Freitag, 18. Februar 2022

ständig erreichbar, sprachlos

 


"Als in der Bahn ein Mann anfängt, mit seinem Revers zu telefonieren, wechsele ich das Abteil. Mit der Vermehrung der Telefone sind die Entfernungen größer geworden, oder besser, die Menschen bringen viel mehr Zeit bei den Entfernten, Abwesenden zu. "                                                                                roger willemsen, deutschlandreise, fischer tb2016

manchmal begegnen mir menschen die reden ohne das sie jemand begleitet. es dauerte eine zeit bis ich sah, sie redeten in ihr telefon, das sie unsichtbar dabei hatten. bei treffen stört mich inzwischen der wiederholte blick aufs handy. er zeigt mir doch eigentlich, dass die person nicht ganz da ist, ihre gedanken sind woanders. es gibt sicher gewichtige gründe zur ständigen erreichbarkeit. aber wenn es so wichtig ist, dass man keine stunde beim kaffee sitzen kann, dann sollte darüber geredet werden oder das treffen abgesagt werden.
muss die umgebung mit den detailierten beschreibungen persönlicher tatsachen belästig werden, die das gespräch am tisch unterbrechen? im zug hörte ich schon lange gespräche mit dem jobcenter und anschließend die beschwerde über diesen gesprächsverlauf bei einer freundin(irgendwo in deutschland, aber nicht in der stadt der telefonierenden).

können es sich immer weniger menschen leisten, für eine kurze zeit unerreichbar zu sein? 
können wir menschen gesprächsbedarf nicht mehr aufschieben, weil es handys gibt? 
sind die beziehung durch diese kontakte näher geworden? 

ich trage meine impfbescheinigungen als ausdruck bei mir, da ich das smartphone nicht immer mitnehmen will. wenn ich die zettel vorzeige fragt fast jede/-er nach dem handy. warum erwägen manche stellen, noch mehr daten(krankenkasse?) auf dieses gerät zu laden? wird es bestandteil unserer ausweise? 
zum fotografieren habe ich übrigens eine kleine camera.

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gelesen habe ich: Über Menschen, Juli Zeh, Luchterhand - ein roman, der mich sehr interessierte, da er in der corona- gegenwart spielt. vielleicht bin ich zu alt für das buch, denn die für mich manchmal  konfus agierenden personen machten mich ungeduldig. ich bin froh das buch gelesen zu haben, besonders der umgang mit andersdenkenden(rechten) hat mich berührt und nachdenklich gemacht. 
die abwägungen stadt- oder landleben, mit den vorteilen der jeweiligen wohnumgebung überzeugten mich nicht. 

und immer wieder roger willemsen, bald habe ich leider alles von ihm gelesen. 

6 Kommentare:

  1. Da falle ich,
    liebe Roswitha,
    auch immer wieder drauf rein, wenn ich Menschen vorbeigehen sehe, die scheinbar 'mit sich selbst reden'...
    Diese dauernde Erreichbarkeit ist wahrscheinlich mit einigem Stress verbunden.
    Deine Frage, ob die Beziehungen durch diese Kontakte näher geworden sind, kann ich nicht schlüssig beantworten.
    Aber das Smartphone immer wieder zur Seite legen oder zu Hause zu lassen, das kann ich!

    Lieben Gruss in den Freitag
    Hausfrau Hanna

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    1. schön das wir ohne ständige erreichbarkeit leben können, konnten ja auch lange üben. lieben gruss, roswitha

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  2. Du wurdest in einer Welt geboren, in der Kinder ein Smartphone bedienen, bevor sie sprechen können.

    You were born in a world where kids use smartphones before they talk.

    Sexify, Staffel 1 Episode 1 - Gefunden auf: https://www.myzitate.de/smartphones/

    Bin ich froh, ohne Handy 📱 und mit Festnetz, Wählscheibe, Münzsprechern u.s.w. großgeworden zu sein 📞
    Mein erstes Fahrrad bekam ich mit 13... 🚲 ein absolutes Highlight in meiner Jugend 🙏

    Herzlichen Freitags- und WE - Gruß von Annette 🌱🌼🥰🙋‍♀️

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    1. ich bekam gar kein fahrrad, nur rollschuhe und gleitschuhe im winter. aber alles ist nicht mehr wichtig, lesen konnte ich immer. liebe grüsse in die lette februarwoche für dich, liebe annette, roswitha

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  3. Ja, so langsam fallen wir, die Ohne-Smartphone-Generation, aus dem gesellschaftlichen Rahmen. :--)
    Das gilt es zu akzeptieren.
    Mir fällt es aber auch zunehmend schwerer, irgendwie mitzuhalten mit dieser durchdigitalisierten Welt.
    Mit einem Seufzer und lieben Grüssen,
    Brigitte

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    1. es gibt schaufenster, in denen stehen dinge zum kauf, deren sinn ich nicht kenne. und hier sammeln sich kabel und beschreibungen, die ich nicht nutzen kann. aber egal- für meinen gebrauch reicht was ich habe und kenne, gruss roswitha

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