Donnerstag, 28. Mai 2026

unsere kleine stadt und denkmäler

da läßt jemand sein denkmalgeschütztes haus langsam verrotten, da nutzen denkmalämter auf verschiedenen ebenen nichts. auch ensembleschutz neben dem berühmten Palmschen Haus hilft nicht. 

ein anderes historisches gebäude, zuletzt als altenheim gerne genutzt, weil mitten in der stadt, jederzeit besuchbar, die alten menschen konnten marktplatzatmosphäre erleben, wurde vor fast drei jahren einer investorengruppe verkauft und steht seitdem leer. viele studierende hätten sich sicher über günstige zimmer in dem wunderbaren, z.t. gut renovierten gebäudekomplex gefreut, eventuell auch als zwischennutzung. was seitdem passiert ist? es wurden gehölze geschnitten an der grenze zu nachbargrundstücken. was ist los? 

gibt es keine verpflichtung mehr bei eigentum? besonders bei denkmälern die in der geschichte der stadt eine wichtige rolle spielen. wollen wir alles kommerz und willkür einzelner opfern?

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WER NICHT VOM FLIEGEN TRÄUMT,

DEM WACHSEN KEINE FLÜGEL.


Samstag, 23. Mai 2026

visionen mit mut und bloch


vor mehr als einem halber jahrhundert sagte ernst bloch, der in Ludwigshafen 1885 geborene Philosoph, wir müssten ins gelingen verliebt sein, nicht ins scheitern. sein lebenswerk ist die vision des menschlichen fortschrittes, das Prinzip Hoffnung. bloch war überzeugt von der lernfähigkeit der menschen, er plädierte für unseren mut zu empathischen wahrnehmung von uns selbst und der uns umgebenden menschen. er war voller hoffnung, das es menschlichen und gesellschaftlichen fortschritt gibt, wenn die menschen nicht den mut verlieren, im denken und handeln einander unterstützen und visionen des zieles vor augen haben.
 
sein leben war nicht einfach, glatt, ohne schmerzhafte erfahrungen, und die wechselhaften zeiten ab der jahrhundertwende verhinderten ein gesichertes nest zum ruhigen philosophieren. 
 
viele millionen menschen in deutschland engagieren sich ehrenamtlich, sie glauben an ihr tun. wir sollten dafür arbeiten, dass fast alle menschen sich als selbstwirksam erfahren, weil sie etwas zu ihnen passendes tun. helfen wir dazu, dass sie spüren, wie sie anderen helfen können, lassen wir niemanden allein stehen.
 
geben wir nicht nach, wenn die in der politik tätigen falsche prioritäten setzen.
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Es gehört zum Wesen der Hoffnung, dass sie enttäuscht werden kann, sonst wäre sie ja Zuversicht. Die Eitelkeit ist das letzte Kleid, das der Mensch auszieht. (Ernst Bloch 1885 - 1977)
 
  
 

Samstag, 16. Mai 2026

langen atem haben

 

                                                             

 Angelica Domröse, nach Tipps für das Altern gefragt, antwortete: 

"Humor behalten. Und wenn er runterfällt, der Humor, dann aufheben und sagen: Bleib bei mir!"                Diese wunderbare Frau starb am 15. Mai in Berlin, fünfundachtzig Jahre wurde sie. Ihre Rolle im Film"Legende von Paul und Paula" mit Winfried Glatzeder und Regisseur Heiner Carow wurde zum Kassiker. Aber Frau Domröse begegnete uns in vielen Rollen, zuletzt auch als Regisseurin.   

heute hatten die meisen in unserem hof ein fest, sie fraßen am mistelbaum und flogen wild umher. das amselpaar hat ein junges welches im fliegen unterrichtet wird. gestern flog es versehentlich gegen ein fenster und fiel auf die bank. dort blieb es kurz liegen, dann schüttelte es sich und flog weg. immer wieder kommen auch rotschwänzchen. sie fliegen an die rosen und pflücken sich wohl blattläuse von den blättern. dann gibt es noch lästige stadttauben, sie vermehren sich zu stark und bekacken alles. füttern ist verboten, dumme menschen füttern sie mit allem: brotstücke, pizza, eiswaffeln... (nicht im hof).

zuschauen beruhigt ungemein, tief einatmen und langsam ausatmen. die amseln sehen mich als teil ihrer umgebung und kommen fast auf armlänge heran.  

ach, ich wollte über humor schreiben. wenn niemand den mahnenden stimmen zuhört bleibt uns vielleicht doch nur noch, in höllisches gelächter auszubrechen wegen des eifers, mit dem die mächtigen der welt sich selbst zerlegen. zuschauen, denken, netzwerke in der eigenen blase bilden. mitbloggerinnen erfreuen ist auch gut, und vertrauen in unsere kreative kraft. 

ich gebe nicht auf, unsere welt, wie ich sie sehe, ist jedes engagement wert, nicht nur für mich. habe heute wieder einen leserbrief in der zeitung, demokratie lebt von teilnehmen.

