir klääv

Op enmol
Do merkste
Du kanns wirklich fleje
Wie Vuelcher mim Wind

übersetzung: ... kopf hoch, glaube an dich, du lernst noch das fliegen, du hast noch alles überlebt. mit narben, mit wut und mit blut, und mit tränen, und mit dreck, der an dir klebt.

auf einmal merkst du, du kannst wirklich fliegen, wie die vögelchen mit dem wind...

allen hier lesenenden einen angenehmen sonntag.



 

 


Freitag, 26. November 2021

ungerecht oder normal?

 


https://www.swr.de/swr2/literatur/26111931-erich-kaestner-stellt-puenktchen-und-anton-vor-100.html

heute gibt es einmal eine vier minuten dauernde audiodatei, die heute morgen bei swr2 gesendet wurde. sehr verblüfft hat mich, dass eine meiner lieblings- kinderbücher: "pünktchen und anton" heute neunzig jahre wird.

es macht mich traurig, dass wir als gesellschaft keinen schritt weiter gekommen sind, eher ist der abstand zwischen denen, die nichts haben, und den menschen, die mehr als genug haben, grösser geworden. was muss passieren, damit sich etwas ändert? 


Sonntag, 21. November 2021

frau möchte entspannt zaubern können

 

Zauberspruch


(von Max Kruse)

Nimm Entenfedern,
Löwenzahn
und einen Löffel
Lebertran.
sprich Hunke-
munke-mops dabei
und mische
einen dicken Brei.
Schmier dir
die Nasenspitze ein,
und stell dich
in den Mondenschein.
Und schwebst du nun
nicht in die Nacht -
dann hast du etwas
falsch gemacht!

entnommen aus dem Band "Ein Klecks ging mal spazieren", im St. Michaels Verlag

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Deutschlandfunk, Carola Zinner am 19.11.2021 zum 100. Geburtstag von Max Kruse:

"Max Kruse: „Nur, wenn man als Kind lebt, lebt man neugierig. Und wenn man neugierig lebt, entdeckt man eben auch die Schönheit des Lebens immer wieder neu.“
Die Kindheit blieb bis zum Schluss der Dreh- und Angelpunkt im Leben von Max Kruse. Aber es war natürlich auch eine Kindheit, von der andere nur träumen konnten. Der am 19. November 1921 geborene Schriftsteller wuchs auf in einer durch und durch künstlerischen Familie: Seine Eltern waren der Bildhauer Max Kruse und dessen rund 30 Jahre jüngere Frau, die berühmte „Puppenmutter“ Käthe Kruse.   

„Meine Mutter war sich seinerzeit klar, dass ich wahrscheinlich das letzte ihrer Kinder werden würde, das achte. Und so war die nun auch schon reiferen Alters und wollte unbedingt noch einen Max Kruse haben.“  
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max kruse war einer der mitbegründer der gruppe 47 nach dem krieg. in dieser gruppe arbeitete er gemeinsam mit michael ende, otfried preußler, james krüss und später mit janosch an der gestaltung einer neuen art kinderbuchliteratur . er schenkte uns viele stunden vergnügter und guter unterhaltung. 
"Der Löwe ist los" oder "Urmel aus dem Eis" kannte jedes kind, und kennen die kinder noch heute, vieles wurde verfilmt, die geschichten mit der augsburger puppenkiste erfreuen immer neue kindergenerationen.
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hokuspokus - ein jahr vorbei wie nichts, und dank vieler unbelehrbarer zurück auf anfang- gehts noch?
bleibt gesund, eine gute neue woche für euch leserinnen und leser.





Mittwoch, 17. November 2021

Meinungshoheit

                                                 Seckach, http://skulpturenpark-seckach.de/
 

"Meinungen sind wie Grundstücke: Erstens sind sie zu teuer, und zweitens kann man nicht immer darauf bauen."  Dieter Hildebrandt

scheinbar geht es um die meinungshoheit nicht nur an den stammtischen der nation, sondern auch in den tv-sendern, ich mag vieles nicht mehr hören.

aber man kann einen park gestalten, mit menschen, geduld und arbeit. und immer wieder gibt es etwas zu sehen, die natur verändert manches, regen und zeit tun ihr werk stetig. es versöhnt mit den umtrieben überall, wenn man ruhig in der natur spazieren geht. 

