Dienstag, 13. Dezember 2022

erinnerung 2021, weihnachtsfrieden

                                                                                  

Groß-Stadt-Weihnachten

Nun senkt sich wieder auf die heim'schen Fluren
die Weihenacht! die Weihenacht!
Was die Mamas bepackt nach Hause fuhren,
wir kriegens jetzo freundlich dargebracht.

Der Asphalt glitscht. Kann Emil das gebrauchen?
Die Braut kramt schämig in dem Portemonnaie.
Sie schenkt ihm, teils zum Schmuck und teils zum Rauchen,
den Aschenbecher aus Emalch glase.

Das Christkind kommt! Wir jungen Leute lauschen
auf einen stillen heiligen Grammophon.
Das Christkind kommt und ist bereit zu tauschen
den Schlips, die Puppe und das Lexikohn.

Und sitzt der wackre Bürger bei den Seinen,
voll Karpfen, still im Stuhl, um halber zehn,
dann ist er mit sich selbst zufrieden und im reinen:
"Ach ja, son Christfest is doch ooch janz scheen!"

Und frohgelaunt spricht er vom 'Weihnachtswetter',
mag es nun regnen oder mag es schnein.
Jovial und schmauchend liest er seine Morgenblätter,
die trächtig sind von süßen Plauderein.

So trifft denn nur auf eitel Gück hienieden
in dieser Residenz Christkindleins Flug?
Mein Gott, sie mimen eben Weihnachtsfrieden ...
"Wir spielen alle. Wer es weiß, ist klug."

Kurt Tucholsky

ich überlege mir, wie ich zum weihnachtsfrieden beitragen kann. er kommt ja von allen und auch unser denken und handeln strahlt aus. ein gutes essen kochen und mit menschen gemeinsam essen ist ein guter schritt für frieden. gläubige menschen können beten, ungläubige könnten es auch versuchen. mir tut leid, dass ich an den erfolg nicht mehr glauben kann. aber was bleibt noch? 
ich schaue unsere krippe an, handgeschnitzt von einem gläubigen mann, und denke an die vielen krippen überall in der welt. an die kinder, die staunend davorstehen, an die hoffnungen der menschen. es liegt in menschenhand, dieses: friede auf erden.

https://www.youtube.com/watch?v=1q-Ga3myTP4





 

10 Kommentare:

  1. Da hast Du ein feines Lied für uns gepostet! Ich habe es bereits einmal in einem Blog gefunden - es scheint Menschen wichtig zu sein, was mich sehr freut!

    "Bevor du dich daran machst, die Welt zu verbessern, gehe dreimal durch dein eigenes Haus." Was kann mein eigener Beitrag sein? Auch ich stelle mir die Frage, und komme immer mehr zur Erkenntnis, dass Menschen viel mehr Selbstverantwortung für ihr eigenes Handeln übernehmen müssen. Nicht immer auf den Nachbarn schau'n, was es über ihn zu klagen gibt!
    Den Erfolg von Gebeten erlebe ich sehr unterschiedlich. Gerade heuer haben sie in meinem eigenen Leben gefruchtet - darüber hinaus fühle ich mich hilflos, die Medien müssen immer mehr in den Hintergrund treten, die Schreckensszenarien sind zuviel für mich.
    Ja, der Friede liegt in Menschenhand! Sehr spannend fand ich auch den Hinweis auf Tischformen im letzten Beitrag! Wir sollten für viel mehr runde Tische sorgen ... Ein Auftrag an die Tischler und Möbelhäuser!
    Herzliche Grüße, C Stern

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    1. danke für diesen kommentar, machen wir weiter, schritt für schritt für schritt, herzlichen gruß, roswitha

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  2. Wie schön. Dieses lehrhafte Gedicht wird in meiner Advents-Sammlung von Tucholsky-Texten auch noch auftauchen. :--)
    Ob Spiel oder doch Ernst: Wir möchten ja alle, dass ein friedliches, menschenwürdiges Leben für alle möglich wird. Und da zählt jede noch so kleine Anstrengung.
    Einen lieben Gruss,
    Brigitte

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    1. liebe brigitte, ich wollte dir nicht vorgreifen, aber es lesen bei dir ja auch andere menschen. deine idee mit tucholsky gefällt mir sehr, hat er mich doch viele jahre begleitet. ich mag seinen humor wie seine leise melancholie und den klaren blick auf vieles. hab es gut, lieben gruß, roswitha

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  3. Von guten Mächten wunderbar geborgen


    Von guten Mächten treu und still umgeben,
    behütet und getröstet wunderbar,
    so will ich diese Tage mit euch leben
    und mit euch gehen in ein neues Jahr.

