Mittwoch, 31. Dezember 2025
kommt an mein lagerfeuer
Samstag, 27. Dezember 2025
frost und fülle
"Ich fühle mich in der ganzen Welt zu Hause, wo es Wolken und Vögel und Menschentränen gibt" sagte Rosa Luxemburg.
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die schriftstellerin helga schubert(85 Jahre) schreibt unter der überschrift "Lebenstopf" unter anderem:
..."Viel umgeändertes Wissen
Kafka-Unheimliches
Mozart-Flöten, Streicheln
Blitzangst, Donnererlösung
Hilflose Tränen
Um Freunde im Dunkelwarm
Ein Kind.
Mein Topf Leben quillt über, Bilder, Stimmen, Geräusche, Gefahr. "
es bleibt spannend, so ist leben... seid alle gegrüßt, roswitha
Dienstag, 23. Dezember 2025
Der Stern und die Krippe
Der Stern
Hätt einer auch fast mehr Verstand,
Als wie die drei Weisen aus Morgenland,
Und ließe sich dünken, er wär wohl nie
Dem Sternlein nachgereist wie sie;
Dennoch, wenn nun das Weihnachtsfest
Seine Lichtlein wonniglich scheinen läßt,
Fällt auch auf sein verständig Gesicht,
Er mag es merken oder nicht,
Ein freundlicher Strahl
Des Wundersternes von dazumal.
Samstag, 20. Dezember 2025
lesen und auszeiten
helga schubert beschreibt in ihrem neuen buch "Luft zum Leben"(dtv) geschichten vom übergang in verschiedenen phasen ihres frauenlebens. sie wurde in berlin kreuzberg geboren 1940 und hat ihr ganzes leben überwiegend in berlin gelebt. sie schreibt: " Ich bin eine echte Berlinerin, in der Unterform der Ostberlinerin, so leid es mir tut." " Wie tolerant und weltoffen bin ich als Ostberlinerin gegenüber meinen Mit-Ostbürgern, den Hasserfüllten, den Destruktiven, den Gleichgültigen, den Nichtwählern, den Lügnern..." , fragt sich sich, und fährt fort: "wie tolerant und weltoffen bin ich mir selbst gegenüber? Denn sie sind alle ein Teil von mir...". ich empfehle dieses buch sehr, habe ich doch hier die zerrissenheit des lebens in einer diktatur und den übergang in eine demokratie an vielen beispielen lesen können. frau schubert kam mir nah, ich würde gerne mit ihr reden.
ganz anders, und mir manchmal ein wenig mystisch, war das zweite buch: Tahar ben Jelloun, Die Nacht der Unschuld, Rotbuch Verlag(1988). ein mann beschloß, dass sein achtes kind, wieder ein mädchen, sein sohn sein solle. ein kraftvolles buch über eine mir unbekannte welt. der studierte philosoph geht auf die spur eines mann/frau-geschöpfes. ein fesselndes buch, trotz der fremdheit.
das dritte buch bekam ich von einer bloggerin geschenkt, ich freue mich sehr darüber. John Williams, Stoner, dtv(2013, vorher 1965). ein buch über die kraft der literatur, ein buch über ein scheinbar genügsames leben, in dem alles vorkommt: freundschaft, ehe, leidenschaft, familie, krieg, liebe. dieser junge mann von der farm, den es hungerte nach büchern und lernen, bewegte mich sehr. seine welt im inneren zirkel der uni ist mir fremd, sein leben kam mir nah.
euch allen eine angenehme weihnachtswoche mit menschlich bereichernden begegnungen wünsche ich.