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Der Rezensent

Da hatt ich einen Kerl zu Gast,
Er war mir eben nicht zur Last,
Ich hatt so mein gewöhnlich Essen.
Hat sich der Mensch pump satt gefressen
Zum Nachtisch was ich gespeichert hatt!
Und kaum ist mir der Kerl so satt,
Tut ihn der Teufel zum Nachbar führen,
Über mein Essen zu raisonnieren.
Die Supp hätt können gewürzter sein,
Der Braten brauner, firner der Wein.
Der tausend Sackerment!
Schlagt ihn tot den Hund! Es ist ein Rezensent.

J.W. Goethe

Kommentar von Marcel Reich-Ranicki: Doch das dümmste, das seiner Feder entstammt, ist wohl das Gedicht „Rezensent“, veröffentlicht im März 1774.

da beziehe ich mal lieber auf die gravur im stein am anfang der seite: 

Heiterkeit ist die Leiter zum Himmel, bemühen wir uns, es kann gelernt werden.



Freitag, 12. November 2021

eigener sinn

                                                                  

der philosoph peter sloterdijk sprach im heidelberger DAI über die wiederkehr der götter nach einer zeit "spiritueller dürre", die seit dem 19. jahrhundert über die menschheit hereingebrochen sei. nach einer reihe geschichtlicher rückgriffe kommt er zum schluß, dass den westlichen menschen durch die religiösen traditionen eine innensteuerung geblieben sei. im fernen osten fehle die theologische überwelt, anstelle von hochgöttern hätten sie das kaisertum, daher sei das weitgehende überwachungsystem in china eher akzeptiert als veräußerlichte form des gewissenersatzes. und auch im westen lassen menschen sich laut sloterdijk eher gängeln, als eigenen leitlinien zu folgen.

sein schluß war, in der gegenwart stehe die angstfrage im zentrum aller religionsgeschichtlichen überlegungen. diese angst habe bereits seneca benannt, dieser verglich den menschen mit einem gladiator: er weiß, dass er die arena des daseins nicht lebend verlässt.

sloterdijk sieht in der gegenwart eine sehnsucht der menschen nach vergangenen zugehörigkeiten (geborgenheit) wieder aufleben(z.b. großfamilie, nachbarschaft).

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ich sehe eine große gefahr darin, dass unsichere menschen sich eindeutige ansagen wünschen, oder einfache erklärungen von schwierigen situationen. in den schulen sollten kinder lernen eigene schlüsse zu ziehen, freude am denken erfahren und das staunen über die weite welt und ihre möglichkeiten entdecken.

sehr müde machen mich die rufe nach macht überall in der welt, die denkfaulheit mancher mitmenschen und eine suche danach, für sich selbst den jeweils größten gewinn aus etwas herauszuschlagen. die erde könnte auch ein bewohnter garten sein, statt wettkampfarena!

allen leserinnen und lesern ein schönes wochenende.



Montag, 8. November 2021

zeitschleife?


 " Aber ich kann so weit laufen, wie ich will, mein gefängnis trage ich immer mit mir herum. Es sitzt in mir drin. Das weiß ich seit langem. Ich habe keinen Mut, andere zu enttäuschen. Wenn ich das könnte, wäre ich frei." Zitat aus: Edgar Selge, Hast du uns endlich gefunden, Roman, Rowohlt 11.2021

der schauspieler edgar selge schreibt über seine kindheit in den 50-er jahren. viele gedanken sind auch mir vertraut, bin ich ja eine zeitgenossin. berührend auch die gedanken der eltern, ihre reaktionen auf die prägende kriegszeit. Lesenswert!

fertig gelesen: Tove Ditlevsen, Band 2 und 3 der Kopenhagen-Triologie, beide großartig. Band 3, Abhängigkeit führt den/die Leser/Leserin in einen wahren Strudel einer Suchterkrankung.
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ich konnte es fast nicht glauben: "wetten das" mit thomas gottschalk kam wieder, und hat alle quoten getoppt. sehnen sich die menschen in die zeit vor pandemie zurück, ohne ständige neuerungen, in eine scheinbar heile welt? suchen sie nervenkitzel der etwas planbar ist?  
das geschönte bild des siebzigjährigen in den tv-vorankündigung war blamabel, soviel retusche oder schminke. erinnert mich irgendwie an zeilen aus hannes waders "talking-böser-traum-blues".

die vielen verspäteten erstimpflinge verstopfen die spärlichen impflokale, aber besser spät als nie! ich bin nun zum 3. mal geimpft, nach eineinhalb stunden schlange stehen. 

nachtrag abends: ist es zu glauben, unser noch -minister andreas scheuer und der db- vorstand ronald pofalla reisten von berlin an die ahr, um den regionalzug von ahrweiler nach remagen nach dem hochwasser wieder in betrieb zu nehmen(kurzstrecke)! wie sie anreisten, weiß ich nicht, dass sie es taten, finde ich mehr als überflüssig. wenn ich an die kosten denke(transport, bewachung, verpflegung...) wäre dieses geld woanders gebraucht worden.

