Freitag, 28. August 2020

Augen suchen Hoffnung


                                                Skulptur: Marianne Wagner, Breuberg  

Emily Dickinson: Wie sich die Augen treffen

Wie sich die Augen treffen- trennen

Mitten in der Menge

eingeprägt- manchmal- für immer

So mag eine Miene -

Zu der Miene eines Anderen -

Sprechen ohne Wort -

Nachbarlicher Horizont -

Kaum erkannt- schon fort-

                    ---------------------------------------------------

Habt eine gute Spätsommerzeit - Zeit zum Durchatmen und Ernten. Habt mit mir Hoffnung, dass sich bald etwas zum Guten ändert, vielleicht setzt sich doch wieder einmal positives Tun durch, und die Hoffnung ressourcensparenderes Handeln.

Mittwoch, 26. August 2020

Georg Friedrich wird 250 Jahre

                                       Skulpturen : Günter Grass, Lübeck, Günter-Grass- Haus

250. Geburtstag von Georg Friedrich am 27.August 20:

" Warum Georg Wilhelm Friedrich Hegel, der im August 1770 in Stuttgart im heutigen Hegel-Haus unweit des heutigen Tagblattturms möglicherweise im Dachgeschoss (so genau weiß man es nicht) geboren ist, immer noch wichtig ist? 2020, im großen Hegel-Jahr zum 250. Geburtstag des bedeutendsten Philosophen des 19. Jahrhunderts, werden Lobeshymnen und Ehrenbezeugungen ohne Ende erklingen. Wer dann im Überfluss der Zitate nur Bahnhof versteht, holt sich den Hegel-Satz vors geistige Auge, der seit 1993 die Fassade des Bonatz-Baus mitten in Stuttgart ziert: „. . . dass diese Furcht zu irren schon der Irrtum selbst ist.“ Und er sollte keine Furcht davor haben, mal was aus den Schriften des Vor- und Querdenkers nicht zu verstehen.

Viel wichtiger nämlich ist, dass man selbst was denkt, nicht nur auf Oberflächlichkeiten wandelt, sondern in Tiefen vordringt. Man kann den gut versteckten Sinn des Lebens nutzen, sich gerade seinetwegen seinen Kopf gehörig zu zerbrechen." 

Zitat: Stuttgarter Nachrichten, Uwe Bogen, 21.11.2019

______________________________________________________________________________

Mein Denken wird gerade nachhaltig verwirrt wenn ich Reden und Handeln vieler Politikerinnen und Politiker beobachte. Da ist Philosophie eine echte Erholung!


Freitag, 21. August 2020

Gipfelstürmer light


                                        Mit Mark Twain in der Bergen

290 Seiten vom „Bummel durch Europa“ widmet er seinen Bergsteigererlebnissen in der Schweiz, es ist der abgehobenste, skurrilste Teil des Buches. Er stellt gewaltige Expeditionen zusammen, schafft gewaltige Ausrüstungen herbei, erlebt gewaltige Abenteuer – alles ist natürlich Lug und Trug, Übertreibung und Fantasie und eine herrliche Persiflage auf die vor allem britische Alpenbegeisterung, die zu der Zeit im Schwange war. Die Rigi besteigt er noch selbst: „Sind wir bald am Gipfel? Bald am Gipfel! Na, Gott segne Sie, Sie sind ja noch gar nicht richtig losgegangen.“ – „Wir stiegen und stiegen; und stiegen immer weiter; wir langten auf etwa vierzig Gipfel an; aber immer lag noch einer direkt vor uns.“ – „Eine Stunde lang saßen wir dort, mit klappernden Zähnen und zitterndem Leib, und stritten uns über alle möglichen Kleinigkeiten, aber die meiste Aufmerksamkeit widmeten wir der Tätigkeit, uns gegenseitig wegen des Irrsinns zu beschimpfen, die Bahnstrecke verlassen zu haben“. Beim Matterhorn steigt dann nur noch seine Fantasie bergan, aber die bezwingt meisterhaft jeden Gipfel. Ein heroischer Sieg über die Viertausender, erfochten vom Liegestuhl der Hotelterrasse aus. Kurzum, ein Vergnügen.

==========================================================================

Das ist mal eine Lektüre für heiße Tage, im kühlen Schatten liegend die Berge gedanklich besteigen mit einem sehr vergnüglich schreibenden Autor.  Dieses Buch kann ich immer wieder lesen, und ich entdecke immer wieder etwas. 