Sonntag, 10. Mai 2026

männer und lurchi


"Der arabische Diktator General Fusshami war, wie es bei Tyrannen nicht selten ist, schizophren. Er beleidigte jeden und machte sich über alle und alles lustig, war aber eine Mimose, wenn er selbst zur Zielscheibe der Satire wurde."   Rafik Schami, Mein Sternzeichen ist der Regenbogen, dtv

"Viele Männer erkranken mit fortschreitendem Alter an Testosteron- Autismus, was mit einem langsamen Schwinden der sozialen Intelligenz und einem zunehmenden Unvermögen, was zwischenmenschliche Kommunikation betrifft, einhergeht und auch das Formulieren von Gedanken beeinträchtigt."                       Olga Tokarczuk, Gesang der Fledermäuse, Kampka, sie erhielt den Nobelpreis Literatur 2018 

- soviel als kommentar zu den mächtigen dieser welt, die durch ihr dasein millionen menschen ins unglück stürzen. als wenn es nicht genug zu tun gäbe für uns alle, um unseren einzigen planeten zu erhalten. und manchmal bricht das persönliche unglück in unser leben, auch das gehört zum leben dazu.  glück suchen ist momentssache, dauerhaft kann nur sein, flexibel mit den anforderungen der tage umzugehen und mit verstand den nächsten schritt zu gehen. ja, manchmal mutig, manchmal verzagt, immer aber gehen, wie es möglich ist. 

und schauen, was in uns und um uns ist: manchmal eine wunderbarer salamander. der erinnert mich an lurchi, die figur aus dem komikbüchlein der salamander- schuhfabrik hier in baden. ich wollte als kind bücher und bekam sehr selten eines. dieses heftchen gab es nur, wenn meine mutter die teuren schuhe von salamander kaufte, tat sie nicht oft. außerdem gab es die moralische pflicht, schuhe bei der vermieterin der großeltern zu kaufen, sie war kriegerwitwe. 

die natur schenkt mir einen salamander, fotografiert von der enkelin. das ist beglückender als jedes reklame-heftchen. 

 


 

 

 

Sonntag, 3. Mai 2026

  


"Früher habe ich viele Jahre in der Jugendarbeit gearbeitet. Wieder ist für diese Sozialarbeit keine Lobby da, es gibt zu wenig Geld und Raum. In der katholischen Kirche war ich sehr engagiert, dann in der evangelischen. Heute arbeite ich nicht mehr in der Kirche, ich denke, in hundert Jahren sind sie zu Sekten geschrumpft. Das heißt nicht, dass ich nicht manchmal eine Sehnsucht nach einer Schöpferin der Welt hätte. Religion und Politik sind immer patriarchalisch geprägt, für Frauen ist kein Platz. Die Menschen finden es keinesfalls anstößig, wenn in den Abendnachrichten nur von Männern berichtet wird, die Konferenzen abhielten, von Ministern, von kriegführenden Soldaten, von Bischöfen... Nur zaghaft ändert sich das, viel zu langsam. Die wenigen Frauen mit Verantwortung verdecken vielleicht die Wirklichkeit. 

Ich wünsche mir sehr, dass die Frauen in hundert Jahren nicht nur die Hälfte der Bevölkerung wie heute stellen, sondern auch die Hälfte der Macht haben, bei Entscheidungen auch an relevanter Stelle zur Urteilsfindung beitragen. Ich denke, es fehlt der Welt die weibliche Sicht der Dinge. Es ist weder für Männer noch für Frauen gut, wenn ein Geschlecht die Macht hat.

Bis jemand diesen Brief liest, sind wieder viele Tier- und Pflanzenarten ausgestorben, viel Natur wurde dem Expansionsstreben der Menschen geopfert."

Das ist ein Ausschnitt aus einem Brief, den ich 1999 schrieb und der Stadt Rottweil übergab. Er ist mit vielen weiteren Schriftstücken anderer in einem Edelstahlkasten gelegt und vergraben worden zur Jahrhundertwende. In einhundert Jahren wird er ausgegraben und die Nachfahren der Schreiberinnen und Schreiber gesucht. Selbstverständlich gaben wir einige persönliche Daten dazu, damit das möglich ist(?). Unsere Enkel sagten, sie seien gespannt darauf, da musste ich sehr lachen, sie sind Jahrgang 1992 und 1994. Aber ich gab ihnen ein Doppelt für ihre Nachfahren. 

 

 

der sommer gibt auch bücher

  Foto: Stadtpark, Nina    ich fühle mich einem grottenolm ähnlich, obwohl ich nie einer war: in abgedunkeltem zimmer gehe ich umeinander, b...