Donnerstag, 4. November 2021

erkenntnisse reifen

 


Zeit sparen – ein angenehmes, bequemes Leben dank moderner Hilfsmittel?

Wissen Sie noch wie es war, als der elektrische Waschvollautomat in die Haushalte einzog? Es gab keinen Großwaschtag mehr, einfach die Maschine füllen und waschen lassen, statt Wasser im Kessel kochen, Wäsche einweichen...

Sie kennen all dies vielleicht noch. Jeder redete von der Zeitersparnis durch die Waschmaschine, was geschah mit dieser Zeit?

Es blieb nur noch, die Wäsche auf die Leine zu hängen und nach dem Trocknen zu versorgen. Zugegeben, bei Regen und im Winter war es schwieriger, manche Frau rannte bei einer Schauer schnell in den Garten, um die fast trockene Wäsche zu retten.

Später wurden Wäschetrockner erfunden, nun schien alles perfekt. Schranktrocken kann die Wäsche entnommen werden, viele Teile sind inzwischen bügelfrei oder werden nicht mehr gebügelt. Meine Mutter bügelte noch die Unterwäsche und die Mullwindeln der Enkelkinder, Gardinen und leider manchmal Frotteehandtücher. All dies bügele ich nicht mehr. Es wird im Privathaushalt auch kaum noch Sprühstärke verwendet, Servietten sind aus Papier oder pflegeleicht wie die Tischtücher. Falls es diese noch gibt, im Trend sind schöne, einfache Tischsets.

Was geschah mit den vielen Stunden, die früher auf diese Arbeiten verwendet wurden?

Als die Computer in die Privathaushalte einzogen, feierten viele diese Geräte als eine Vereinfachung des Lebens. Wir hatten nichts begriffen!

Und so geht es weiter, wir haben neue Geräte, um unseren Alltag zu erleichtern. Dann merken wir beim Nachdenken, wir haben uns nur eine andere Art der Arbeit zugelegt. Die neuen Werkzeuge kosten Geld, das im Zweifel verdient werden muss. Sie kosten Zeit in Pflege und Wartung, und ihre Lebensdauer ist endlich. Außerdem ist ihre Nutzung nicht für jeden so einfach wie uns die Fachleute sagen.

Es scheint wie ein unendlicher Hürdenlauf, die Suche nach Erleichterung führt zu ungeahnten Folgen. Bewegungsmangel wegen der Nutzung der Maschinen führt unter anderem zum Hometrainer oder in die Muckibude. Erst wenn wir begreifen, dass Arbeit zu unserem Leben gehört und wir nur die Art der Tätigkeit wählen können, wenn wir den Nutzen einer Neuerung abwägen können und die Folgen akzeptieren, dann können wir frei entscheiden.

Ein angenehmeres Leben führen die Menschen, die sich Zeit nehmen für sich und andere. Nicht ohne Probleme, die zu jedem Leben gehören. Die aber trotzdem das Wissen und die Erfahrungen von gestern mitnehmen ins Heute und den Nachfahren von früher erzählen können. Bisweilen mit Wehmut über etwas Verlorenes, und manchmal in der Hoffnung, den Samen für eine neue Entwicklung zu legen im jungen Menschen.

Und so ist die gewonnene Zeit bestens investiert wenn der Strom mal ausfällt und kein Telefon funktioniert.

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ich wünsche allen hier lesenden gemütliche stunden, macht etwas für euch und nehmt euch die freiheit, nicht immer erreichbar zu sein(außer in notfällen). und wenn ihr wollt, kommt auf einen kaffee oder tee vorbei. 

















Montag, 1. November 2021

bruderzwist

 



KAIN UND ABEL

Das Feuer brannte lodernd

heller Rauch stieg auf

Freude ergriff Abel

sein Opfer war angenommen

warum sollte er sich

um seinen Bruder kümmern

der so anders war?


Das Feuer glimmte

kein Rauch zog auf

Kain fühlte sich

menschenseelenallein

er hatte Angst

die wurde Zorn

und er tötete den Bruder.


© Roswitha 

träumend auf der Wiese

Christian Morgenstern: Philanthropisch Ein nervöser Mensch auf einer Wiese wäre besser ohne sie daran; darum seh er, wie er ohne diese (meis...