Sonntag, 4. August 2019

Bücherfreude


Mein Lieblingsplatz im kleinen Heimatort. Was wäre ich froh, könnte ich in einen schönen Buchladen gehen und mir ein Buch aussuchen. Aber die Wege in Berlin sind weit, und in ein Buchkaufhaus mag ich nicht, auch Kettenläden meide ich.
Die neuen E-Roller standen am Alexanderplatz meinem Rollator im Weg, wo sie nicht waren, waren Fahrräder angekettet. Irgendwie müssten Wege für Kinderwagen, Rollstuhl oder Rollator freigehalten werden. Ich schob die Fahrräder einfach zusammen bis ich durchkam, bin ja auch stark.
Fast glaube ich, nun bin ich zu alt für eine Großstadt, bedächtig beobachten und träumend irgendwo stehen geht garnicht. Und es ist mir auch schwierig, Menschen zu umgehen, die schlafend auf dem Pflaster liegen. Ich bin gewohnt zu helfen, und hier steht die Polizei daneben und hält das für normal, weil es alltäglich ist.
Mir geht dann das Bild des liegenden Mannes nicht mehr aus dem Kopf, ich denke darüber nach, was in seinem Leben wohl passiert ist.

_______________________________________________________________

Ansprache eines Bücherwurms

Der Kakerlak nährt sich vom Mist,
Die Motte frißt gern Tücher,
Ja selbst der Wurm ist, was er ißt.
Und ich --- ich fresse Bücher.

Ob Prosa oder Poesie,
Ob Mord- ob Heldentaten-
Ich schmause und genieße sie
Wie einen Gänsebraten.

Ich bin ein sehr belesener Herr,
Nicht wie die anderen Viecher!
Daß Bücher bilden, wißt auch ihr,
Und ich--- ich fresse Bücher.

...

Das Bücherfressen macht gescheit.
So denken sich`s die Schlauen.
Doch wer zuviel frißt, hat nicht Zeit,
Es richtig zu verdauen.

Drum lest mit Maß, doch lest genug,
Dann wird`s euch wohl ergehen.
Bloß Bücher fressen macht nicht klug!
Man muß sie auch verstehen.

Mascha Kalekó

6 Kommentare:

  1. Die Innenstadt ist kein gastfreundlicher Ort, gerade der Alex nicht. Da wäre ein Besuch im Zoo, im Park oder im Kaffeehaus sicher angenehmer gewesen. Ich hoffe, du hast dich trotzdem in Berlin wohlgefühlt.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wir waren auch im Kaffeehaus und einer Eisdiele, nun kommen unsere Freunde zu uns nach Karow, wir sind ja noch bis Samstag da. Ich glaube, ich bin von der Stadtsehnsucht geheilt, bin körperlich zu langsam.

      Löschen
  2. Buchhandlungen,
    liebe Roswitha,
    gehören zu den schönsten Orten der Welt! Und lesen zu den anregendsten, besten Tätigkeiten.
    Natürlich stets mit Mascha Kalékos Empfehlung des Masshaltens im Ohr... ;)

    Ja, Grossstädte (Berlin kenne ich nicht) können schon mal zuviel werden mit dem dichten Verkehr, den vielen unterschiedlichen Menschen und deren Geschichten und Schicksale.

    Einen herzlichen Gruss aus der 'Kleinstadt'
    Hausfrau Hanna



    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ja, wir wohnen in einer fast idealen Stadt, es hat den Neckar, es hat ein Schwimmbad, und ich kann überall hin zu Fuß.
      Liebe Grüße, Roswitha

      Löschen
  3. Wenn irgendetwas uns verflucht hat, dann ist es doch die Großstadt gewesen, nirgends mehr geht die Einzelpersönlichkeit zugrunde als in diesen Stätten der Massensuggestion.

    Gustav Stresemann (1878 - 1929)

    Da gönne ich mir die RUHE, mit einem Buch in der Natur (ړײ)
    Lass die Seele baumeln, den Blick schweifen und den Geist träumen !!!

    Lb Gruß von Annette ♥

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Wir sind ja eigentlich auf dem Dorf in der Stadt, hier kann man die Seele auch baumeln lassen. Und ich habe heute einen Buchladen gefunden! (alles war ausgelesen!)
      Ich glaube, dieser eine Tag in der Stadt reicht uns, alle kommen uns hier besuchen und freuen sich.

      Löschen

träumend auf der Wiese

Christian Morgenstern: Philanthropisch Ein nervöser Mensch auf einer Wiese wäre besser ohne sie daran; darum seh er, wie er ohne diese (meis...