Freitag, 26. Juni 2026

der sommer gibt auch bücher

Foto: Stadtpark, Nina 
 
ich fühle mich einem grottenolm ähnlich, obwohl ich nie einer war: in abgedunkeltem zimmer gehe ich umeinander, bin müde vom schlaflosen liegen im bett, die augen brennen und ich suche jeden tropfen wasser.
aber warum auch nicht? sonst geht es mir und uns ja gut, ich kann schreiben und lesen und radio und TV nutzen. ich suche mir heute einmal die gründe zusammen, weshalb ich meine dankbarkeit trainieren sollte. unsere enkelin brachte uns eis, mein mann brachte mir matjes- so gibt es heute matjessalat mit pellkartoffeln(von gestern), rote bete und äpfeln. 
außerdem habe ich eine neues buch von mely kiyak gekauft: Gute Momente - ich liebe ihre beobachtungen. im klappentext steht: "Gute Momente sind eine fabelhafte Hymne auf den Alltag und ein großes Lob der Menschlichkeit."  
 
ich empfinde es als großes, unerwartetes geschenk meines alters, dass ich mir einfach so ein buch kaufen kann. das erste selbstgekaufte buch erarbeitete ich mit vierzehn jahren, indem ich in der spülküche einer gaststätte über die kirmes geld verdiente. immer die große sehnsucht nach büchern, die mir neue welten öffneten. 

 

Montag, 22. Juni 2026

winterbild zum abkühlen

so sah es auch mal auf unserer terrasse aus, schneepolster und erfrischung gab es bis zur haustüre geliefert. wir tun gut daran, unsere machtlosigkeit beim wetter zu erkennen, einzig langfristig ist eine abkehr von zuviel hitze möglich. leider haben wir versäumt, die richtigen menschen für dieses ziel zu wählen.

der alte spruch: kommt zeit, kommt rat - er fordert uns ganz schön. und wenn unsere fachfrau für heizungen/ energie nicht für vorräte sorgt, dann können wir im winter vielleicht auch das gegenteil der hitze erfahren.

                                             -----------------------------

S.102      "Alles, was man nicht wahrhaben will und verdrängt, jeder Konflikt, der geleugnet und nicht offen angesprochen wird - in einer Kultur ebenso wie im Leben jedes Einzelnen - sucht sich ein Ventil und kehrt sich schließlich in teuflischer Verkleidung gegen das Leben, gewaltsam und vernichtend."

Connie Palmen, 1955, niederländische Autorin,
aus 'Du sagst es'


 

Mittwoch, 17. Juni 2026

ACHTHUNDERTFÜNFZIG

dies ist mein achthundertfünfzigster blogeintrag, kinder wie die zeit vergeht, hätte meine oma gesagt. und das ohne besondere kenntnisse der technik. ich weiß vieles nicht, z.b. wie ein anderer blog verlinkt wird, wie ein video eingebunden wird, oder auch meine gestaltungsmöglichkeiten. hier ist niemand, der mir etwas zeigt, enkel und freunde/-innen schauen keine blogs, oft nicht mal meinen.

trotzdem macht mir das schreiben freude, beschäftigt meine gedanken über den alltag hinaus. dieser ist wahrhaftig nicht einfach, aber es ist meiner, und ich nehme die herausforderungen meist an. immer wieder bin ich erstaunt, wenn ich etwas erlebtes erzähle und beim nachdenken feststelle: oh gott, das ist ja schon vierzig oder fünfzig jahre her. für mich ist es wie gestern, dazu kommen aber immer neue dinge im alltag, die es damals nicht gab. in der politik gibt es eindeutig einen rückschritt bei vielem. der freiheitsgedanke war schon einmal weiter, inzwischen hat oft die wirtschaftsmacht oder ein taktieren um vorherrschaft bei gremien und parteien zugenommen. das schränkt die spielräume der handelnden ein, ich freue mich über alle, die noch mut haben und weiter denken. oft schrieb ich, dass wir utopien brauchen, um ziele zu finden. 

so wünsche ich zum wiederholten mal änderungen, sehne mich nach der aufbruchstimmung der späten sechziger jahre. damals hatte ich auch zuversicht, dass eine gerechtere welt möglich sei.

                                               -------------------------------------

Wahrscheinlich hat der Geist jedes Menschen einen Platz in der Zeit zugewiesen bekommen: Einige sind für das, andere für jenes Zeitalter geboren. - virginia woolf-
 


                                           -      mein blick vom schreibtisch, jetzt duftet die linde -

Freitag, 12. Juni 2026

gelber tüll und buchstaben- mut

                                                   Foto: Uli Boll, Manderscheid

der weg ist vorgegeben, man könnte ihn aber in beide richtungen gehen. nach links gibt es keinen zaun: ist das versuchung vom weg abzuweichen? 

der rechte stacheldrahtzaun hielte mich heute ab. vor siebzig jahren hatte ich einen zitronengelben petticoat aus zartem tüll. sehr stolz war ich, aber leider verhielt ich mich nicht "mädchenhaft" für diese kleidung. ich kroch zwischen zwei gespannten drähten aus stacheldraht auf die wiese. warum weiß ich nicht mehr, vielleicht wollte ich blumen pflücken. 

viele kleine risse im tüll gab es, auch im kleid einige wenige. heulend lief ich zu meiner tante rola und sie reparierte mir unter vielem schimpfen mein schmuckstück. es dauerte einige zeit, ehe meine mutter die fehlstellen bemerkte. dieser tüll- unterrock war der einzige seiner art im meinem leben. ich war kein mädchen für modische neuheiten, eher für den vierfalten-rock in pepita.

 


manchmal mußte ich vom vorgezeichneten weg abbiegen, meinen eigenen suchen. ich sah, es gibt auch andere. es stimmt nicht, dass verkündet wurde, wer A sagt, muß auch B sagen, es gibt auch F oder D oder...  

ich lese: Warum glücklich statt einfach nur normal?, Jeanette Winterson, Hanser - gefällt mir sehr, ist bewegend und anregend, voller denkanstösse.  


 

Donnerstag, 4. Juni 2026

menschliche regeln, sonniges maar

                                              Meerfelder Maar, Foto: Uli Boll, Manderscheid
 

die lücke der falschen herkunftsfamilie ist nicht einfach zu überdecken, und geschlossen werden kann sie wohl nie richtig. betroffene halten sie für ein manko, ich sehe das spüren dieser lücke als einen wertvollen erfahrungshintergrund, mit dem sich die welt aus anderer sicht verstehen läßt. meine erfahrung hat mich gelehrt, dass auch fleissiges lernen und beobachten in der schule oder bei zusammenkünften zu mißverständnissen führen können.

als kind wußte ich nicht, dass manche menschen butterbrote mit messer und gabel essen. ich kannte keinen rubin, nach dem im intelligenztest gefragt wurde. auch ungeschriebene regeln gelten und führen zu schubladen, in die menschen eingeordnet werden. status und armut bestimmen mehr, als ich in den jahren des aufbruchs je dachte. früher dachte ich lesen bildet. das stimmt nur, wenn auch empathie wachsen kann, wenn lebendigkeit und menschenfreundlichkeit erfahren wird und gelebt werden kann.

„Alle Dinge enden, wenn ihre Anfänge nicht intakt gehalten werden. Laßt uns nicht Blumen züchten, sondern Knospen.“ ―Charlotte Wolff

 

  

Reisen

                                                Mohnfeld in Frankreich : Uli Boll reisezeit ist, und die nicht reisenden reisen vielleicht i...