Mittwoch, 13. Februar 2019

Ein Baum- Denk-Mal

Die Buche am Elternhaus


Eine junge Frau pflanzte nach ihrer Hochzeit eine kleine Buche, die sie am Wegrand entdeckt hatte. Sie hegte das Pflänzchen, goss es in trockenen Zeiten, jätete das Wildkraut in seiner Umgebung.
Sie tat alles, damit aus dem Sämling eine große Buche werden konnte.
Diese Frau, meine Ahnin vor mehr als hundertzwanzig Jahren, erlebte mit dem Baum die Jahreszeiten. Sie sah ihn viele Jahre wachsen. Als sie alt war, spendete ihr die Buche Schatten. Ihre Kinder bauten eine Bank unter das Blätterdach. Manchmal stellten sie im Sommer Tische und Stühle dazu und feierten. Im Winter setzten Kinder einen Schneemann auf die Bank, ein altes Foto zeigt sie lachend mit ihrer Schöpfung. Abends traf sich manchmal ein Liebespaar auf dieser Bank und träumte sich in eine gemeinsame Zukunft.

Während der großen Kriege hüteten die Nachfahren der Frau die inzwischen stattliche Buche, damit sie nicht zu Brennholz wurde. Ihr Anblick war ihnen Trost und schenkte Gedanken an Dinge, die über die täglichen Aufregungen hinausgingen. Der Baum war ein Teil ihrer Heimat, die Erinnerungen machten ihn zu einer unverwechselbaren Buche.

Was geschähe, würde jemand diesen Baum fällen? Es bliebe die Erinnerung an ihn, solange noch ein Mensch lebte, der den Baum gekannt hatte. Und sogar darüber hinaus, weil diese Menschen anderen von dem Baum erzählen könnten, den es einmal gegeben hatte. Das Bild mit dem Schneemann bliebe, jemand hätte vielleicht eine Zeichnung des Baumes in seiner alten Schulmappe, ein Flurname erinnerte an die Buche,...
Lange würde es dauern, bis nichts mehr eine Erinnerung wecken könnte.
Jene erste Handlung des Pflanzens rückgängig zu machen ist unmöglich. Dieser Buchensämling wuchs und nahm sich Raum.

Wenn wir das Leben lieben, sollten wir uns der Vergangenheit und Zukunft bewusst sein. Im Heute muss durch Nachdenken und Handeln nach bestmöglichen Wegen gesucht werden wie gutes Leben für uns und andere möglich ist.
Mehr Mut zu visionärer Hoffnung bei klarem Blick für die Gegenwart wäre gefragt, ein Denken und Handeln, das nicht alle von Menschen geschaffenen Gegebenheiten als Naturgesetze akzeptiert, sondern über scheinbare Grenzen hinausdenkt.

©











2 Kommentare:

  1. ... und - das Jahr über - mehr VALENTIN sein:

    Güte in den Worten erzeugt Vertrauen.
    Güte beim Denken erzeugt Tiefe.
    Güte beim Verschenken erzeugt Liebe.

    Autor: Laotse

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