Dienstag, 14. Februar 2023

konflikte und lösungen


 frühlingsblüten, die sonne ist so erfreulich oft da 

 "Alles, was man nicht wahrhaben will und verdrängt, jeder Konflikt, der geleugnet und nicht offen angesprochen wird - in einer Kultur ebenso wie im Leben jedes Einzelnen - sucht sich ein Ventil und kehrt sich schließlich in teuflischer Verkleidung gegen das Leben, gewaltsam und vernichtend."

         Connie Palmen, 1955, niederländische Autorin,  aus 'Du sagst es'  

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frühere generationen schwiegen noch mehr über persönliche dinge, denke ich. oder hatten zumindestens die frauen untereinander verständnis für die sorgen ihrer geschlechtsgenossinen? ich vergesse nie, wie ich als fünfzehnjährige zufällig bei einem gespräch meiner mutter mit einer nachbarin zuhörte. die beiden tuschelten über die bedürfnisse der ehemänner. die nachbarin erzählte, "ihrer" wäre letzte nacht wieder angekommen, da könne man nichts machen, der brauche das, ihr sei es lästig.

meine empörung war so groß, dass ich jede zurückhaltung vergaß und dieser frau sagte, sie sei ja dann wie eine nutte, die nur für ihr leben mit haus und kindern ihren mann zu sich ließe. es gab einen bösen disput, ich mit meiner moralischen empörung und zwei frauen um die vierzig, die sagten, ich dürfe zu sowas garnichts sagen, ich sei vorlaut. diesen streit habe ich nie vergessen. ich glaube, jugendliche neigen eher dazu, rigoros klarheit einzufordern. wir menschen verletzten einander, kein gefühl kann einfach unterdrückt werden und ist dann verschwunden.

in der katholischen kirche wurde uns erzählt, durch sublimation (nach s. freud) könnten wir unerwünschte triebe überwinden. eugen drewermann sprach schon vor über vierzig jahren davon, dass dies nicht ohne schaden einfach geht, er mahnte seine kirche vergeblich.     
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- dann fand ich im netz noch einen spannenden vortrag: 

https://www.youtube.com/watch?v=EPusBDzUDog

10 Kommentare:

  1. Den Vortrag habe ich nicht gehört, aber mir ist als Jugendliche mal eine ähnliche Sache passiert. Meine recht prüde Mutter und ihre noch prüdere Schwester, beide erzkatholisch, regten sich über die Schwester meines Vaters auf, die als Kriegerwitwe ALLEIN vier Kinder groß gezogen hat - und sich jetzt u.a. auch mit jüngeren Männer voller Lust und Freude abgab. Ich verteidigte sie vehement und griff damit natürlich unbewusst die beiden Schwestern an. - Meine Mutter wurde mit 31 Jahren Witwe - und ich kann mich partout nicht erinnern, dass es noch je einen Mann nach meinem Vater gegeben hat. - Das habe ich wahrhaftig nicht von ihr geerbt.
    Lieben Gruß von Clara, da ich ja hier immer nur als Anonyma aufgeführt werde

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  2. Den Vortrag habe ich mir abgespeichert. Ich muss ja im Rahmen meiner Hörtherapie 90 Minuten Sprach-CDs hören, da kann ich ja heute Abend damit anfangen.
    Clara grüßt

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    1. liebe clara, danke für deine erinnerungen, wir waren wohl auch als judendliche schon widerständig, gut so. herzlichen gruß, roswitha (ich weiß nicht, warum du anonym posten muß, geht mir bei einigen auch so)

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  3. Ja,
    liebe Roswitha,
    Kinder und Jugendliche können offen, klar und unmissverständlich ausdrücken, was sie denken:
    Und das ist nicht immer angenehm für das Umfeld, aber gut so!
    Den Gedanken von Connie Palmen habe ich ebenfalls aufgeschrieben in einem meiner Bücher. So gut, so treffend fand ich ihn.
    Hab einen schönen Tag - lieben Gruss
    Hausfrau Hanna

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    1. connie palmem ist eine sehr lesenswerte schriftstellerin, leiner etwas vergessen. lieben gruß, roswitha

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  4. Der Schmotzige Donnerstag ist am 16. Februar 2023.
    Mit ihm beginnt in der schwäbisch-alemannischen Fastnacht die eigentliche Fastnachtszeit.

