Vogelfrau, gestaltet von Marianne Wagner
https://www.youtube.com/watch?v=KwHg5pNHfpI - so stelle ich mir ein Miteinander vor, Prof. Hüther erklärt am Beispiel der Stadt Tulln wie eine Stadt im Idealfall eine Gemeinschaft werden kann. Diese guten Anregungen begeistern mich und lassen mich denken, wir können alle an einer Änderung unserer Gesellschaft arbeiten.
Wir können dabei nichts verlieren und so viel gewinnen. Es kann doch nicht sein, dass die Mittelschicht sich aus Angst vor kalten Wohnungen mit Heizlüftern eindeckt und weder an die Ressourcen denkt noch an die Menschen, deren Spielraum sehr viel enger ist.
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In der Rhein-Neckar-Zeitung Heidelberg vom 24.08.22, Seite 11, las ich unter anderem folgendes:
"Gemeint ist, dass Menschen sich einer Kultur bedienen, die nicht die eigene ist, zum Beispiel durch Musik oder Kleidung. Kritisiert wird vor allem, wenn Mitglieder der Mehrheitsgesellschaft sich Elemente der Kultur einer Minderheit bemächtigen, sie kommerzialisieren und aus dem Zusammenhang reißen...In Bern wurde ein Konzert der Band Lauwarm abgebrochen, weil sich einige Besucher daran störten, dass sie jamaikanische Musik spielte und die weißen Mitglieder der Gruppe teils afrikanische Kleidung und Dreadlocks trugen. Zuvor hatte die Hannoveraner Ortsgruppe von Fridays for Future die weiße Musikerin Ronja Maltzahn... wegen ihrer Dreadlocks ausgeladen."
In anderen Ländern gibt es diese Debatte um die Aneignung kultureller Identitäten schon länger. Die deutsche Ethnologin Susanne Schröter findet diese Diskussion problematisch. Die ..."geforderte Nutzungsbeschränkung würde dazu führen, dass bei jeder Form kulturellen Ausdrucks die Urheber ausfindig gemacht und ihr Gebrauch auf diese beschränkt werden müsste." Begonnen hatte diese Diskussion dadurch, dass der Ravensburger Verlag zwei Kinderbücher zum neuen Film "Der junge Häuptling Winnitou" zurückzog. (Werden sie nun verbrannt?) Dem Verlag wurde vorgeworfen, er bediene mit der Veröffentlichung ein romantisierendes Klischee über indigene Völker weitab von deren Realität.
Der Held meiner Kindheit war für mich eine Romanfigur, die Bücher von Karl May sind keine Sachbücher aus denen ich mein Wissen über fremde Kulturen lernen konnte. Und die Aneignung fremder Kulturen findet täglich überall statt, rund um die Welt, in Musik, Kleidung, Lebensweise...
Es liegt an uns, den Erwachsenen, dafür zu sorgen, dass auch Minderheiten ihr Recht bekommen, dass ihre Bodenschätze wie ihre Sprache und Kultur geschätzt werden und geachtet werden. Und da bin ich bei den jungen empörten Menschen: Schaut eure Handys an, eure Kleidung, eure Nahrung - wie viel ist davon Aneignung zu Ungusten von Minderheiten? Und was ist mit den Bildern auf Plakaten, der Farbe, wie bewegt ihr euch von Ort zu Ort, welche Musikinstrumente spielt ihr?
Und bayrisches Kulturgut wie Dirndl und Lederhose gehören nach Bayern, sind alpenländische Tracht, alles andere ist auch Aneignung. Wo soll dies Denken enden?