Sonntag, 19. Dezember 2021

überraschend erlebt


 

in der ZEIT unter der rubrik "was mein leben reicher macht" gelesen: donnerstagvormittag im dezember, es ist kühl und grau... auf der anderen straßenseite ist eine kleine kindergruppe unterwegs. die beiden erzieherinnen stimmen ein lied an, die kids fallen nach und nach ein: "es ist für uns eine zeit angekommen, die bringt uns eine große freud" - und ich denke mir, wie passend... (ein leser).

meine freude wuchs beim lesen, in gedanken sang ich mit und ich bin dem leser sehr dankbar für diese kleine mitteilung. so unterwegs zu sein, mit wachen augen und ohren, hilft kleine schätze des alltags einsammeln. der tag wird, auch wenn er im nebel liegt, bunt.

ich wünsche euch allen in dieser letzten vorweihnachtswoche solche überraschungen.  

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Wilhelm Busch . 1832-1908
Der Stern

Hätt einer auch fast mehr Verstand
Als wie die drei Weisen aus Morgenland
Und ließe sich dünken, er wär wohl nie
Dem Sternlein nachgereist wie sie;
Dennoch, wenn nun das Weihnachtsfest
Seine Lichtlein wonniglich scheinen lässt,
Fällt auch auf sein verständig Gesicht,
Er mag es merken oder nicht,
Ein freundlicher Strahl
Des Wundersternes von dazumal.


Mittwoch, 15. Dezember 2021

ein anderer trompetenengel

                                                   Dachreiterin, Keramik Marianne Wagner

" Wär ich ein Jäger auf freier Flur, 

Ein Stück nur von einem Soldaten,

wär ich ein Mann doch mindestens nur,

So würde der Himmel mir raten;

Nun muß ich sitzen so fein und klar,

Gleich einem artigen Kinde,

Und darf nur heimlich lösen mein Haar

Und lassen es flattern im Winde!"

- Annette von Droste-Hülshoff- 

der frau annette widme ich diese dachreiterin, sie sitzt sehr mutwillig auf dem first und bläst der welt ihren eigenen sound. den text voller sehnsucht nach einem anderen leben außerhalb ihres frauseins, das für sie nur als mann möglich schien, berührt mich.  

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zu corona: gegen was kämpfen die demonstraten/- innen eigentlich? in der ZEIT stand, es sei unmöglich zu argumentieren, da der grund nicht vorhanden ist: es gibt keine willkürliche unfreiheit, wir werden nicht gechipt, sondern bekommen eine gottseidank mögliche impfung. wenn sie doch bloß die viele energie für etwas sinnvolles nutzen könnten. es darf in unserem land zum glück verschiedene meinungen geben, daher habe ich nichts gegen demonstrationen oder leserbriefe.

aber ich habe grundsätzlich sehr viel gegen gewalt, gegen das niederschreien von andersdenkenden und den glauben, alle müssten gleichgeschaltet sein. im moment versucht eine nicht demokratisch legitimierte minderheit die mehrheit zu tyranisieren. diese verhalten bringt viel schlechte stimmung zu den menschen. und gewalt gegen ihre arbeit ausübende personen wie polizisten, sanitäter/-innen, feuerwehrleute und menschen in impfzentren ist vollkommen inakzeptabel.

ich wäre sehr glücklich, wenn die achtsamkeit im umgang miteinander wieder wächst. 




 

Sonntag, 12. Dezember 2021

sinn und gelassenheit

 


Foto: Ulrich Boll, Relief Paul A. Wagner

der autor wilhelm schmid schreibt in seinem kleinen büchlein: Gelassenheit, was wir gewinnen, wenn wir älter werden, Insel- Verlag:

"... ein entscheidender schritt zur gelassenheit ist die besinnung. eine besinnung hilft weiter, wenn fragen im raum stehen. besinnung ist die suche nach sinn, nach zusammenhang, und sie kommt zum ziel, wenn zusammenhänge erkennbar werden: jetzt macht das für mich sinn! der sinn, um den es dabei geht, ist eher selten der sinn des lebens, meist der sinn im leben, der sinn einzelner phänomene und erfahrungen..." 

wir betrachten uns, wie wir uns sehen, denken manchmal an das, was wir früher gewollt hatten, und überlegen auch, wie andere uns sehen. sobald ich auf den langen weg, den ich gegangen bin, zurück schaue, staune ich, was alles unterwegs geschah. da scheint kraft gewesen zu sein, holprige zeiten wurden überwunden. es gab hoffnung gegen alle vernunft, sie trug und führte weiter. unterwegs gab und gibt es viele weggefaehrten/ - innen, manche nur kurz, einige seit jahrzehnten. jetzt in dieser "coronazeit" ist es schwer, im gespräch zu bleiben, sich einfach und frei zu treffen. ich weiß umso mehr, wie wichtig mir die mimik der menschen ist, wie schön es ist, einfach mal den arm um jemanden zu legen oder umarmt zu werden. 

trägt uns die gelassenheit durch diese krise? muss so sein! achten wir aufeinander, pflegen wir unsere zuversicht - eine andere zeit als die jetzige haben wir nicht.