Außerdem verstehe ich ohnehin nicht, warum jemand Leib und Leben riskiert um oben anzukommen. Dafür gibt es in meinem Denken andere Gründe, Sport gehört nicht dazu. Warum nicht Spazieren gehen und dann Seilbahn fahren?



Montag, 17. August 2020

Vor der Ernte



Ein Weizenfeld (Friedrich Hebbel)

Weil es die Ähre verschmäht, sich mit der Farbe zu zieren,
Hat die Natur ihr den Mohn dicht an die Seite gestellt;
Jener hat sie die Kraft vertraut, den Menschen zu nähren,
Diesem verlieh sie den Reiz, welcher sein Auge erfreut.
Jene frage drum nicht: Wo sprießen dir nützliche Körner?
Oder dieser: Wo trägst du den erquicklichen Schmuck?
Wenn die eine uns fehlte, so könnten wir freilich nicht leben,
Aber wir möchten es nicht, wäre der andre nicht da!

Friedrich Hebbel (1813-1863)

Weil es so trocken ist war auch der Wuchs der Ähre spärlich. Immerhin bemüht sie sich um Fortpflanzung. Und dann fuhren die Autos auf den Feldrand weil Menschen nicht gehen wollten...

Donnerstag, 13. August 2020

Rituale

Täglicher Dorftreffpunkt zum Gedankenaustausch(oder Tratsch).

DU MUSST AUS DEINER GEGEND ALLES HOLEN, DENN AUCH VON REISEN KOMMST DU LEER ZURÜCK.

Melancholie, Gottfried Benn

Das glaube ich nicht, aber was wir mitbringen hat mit der eigenen Sicht auf das Leben und die Welt zu tun. Ein extrovertierter Mensch erfährt andere Dinge als ein in sich zurückgezogener.

Die Regelmäßigkeit, in der sich diese Herren täglich zur gleichen Zeit trafen, gefiel mir. Sie struktuierten ihren Tag und redeten immer miteinander, ohne das ein Wortführer auszumachen war.

Irgendwann habe ich einmal gelesen, Frieden sei Ruhen in der Ordnung(Illies?).
Es hilft und trägt jedenfalls manchmal. 

 

Samstag, 8. August 2020

zuhause ankommen

 


                                                          Porta Nigra, Trier

Es ist viel zu heiß, mein Hirn muss erst regenerieren in kühlen Mauern, um wieder klare Gedanken zu fassen. So viele Erinnerungen an Jahrzehnte, die mir gegeben waren. Ich freue mich wieder in meinem Bett zu schlafen. Ich finde Urlaub wird überbewertet. Abenteuer, so ich sie suche, gibt es überall. 

Altes Gemäuer

Ein Mauerwerk zerbröckelt in das Schweigen,
Worein die Fugengräser sinken, steigen:
Das Mittelalter in ihm rührt sich nicht,
Das Altertum in ihm, es spürt sich nicht.

Die Ritzengräser heben sich und sinken,
Wenn Windeskrüppel durch die Stille hinken.
Die gehn vorbei, sie haben keine Stecken,
Die Jugend im Gemäuer aufzuwecken.

Vielleicht, daß wir sein Einst uns nur erdachten
Und Treppen in den Zeitenspuk uns machten.
Vielleicht, daß Gott uns Zeitenträume gönnte,
Doch Welt nicht ist, was je erwachen könnte.

Denn alles ist schon wach, was um uns her ist,
Was rispenleicht und backsteinmauerschwer ist,
Die Arche des Vergangnen, das wir schufen
Bei Tag, bei Nacht,
Die Zukunftsfracht
Auf Wolkenschlitten ohne Kufen.

Oskar Loerke
Aus der Sammlung Der Gast von Altheide

Samstag, 1. August 2020

Unterwegs




Frau im Boot

Gleite, meine Schwester
schwerelos
umhüllt von Sonnenstrahlen
gleite schwerelos
dein Lebensboot
braucht nicht den Fährmann.

Alles ist fließend
vertraue
löse den Anker
lass dich treiben
und komme an.

RGP 22.01.02



Ich werde einige Tage Urlaub vom Bloggen machen, mal sehen...

Allen wünsche ich genug Wasser für kommende heiße Tage!

Uraltgeschichte, oft recycelt

  KAIN UND ABEL Das Feuer brannte lodernd heller Rauch stieg auf Freude ergriff Abel ...