Sonntag, 10. Juli 2022

Hoffnung pflegen

 


"Bei Ihnen lernte ich, daß man äußerst skeptisch sein kann »gegenüber den menschlichen Verhältnissen«, wie ja auch Ihr Lehrer Sigmund Freud es war, und doch nicht griesgrämig werden muss: heiter, freundlich, souverän das Leben genießen, von sich selbst und den Mitstreitern [und Mitstreiterinnen; m.f.] eine moralische Anstrengung verlangen, ohne sich zu verkrampfen, erkennen, wie viel von dieser Anstrengung scheinbar erfolglos bleibt, und doch nicht bitter werden, sondern der Aufklärung verpflichtet bleiben. Einen »moralischen Anarchisten« haben Sie sich gelegentlich genannt, einen fröhlichen Anarchisten würde ich Sie nennen." (Christa Wolf an Paul Parin in: Rede, dass ich dich sehe)


"Machen wir also wieder und wieder Revolution, und sehen wir, ob da der Neue Mensch, den wir brauchen, nicht doch einmal entsteht. Sehr einfach, aber nicht sehr ergiebig. An Revolutionen ist in der Geschichte kein Mangel; um neue brauchen wir uns nicht zu sorgen, Ausbeutung und Unterdrückung sind groß genug. Aber wissen wir darum mehr über die Veränderung des Menschen, ist die richtige irgendwo eingetreten?"  Paul Parin, Zitat aus : DER KNOPF AN DER UNIFORM DES GENOSSEN

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so viele gedanken, gute gedanken und spannende ansätze, aber stehen wir immer noch an derselben stelle oder gehen(schleichen?) wir nach vorne?  froh stimmt mich, dass die menschen eher aufbegehren, mehr informiert sind. hier sehe ich die chance: in der erziehung der kinder, in ihrer unterrichtung. es wird keinen neuen menschen geben, aber es gibt mehr möglichkeiten sich zu vernetzen, die technische aufrüstung könnte diesem ziel dienen.

am wichtigsten scheint mir, bei sich selbst zu beginnen und damit ein stück die welt zu verändern. ist eigentlich eine binsenweisheit, und oft trotzdem ein unüberwindbares hindernis.

  




16 Kommentare:

  1. Schön, dass mein Wort des Tages vorkommt! Und…und…

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  2. Ja, so ist es. Versuchen wir es weiterhin ohne Bitterkeit, aber mit nicht nachlassender Geduld und Ausdauer!
    Vielleicht zwingt uns ausserdem die Weltschieflage zu einem gemässigteren und schonenderen Umgang mit uns und der Umwelt...
    Einen lieben Montagsgruss,
    Brigitte

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    1. so werden wir weiter leben, angepasst mit einem schonenden umgang mit vorhandenem, herzlich roswitha

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  3. Dein vorletzter Satz ist der Knackpunkt: arbeiten wir wirklich stark, tapfer und ausdauernd daran, uns zu verändern? Ich beobachte vielfach, dass die eigene Veränderung sehr schwach werden oder erliegen kann, wenn es an die Bequemlichkeit geht...

    Schöne Grüsse
    Robert

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    1. wir können uns ja mal an früher erinnern, dann sind wir doch gefordert über scheinbare selbstverständlichkeiten nachzudenken, kann auch widerständigkeit zeigen. lieben gruß, roswitha

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  4. Gedanken,
    liebe Roswitha,
    von Christa Wolf und Paul Parin, die mich sehr ansprechen und die ich langsam (und gleich zweimal) gelesen habe!
    Wie auch dein Satz: "Bei sich selbst zu beginnen und damit ein Stück die Welt zu verändern."
    Ich versuche es auch. Immer wieder.