    ... wenn es doch nur so einfach wäre, die bösen Geister - all über all - zu vertreiben 🎭

    Herzlichen Gruß 👩‍❤️‍👩
    von Annette 😞 seufz 🙏

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    1. böse geister gilt es immer zu vertreiben, nicht nur fastnacht. liebe annette, hab eine gute zeit, herzlichen gruß roswitha

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  5. Liebe Roswitha,
    gestern hatte ich technische Schwierigkeiten, meinen Kommentar hier zu posten, also ein erneuter Versuch meinerseits :-)
    Das Eingangszitat, das mir sehr gefällt, erinnert mich an Worte des von mir sehr geschätzten Regisseurs, Michael Haneke:
    „Ich sage immer: Was unter den Teppich gekehrt wird, wird den Teppich irgendwann in Bewegung setzen.
    Wir leben alle mit Schuldgefühlen. Man kann gar nicht anders, denn es scheint die ‚condition humaine‘ zu sein. Man wird immer, willentlich oder unwillentlich, schuldig an anderen. Schuld ist immer dort, wo Leid entsteht. Wir können nicht schuldfrei leben, als Teil einer Gemeinschaft und eines Systems wird man zwangsläufig schuldig. Die Frage ist nur, wie wir damit umgehen. Meistens drücken wir uns.“
    Das Wort "Schuld" finde ich in spiritueller Hinsicht wenig angebracht, es wird mir viel zu oft von einer grausam und doppelmoralisierend agierenden Kath. Kirche eingesetzt - da möchte ich lieber das Wort "Verantwortung" wählen. Aber in den Gedanken Hanekes kann ich damit umgehen.

    Auch ich weiß mich als Jugendliche wort- und lautstark - damals habe ich mich nicht immer rechtzeitig daran erinnert, noch relativ wenig von der Welt gesehen zu haben.
    Ich bin der Meinung, es ist gut, dass wir heute auf mehr Lebenserfahrung zurückblicken dürfen. Und so ist es uns auch verständlich, dass es in der Gegenwart bei vielen Männern angekommen ist, dass Frauen nicht immer bereitstehen müssen, aus welchen Gründen auch immer. Es ist offensichtlich nötig, selbst für den noch so privaten Raum eines Menschen Gesetze zu erlassen, Gesetze, die das männliche Ignorieren eines weiblichen Nein! beantworten. Die Frauenhäuser sind voll von Frauen und Kindern, ich konnte über einige Jahre meiner Mitarbeit in ihre angsterfüllten Augen blicken. Eine Frau muss ihrem Mann gegenüber nicht immer bereit sein und schon gar nicht, wenn er keine Wertschätzung kennt. Und gerade die Katholische Kirche ist voll der Geschichten über Gewalt an Frauen und Kindern. Dazu habe ich schon viel zu viel gelesen und vieles, was meine Empörung entfacht, auch festgehalten.

    In der Tat hat sich Freud in so manchem geirrt, gerade auch in Hinblick auf weibliche Sexualität - seine Behandlungsmethoden waren erschreckend und wir wissen die Beschneidung der weiblichen Genitalien heute auch als das einzuordnen, was sie sind: ein grausames Verbrechen!

    Da wende ich mich viel lieber den klugen Gedanken eines Gerald Hüther zu, danke fürs Einstellen des Links!
    Liebe Grüße, C Stern

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  6. liebe/-r c stern, danke für deine ausführliche erklärung, der ich voll zustimme. aber ich möchte nicht verhehlen, dass mein engagement fürs frauenhaus auch mit sich brachte, dass ich zunehmend manche frauen nicht mehr verstand, weil sie zu ihren männern zurück gingen, und durch ihr reden auch andere frauen gefährdeten. ich glaube, ich bin ungeduldiger(härter) geworden. ich habe mein engagement beendet, bin einfach vereinsmitglied. ich denke, veränderung muss früher beginnen, im kindergarten spätestens. herzlichen gruß, roswitha

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    1. ... definitiv eine Ungeduld, die wir gemeinsam haben: Auch ich habe nie verstanden, wenn Frauen "rückfällig" wurden. Ebenfalls einer mehrerer Gründe, warum ich mich zurückgezogen habe ...
      Veränderung muss im Kleinkinderalter beginnen - und vor allem braucht es auch keine Spielzeugwaffen. Krieg ist kein Spiel ... Kinder müssen ohne Waffen aufwachsen! Herzliche Grüße, C Stern

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