    Noch will das alte unsre Herzen quälen,
    noch drückt uns böser Tage schwere Last.
    Ach Herr, gib unsern aufgeschreckten Seelen
    das Heil, für das du uns geschaffen hast.

    Und reichst du uns den schweren Kelch, den bittern
    des Leids, gefüllt bis an den höchsten Rand,
    so nehmen wir ihn dankbar ohne Zittern
    aus deiner guten und geliebten Hand.

    Doch willst du uns noch einmal Freude schenken
    an dieser Welt und ihrer Sonne Glanz,
    dann wolln wir des Vergangenen gedenken,
    und dann gehört dir unser Leben ganz.

    Lass warm und hell die Kerzen heute flammen,
    die du in unsre Dunkelheit gebracht,
    führ, wenn es sein kann, wieder uns zusammen.
    Wir wissen es, dein Licht scheint in der Nacht.

    Wenn sich die Stille nun tief um uns breitet,
    so lass uns hören jenen vollen Klang
    der Welt, die unsichtbar sich um uns weitet,
    all deiner Kinder hohen Lobgesang.

    Von guten Mächten wunderbar geborgen,
    erwarten wir getrost, was kommen mag.
    Gott ist bei uns am Abend und am Morgen
    und ganz gewiss an jedem neuen Tag.

    Dietrich Bonhoeffer
    (1906-1945)

    Liebe Roswitha 👩‍❤️‍👩

    DANKE für den Beitrag 🙏

    ACH,
    wenn doch alle Menschen den Sinn des Weihnachtsfestes begreifen und leben würden... seufz 🙏

    FRIEDEN AUF ERDEN UND DEN MENSCHEN EIN WOHLGEFALLEN... herzlichen Gruß von Annette 🙋‍♀️

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    1. liebe annette, danke für deinen friedensaufruf, kann nie zuviel werden. herzlichen gruß, roswitha

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  4. Respekt/Achtung
    liebe Roswitha,
    Freundlichkeit und Zugewandtsein - das ist das, was ich versuche...
    Immer wieder. Und immer wieder aufs Neue.

    Danke für das Lied von Reinhard Mey, der am 21.Dezember seinen 80.Geburtstag feiern kann: Einer meiner Lebensbegleiter (zusammen mit Astrid Lindgren) :)

    Lieben Gruss in den Abend
    Hausfrau Hanna

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    1. liebe hausfrau hanna, so feiern wir etwas mit reinhard geburtstag und freuen uns auf weihnachten. und hoffenh auch immer neu, lieben gruß, roswitha

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  5. "Mein Gott, sie MIMEN eben Weihnachtsfrieden ...
    "Wir spielen alle. Wer es weiß, ist klug."
    Hat Tucholsky gewusst, dass viele Menschen eben nur Frieden zur Weihnachtszeit spielen, in Wirklichkeit sieht es doch schon in vielen Familien sehr zerstritten aus, geschweige unter den Völkern der Welt. Mit dieser so weit geöffneten Schere zwischen arm und reich wird es kein Glück für alle geben, noch nicht erst mal im eigenen Land kehrt dieses Glück bei allen ein.
    Lieben Gruß zu dir, Roswitha, von Clara

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    1. liebe lara, noch nicht mal in uns selbst ist immer frieden, ich glaube, es ist ein anzustrebener zustand, der immer neu erarbeitet werden muss. gehen wir achtsam mit anderen und uns um, seien wir freundlich, so ist schon mal ein schritt getan. herzlichen gruß, roswitha

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