Sonntag, 27. September 2026

Spiegelungen


 im städtchen gibt es immer wieder überraschene blickwinkel auf gewohnte gebäude. es gibt spiegelungen, die das bekannte fremd scheinen lassen. daneben kommt es auch auf meine stimmung an was ich sehe. wenn ich neugierig um mich schaue entdecke ich mehr, als wenn ich mit gesenktem haupt schnell  besorgungen erledigen will. warum eigentlich schnell - ich bin rentnerin und fußkrank, brauche nicht zu eilen. 

 
- da gibt es ein rätselfoto mit fotografin, denkt euch selbst eine geschichte dazu.
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ich las viel in den letzten wochen, ein buch hat mich sehr bewegt: 
Vera Zischke, Pina fällt aus, ein Roman über eine alleinerziehende Mutter mit behinderten Sohn, der sie und die alle Mitbewohner des Hauses fordert und zusammenbringt. Ein modernes Märchen? Zu lernen gibt es vieles...
 
Doris Knecht, Gruber geht, rororo,  - ein Buch, das ich eigentlich nicht gekauft hätte wenn ich mich besser informiert hätte. Dieser Typ Mann, der Gruber, ist mir sehr unsympathisch. Er ändert sich, und meine Sicht auf das Buch auch. Außerdem ist das Buch mit Humor geschrieben.
 
Lydia Meyer, Die Zukunft ist nicht binär, rororo - eine kluge Recherche über Geschlechterrollen, gut zu lesen, weckt aber Gesprächsbedarf und Widerspruch, muß/will ich noch darüber nachdenken.   
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Es gibt viele Arten von Spiegelungen, so hilft ein neben dem Unterarm aufgestellter Spiegel einer verletzten anderen Hand beim neuen Erlernen von Bewegungen. Oder in der Kommunikation kann es sein, das sich zwei Menschen unbewußt in ihren Bewegungen spiegeln. 
Was spiegelt mein Verhalten wider? Was meine Überzeugungen?  
 

                                           

Sonntag, 20. September 2026

konstruktive beobachtung

Die Bienen arbeiten sich durch eine Quitte. Wie clevere Tunnelbauer lassen sie Stützstrukturen, die die Frucht in Form hält, während sie sich immer weiter nach innen arbeiten.(Bild + Text: enkel jan)

ich staune über diese beobachtung und das foto, freue mich, etwas gelernt zu haben. beobachtungen und staunen gibt es überall. mir waren die quitten noch zu hart zur verarbeitung, und diese ließ ich einfach für tiere liegen. ich wußte nicht, dass daraus ein filigranes gebilde wird, das vielleicht später unseren honig schmackhaft bereichert.

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Ein Grashalm sagte


Ein Grashalm sagte zu einem Blatt im Herbst: „Du machst solchen
Lärm, wenn Du fällst! Du störst meine Winterträume."
Das Blatt antwortete ungehalten: „Du bist von niedriger Herkunft und
hast dich nie über deine Niedrigkeit erhoben, griesgrämiges, stummes
Ding. Du lebst nicht in den höheren Sphären und hast von Musik keine Ahnung."

Dann legte sich das Blatt auf die Erde und schlief ein.
Als der Frühling kam, erwachte es wieder- und war ein Grashalm.
Als es Herbst wurde, die Zeit für den Winterschlaf nahte und in den Lüften die Blätter fielen, murmelte es: „O diese Blätter im Herbst!
Sie machen so einen Lärm! Sie stören meine Winterträume."

Kahlil Gibran (1883-1931)

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ihr seid alle informiert, ich schaue heute und morgen woanders hin, lasse die aufregung über die wahlen erstmal sortieren. alle haben ein recht auf ein leben in einer bezahlbaren wohnung, auf arbeit und teilhabe, um die eigene wirksamkeit zu spüren. es kann nicht gut sein, vom gemeinsamen boot zu reden, in dem wir alle sitzen, und nur wenige geben die richtung an. die vielen müssen rudern, während wenige sich umschauen. es darf nicht sein, dass von zu schützenden mitmenschen geredet wird(alte, kinder, kranke...) und deren existensgrundlagen beschnitten werden. sollen sie ohne hilfe, ohne zähne und brillen, ohne heizung leben? 



Montag, 14. September 2026

selbstversorgung und suche


lebenskrisen können wichtige anreize zur veränderung anstossen. bücher können die erinnerungen an eine teilweise vergessene vergangenheit wachrufen. es war sehr beruhigend zu erinnern, was ich und wir schon alles hinter uns gebracht haben. 
ich las in dem wunderbaren buch der jungen anna katherina scheidemantel: Statt aus dem Fenster zu schauen, Pola- Verlag 2025.
eine zielstrebige junge frau regt sich auf, weil ständig nach ihren späteren vorhaben nach abschluß des studiums gefragt wird. sie möchte die gegenwart gewürdigt wissen, über die frustierende arbeit am PC in praktikas reden. sophie glaubt fest an ein leben neben den exceltabellen. impulsiv kauft sie für einen spottbetrag ein verfallenes haus in der ostdeutschen provinz, packt ihren rucksack und fährt mit regiobahn und fahrrad aus süddeutschland ganz nach norden.
lernt beim arbeiten, dass auch youtube- videos nicht alle arbeiten einfacher machen. die tage in einem zunächst fast leeren haus ohne strom lernt sie auszuhalten und auszufüllen. ein buch über den mut, in sich zu hören und sich zu finden, an sich zu glauben.
 