Sonntag, 14. Dezember 2025
zwei kleine italiener und tonio schiavo
Das Abkommen, das der deutsche Bundesminister für Arbeit Anton Storch und der italienische Außenminister Gaetano Martino am 20. Dezember 1955 in Rom unterzeichnen, war das letzte einer langen Reihe von Abkommen, die Italien seit 1946 mit europäischen, südamerikanischen und ozeanischen Ländern abgeschlossen hatte.
heute morgen hörte ich im radio, dass vor genau achtzig jahren mit italien ein abkommen über die entsendung von arbeitern nach deutschland unterzeichnet wurde. im interview ein mann, der damals als siebzehnjähriger mit seinem vater nach geislingen gekommen war, sie sollten bei WMF arbeiten. untergebracht wurden sie in baracken hinter stacheldraht. er sei damals sehr erschreckt gewesen, erzählte er. die bevölkerung wurde als ablehnend erfahren, sie blieben lange in ihrer gruppe.
in dem jahr begann mein schullaufbahn, ich wusste noch nichts von italien. später wurde italien unser traumziel für urlaubsreisen, die wir nie antraten. aber bald gab es auch erste eisdielen, und es gab viele schlager, die das italienische lebensgefühl besangen. im jahr 1962 gewann conny froboess mit dem lied "zwei kleine italiener" den 6. platz beim grand prix. aber es gab auch degenhardts lied(1971) über tonio schiavo, den gastarbeiter, der bei einer auseinandersetzung auf dem bau starb. in dem lied beschrieb degenhardt die wohnungen der gastarbeiter:
Sonntag, 7. Dezember 2025
aufmucken und schauen
mit unserem Leben
mit unserem Lieben
gegen die Kälte
für mich, für Dich, für unsere Welt"
(Aus: Ruth C. Cohn: "Zu wissen dass wir zählen", Zytglogge, Bern, 1990, Vorspann)
Mittwoch, 3. Dezember 2025
Begegnungen unterwegs
es war ein tag voller freude, unsere erste enkelin saß im historischen kinderwagen und war mit ihren eltern teil des festumzuges. wir gingen mit unserer mitbewohnerin hedwig zum umzug, das war 1993. ich holte die enkelin mit dem kinderwagen ab, die großtante wollte zurück, so trafen mein mann und ich uns mit den gefährtinnen auf dem feldweg zwischen den dörfern. wir waren froh und unser freund hatte seine kamera dabei. eine bleibende erinnerung, das kind ist inzwischen dreiunddreißig, hedwig starb mit siebenundneunzig, wir sind nun grauhaarig und weniger aufrecht.
gestern ging ich über den weihnachtsmarkt und durchs städtchen. als mir die beine schmerzten setzte ich mich auf den rollatorsitz. da lief eine familie mit einem kleinen jungen, vielleicht 2-3 jahre alt. er strahlte mich an, ich lachte, er ging hinter mich und wollte den rollator schieben. sein vater nahm ihn auf den arm und sagte, das könne er nicht. er weinte herzerweichend, auch mein winken tröstete ihn nicht. ich fühlte mich berührt.
begegnungen oder ein lächeln und spontane gesten geben uns nahrung zum leben. es trägt viel zur atmosphäre im ort bei, wie wir einander begegnen. und genau hier liegt unsere macht, ein teil der menschen zu sein, denen nicht alles egal ist.
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"Simone Weil schrieb über Gleichgültigkeit, dass sie eine Form der Gewalt ist, die man nicht tolerieren dürfe, weil sie die menschliche Würde missachtet und die Übel der Welt verdeckt.
Ein zentrales Zitat ist nicht direkt verfügbar, aber ihre Gedanken zu Gleichgültigkeit finden sich in ihren Schriften, wie beispielsweise in Bezug auf das Leid und das Vermeiden, sich dem zu stellen, was sie als eine Lüge ansah. Sie sah die Gefahr der Gleichgültigkeit und die Notwendigkeit, sich dem Leid ohne Furcht zu stellen." Netzfund
also sorge ich, wach zu bleiben und genau zu schauen. und gleichzeitig diesen kriegstreibern nicht die macht über meinen alltag zu lassen, sondern auch anderes zu suchen, zu sehen und zu erhoffen, den freiraum füllen, der uns gehört.
Kleinstadtbeobachtungen
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