Freitag, 11. September 2026

ohne obdach, ungeschützt


 heute ist gedenktag gegen die obdachlosigkeit. im tv sagten sie erschreckend hohe zahlen von menschen, die ohne wohnung leben, und im nachsatz, in wirklichkeit seien es wohl doppelt so viele menschen. meine erfahrungen mit obdachlosigkeit sind alle aus städtischen umgebungen. in der kleinstadt fällt ein mensch sofort auf, oder garnicht. die übernachtungsmöglichkeiten sind vorhanden und werden auch gelegentlich genutzt, aber es gibt einige menschen, die fremde zu sich einladen zur übernachtung.

einen mann lernte ich kennen, der durch scheidung und die daraus folgende geldstreitigkeiten sein selbst erbautes haus verlor und einen berg schulden behielt. es kam zu pfändungen und er ging nicht mehr arbeiten. ehemals hatte er bei der DB eine unkündbare stelle. ein anderer junger mann war in einer einrichtung und hatte schwierigkeiten mit den harten regiment des kirchlichen betreuers. eines tages verschwand er kommentarlos mit gleichaltrigen mitzwanzigern. sie wohnten, wo es sich ergab, bettelten auf der straße, das reichte für nahrung und zigarettentabak. wenn garnichts ging, gab es einen obulus im pfarrhaus oder von der stadt. lukrativ fand er auch den verkauf der obdachlosenzeitung. schwieriger war es nach seiner meinung, wenn man nicht gut mit anderen reden könne, oder depressiv sei. auch psychisch kranke menschen verlieren ohne wohnung ihren halt.    

beide männer schafften den absprung, andere leider nicht. das elend der frauen ist meist noch schwerer zu sehen. meine erfahrung lehrte mich, dass es manchmal nur ein kleiner schritt ist, niemanden, der eine drohende obdachlosigkeit für möglich hält, ein bezahlter mensch, der seine arbeit nicht verantwortungsvoll wahrnimmt. 

weder herkunft noch bildung schützen vor obdachlosigkeit, aber emphatische mit-menschen. und ein wohnungsbaupolitik, die auch bezahlbare wohnung fördert.

 

 

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