ihr hätte meine "bibel" der siebziger jahre: "Das Buch vom Leben auf dem Lande" von John Seymour helfen können. mein mann und ich waren in einer zwischenzeit auch auf der suche, wie wir leben wollten.  unsere beiden kinder waren schüler-/in und wollten gerne ein tier. wir mieteten ein haus mit 4000 qm grünfläche außerhalb von heidelberg. die selbstversorgung begann mit gemüse, hühnern und ziegenmilch-/käse, ja, wir kauften eine trächtige ziege und hühner.
 
ich werde von jener kurzen zeit vor fast 50 jahren erzählen. ich schlief vergangene nacht tief und fest, voller schöner und lustiger erinnerungen, staunend, was ich schon alles erlebt habe. 

 

Freitag, 11. September 2026

ohne obdach, ungeschützt

                                                              Kunstpark Seckach
 

 heute ist gedenktag gegen die obdachlosigkeit. im tv berichteten sie von erschreckend hohen zahlen von menschen, die ohne wohnung leben. und im nachsatz, in wirklichkeit seien es wohl doppelt so viele menschen. meine erfahrungen mit obdachlosigkeit sind alle aus städtischen umgebungen. in der kleinstadt fällt ein mensch sofort auf, oder garnicht. die übernachtungsmöglichkeiten sind vorhanden und werden auch gelegentlich genutzt, es gibt auch einige menschen, die fremde zu sich einladen zur übernachtung.

einen mann lernte ich kennen, der durch scheidung und die daraus folgenden geldstreitigkeiten sein selbst erbautes haus verlor und einen berg schulden behielt. es kam zu pfändungen und er ging nicht mehr arbeiten. ehemals hatte er bei der DB eine unkündbare stelle. ein anderer junger mann war in einer einrichtung und hatte schwierigkeiten mit den harten regiment des kirchlichen betreuers. eines tages verschwand er kommentarlos mit gleichaltrigen mitzwanzigern. sie wohnten, wo es sich ergab, bettelten auf der straße, das reichte für nahrung und zigarettentabak. wenn garnichts ging, gab es einen obulus im pfarrhaus oder von der stadt. lukrativ fand er auch den verkauf der obdachlosenzeitung. schwieriger war es nach seiner meinung, wenn man nicht gut mit anderen reden könne, oder depressiv sei. auch psychisch kranke menschen verlieren ohne wohnung jeden halt.    

beide männer schafften den absprung, andere leider nicht. das elend der frauen ist meist noch schwerer. meine erfahrung lehrte mich, dass dies manchmal sehr schnell gehen kann. niemanden, der eine drohende obdachlosigkeit für möglich hält, ein bezahlter mensch, der seine arbeit nicht verantwortungsvoll wahrnimmt. 

weder herkunft noch bildung schützen vor obdachlosigkeit, aber emphatische mit-menschen. und eine wohnungsbaupolitik, die auch bezahlbare wohnung fördert.

 

 

Freitag, 4. September 2026

versuch eines kleingartens


Es reicht eine Ecke an der Haustüre und einige Sempervivum, Hauswurz. Der botanische Name der Gattung leitet sich von den lateinischen Worten semper für ‚immer‘ und vivus für ‚lebend‘ ab. Der deutsche Trivialname Hauswurz hat seinen Ursprung im althochdeutschen Begriff Wurz, der damals für "Wurzel" oder "Pflanze" verwendet wurde. 

Dieser Hauswurz hat in nur wenig Erde auf einem flachen Tonteller den hitzigen Sommer überlebt. Nur das Blühen hat er dabei eingespart, ihm war nicht danach. Vielleicht träumt er in mondhellen Nächten davon, und von dem Besuch, den er mit Blüten bekäme. Mich freut er seit drei Jahren als Contrapunkt zum üppigen Blühen im Vorgarten.

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Ich fand ein Zitat von Heinrich von Kleist:

"Ach, ich trage mein Herz mit mir herum wie ein nördliches Land den Keim einer Südfrucht."

Gefunden habe ich es in einem reich bebilderten Lyrikband:

Ignatien, Elegien am Rande des Nervenzusammenbruches, Gedichte von Gerhard Falkner, Filmstills Yyes Netzhammer, DZA Druckerei zu Altenburg GmbH, vom Verlag für moderne Kunst Nürnberg(www.vfmk.de), Gedichte englisch übersetzt von Ann Cotton, wunderbare Bilder zu ebensolchen Texten, sehr hochwertig hergestellt.  

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dieses buch ist mir anregung und trost, bereitet mir freude. ich fühle es gern an, nie könnte ein e-book mir diese wertigkeit vermitteln. trost benötige ich ob der vielen trostlosen nachrichten, die mich mit großer hilflosigkeit zurücklassen, obwohl ich weniger höre und sehe. ich bin immer wieder auf der suche nach aufbauenden büchern. 

 

ACHTUNG: ich kann eure kommentare auf meinem blog nicht mehr kommentieren, was ist das??? 

  

 

An die Sonne

                                                         Foto: Uli Boll, Manderscheid   Heute ist der Todestag von Ingeborg Bachmann, am 17....