    Danke und einen herzlichen Gruss in die neue Woche
    Hausfrau Hanna

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    1. eigentlich ist das am einfachsten und vielleicht auch am schwersten, sich zu verändern. ja, immer wieder aufstehen...
      liebe grüsse, roswitha

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  5. Versuche nach... dem Zitate von Mahatma Gandhi:

    "Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünschst für diese Welt."

    und den Worten meiner Großmama, in meinem Poesie - Album:

    GLAUBE - LIEBE - HOFFNUNG

    zu leben 🙏

    Herzlichsten Gruß 🌾🌹👩‍❤️‍👩 lb Roswitha von Annette 🙋‍♀️

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    1. auch wenn wir nicht ans ideal herankommen lohnt es doch, immer wieder es anzustreben, gandhi hatte recht. herzlichen gruß, roswitha

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  6. Hoffnung ist der Glaube an eine Zukunft und ich pflege dieses Pflänzchen redlich - und doch besucht mich nicht selten der Zugang zum Zweifel.

    Insgesamt sehe ich auch den Nutzen der Möglichkeiten, sich zu vernetzen und für eine neue Welt gemeinsame Sache zu machen.
    Kinder sind unsere Zukunft und sie in die Welt zu begleiten, ihre staunenden Augen und ihre klugen Fragen zu hören, habe ich immer als eine wunderbare Aufgabe gefühlt und angenommen. Zunehmend hat sich in die Erfüllung dieser Aufgabe aber auch eine tiefe Erschöpfung geschlichen.
    Und die alten Machtprogramme, die gerade in "Erziehungsfragen" noch immer arbeiten, sie werden weiterhin fleißig befeuert.

    Ich bemühe mich stets um eine optimistische Einstellung, diese wird allerdings oft von der Realität überholt. Trotzdem, die Hoffnung stirbt zuletzt ...

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    1. kennst du die angst um diese kinder, die oft mit unnützen wissen sprachlos gemacht werden und das staunen verlernen? ich glaube, nur außerhalb der lehrpläne kann es das geben, was wir uns für die kinder erhoffen. um kluge fragen stellen zu können, brauchen kinder freiheit. die alten machtprogramme hat schon pippi langstrumpf lächerlich gemacht. beachten wir sie nicht mehr und sehen unsere aufgabe darin, den kindern mut zu sich selbst zu machen.
      ich versuche den kindern erlebnisse zu bieten, selbstwirksamkeit durch tun, malen, backen, basteln...
      und das hilft auch uns, nicht müde zu werden. aber ich bin rentnerin und habe es da einfach. herzlichen gruß, roswitha

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    2. Diese Sorge um Kinder ist eine, die sich bei jenen auftut, die den alten Machtsystemen nicht mehr dienen wollen. Weil sie den Schaden für die Kinder erkennen, aber auch längst an sich selbst. Diese Systeme müssen allerdings erst einmal durchschaut werden ... Wir finden sie überall - nämlich nicht nur in der Politik mit ihren kränkenden Auswirkungen auf die Gesellschaft, sondern vor allem auch in Elternhäusern und in institutionalisierten Religionen.

      Es wurde lange, viel zu lange daran festgehalten, dass Kinder nur durch Frontalunterricht lernen. Ein fataler Gedanke! Kinder lernen soviel durch die eigene Schöpferkraft, die sie ihre Selbstwirksamkeit erfahren lässt, genau so, wie Du es beschreibst!
      Liebe Grüße!

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  7. "Heiter, freundlich, souverän das Leben genießen" .... wenn das alle täten, bräuchte es nichts anderes, vermute ich. Denn so eine Lebenshaltung schließt ziemlich viel Negatives quasi automatisch aus. :) Liebe Grüße, Andrea

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    1. ja, wenn das alle täten, aber das klappt ja so nicht, weil wir keine automaten sind. und dann ist ja um uns auch manches, was sich reindrängt. aber deshalb aufgeben und die blöden gewinnen lassen, die rechner, die besserwisser? nein, wir behaupten unseren platz und versuchen trotz alledem immer neu. lieben gruß, roswitha

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  8. Das Zitat von Christa Wolf zu Paul Parin und vor allem die Formulierung des "fröhlichen Anarchisten" mag ich so sehr! Wie schön, dass es hier mal wieder auftaucht. Herzliche Grüße!

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die welt sichbar bunter machen

Auszüge aus: Sibylle Berg, Wie halte ich das nur alles aus?, dtv, tb 2015, Seite 13- 15  "... dieses Gefühl, Veränderungen bewirken zu ...