Lebensreise mit Schiff Erde


 

Schiff Erde

»Ich will den Kapitän sehn«, schrie
die Frau, »den Kapitän, verstehn Sie?« –
»Das ist unmöglich«, hieß es. »Gehn Sie!
So gehn Sie doch! Sie sehn ihn nie!«

Das Weib, mit rasender Gebärde:
»So bringen Sie ihm das – und das –.«
(Sie spie die ganze Reling naß.)
Das Schiff, auf dem sie fuhr, hieß ›Erde‹.
Christian Morgenstern
Aus der Sammlung Der Gingganz


Wer bin ich auf meinem Lebensschiff?  Laß ich das Boot treiben, wo greife ich ein?
Beschäftige ich mich mit der Gestaltung des Schiffes oder mit seiner Mechanik?
Wen rufe ich an Bord?

Kommentare

  1. Tolle Fragen sind das. Und das Weib kann man auch verstehen in ihrer grenzenlosen Wut.
    Ob das Schiff "Erde" noch zu steuern ist? Und von wem?
    Lieben Gruss,
    Brigitte

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    1. Jede für sich und alle gemeinsam, jeder an seinem Platz, ist dieses Schiff zu steuern. Es geht nicht ohne die Erkenntnis, dass wir gemeinsam auf einem Stern leben und es keinen Ersatz gibt. Und Geld und Macht dürfen nicht Gewinner sein.
      Schönen Sonntag wünscht Roswitha

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  2. Das sind Fragen,
    liebe Roswitha,
    die beschäftigen. Und auf die es keine einfachen Antworten gibt...

    Ein Gedicht (es ist von Ingeborg Kaiser), das ich immer wieder hervornehme und lese, hat in seinem Ende eine Antwort, die Mut macht:

    zeitreise

    rudern
    gegen den
    strom beharrlich und
    langsam mit
    blossem auge die
    ufer sehen vögel
    und steine endlich
    anlegen bei
    sich

    Lieben Gruss ins spätsommerliche Wochenende
    Hausfrau Hanna

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    1. Danke für diesen Text, ich habe ihn sofort ausgedruckt und werde ihn sicher noch oft lesen, er macht Hoffnung! Er spricht mich sehr an.
      Einen schönen Sonntag wünscht Roswitha

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  3. Raumschiff Erde


    Seit Urzeiten, seit dem großen Knall,

    jagt die Erde durch das endlose All.

    Diese Reise durch Raum und Zeit

    erfolgt in rasender Geschwindigkeit.

    Und doch dauert die Fahrt unendlich lang,

    denk ich dran, wird mir manchmal bang,

    Denn obwohl ich nur Gast einer Etappe bin,

    behalt ich doch auch das Ganze im Sinn.

    Niemand hat jemals das Ziel genannt,

    den Klügsten selbst, ist es unbekannt !

    Am Abend die Myriaden der Sterne,

    sie blinken sehr kalt in der Ferne.

    Noch scheint uns auch die Sonne,

    sie wärmt uns, welch eine Wonne.

    Doch eines Tag's wird verlöschen das Licht,

    was dann ?, wir wissen es nicht !

    Und gleichgültig, was wir Winzlinge machen,

    aus der Leere hört man der Götter Lachen !


    (Reinhard Horber)

    *sonnigsommerlichschönesWEwünsch*

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    1. Die Götter werden gewaltig lachen, wir Winzlinge, die sich für die Krone der Schöpfung halten und so kopflos agieren...
      Liebe Annette, Dir einen schönen Sonntag, Roswitha

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