Donnerstag, 9. Dezember 2021

wärme durch erinnerungen?

 in der vergangenen woche schrieb ich über zuversicht, dieses zarte pflänzchen gilt es zu pflegen.  in einer zeitschrift las ich, 79 prozent aller menschen würden sich "regelmäßig nostalgischen gedanken hingeben". diese schenkten nicht nur ein gefühl von geborgenheit, sondern bewirkten tatsächlich einen anstieg der körpertemperatur.

heisse gedanken anstatt heizung? endlich eine preiswerte und angenehme methode, um energie zu sparen? sicher ist jedenfalls, schöne erinnerungen fördern das wohlbefinden, also holt sie euch mit dem, was ihr wollt: fotoalben, briefe, poesiealben, kleider...

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am 1. dezember war der 10. todestag von christa wolf. für mich eine schriftstellerin, die mich seit jahren mit ihren texten begleitet. mit "kassandra" gab sie zum beispiel wichtige anstösse in der frauen- und friedensbewegung. in einem ihrer aufsätze schrieb sie: " wie kann literatur dazu beitragen, eine in ihrem fortschrittswahn gefangene realität- sprich leserschaft- zu befreien?" 

ich fand es bedauerlich, dass dieser jahrestag kaum erwähnt wurde.

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lesen: neben christa wolf las ich wieder in roger willemsen: afghanische reise, und einen krimi von friedrich ani, süden.

zur entspannung noch einen text von joachm ringelnatz:

Redefusseln meiner Tante

Nun sieh mal an! Ei, ei!

Am Himmel stehen drei Sterne;

Vor Kurzem standen da nur zwei.

Nun wüsst ich gar zu gerne

Was Näheres über die Ferne,

Denn etwas stimmt mir nicht dabei.


Montag, 6. Dezember 2021

betthupferl für kleine bäume


Zitat Peter Wohlleben:
"ganz klar, kleine bäume lieben süßigkeiten. wenn die eltern im herbst ihr laub abwerfen, dann lassen die kleinen es noch dran. sie wandeln die sonnenstrahlen, die so auf ihr blatt kommen, in zucker um. und wenn sie ihr laub dann abwerfen,können sie mit viel zucker zu bett gehen. denn auch sie halten winterschlaf." 

lasst das nicht eure kinder bzw. enkelkinder wissen, dass mit den betthupferl. aber dieser naturvorgang hat so etwas berührendes, das ist heute mein nikolausgruß an die hier lesenden, die gerne süßes mögen.

lasst euch überraschen, es muss ja nicht ein alter mann mit weißem bart sein!

 

Donnerstag, 2. Dezember 2021

zeit und erinnerung

                                                                        

bald ist bereits der 2. adventssonntag,  und ich habe das gefühl, die zeit rennt. 

obwohl ich ja weiß es stimmt nicht. die beiden auf dem obrigen foto hatten einen termin mit einem verspäteten fotografen. es war für mich spannend zuzuschauen, die runde blende fokussierte das licht auf den uhrenmann mit den weissen handschuhen. er zeigte mit großer gestik auf diese uhr und bedeutete durch phantomie an er habe es eilig.

verstanden habe ich nichts, es wurde mit viel geduld immer wieder eine ähnliche einstellung probiert und fotografiert. beim zuschauen vergaß ich die zeit, und diese zeit wurde mir ein geschenk, da ich mich an diese situation noch fast 20 jahre später erinnere. 

ich nahm mir zeit und sie wurde umgewandelt in eine erinnerung. und das geht auch vor der haustüre, zu schauen und erinnerungen zu sammeln- sie brauchen auch keine schränke.  

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Anastasius Grün . 1806-1876

Die Zeit

Lästert nicht die Zeit, die reine! Schmäht ihr sie, so schmäht ihr euch!
Denn es ist die Zeit dem weißen, unbeschriebnen Blatte gleich.
Das Papier ist ohne Makel, doch die Schrift darauf seid ihr!
Wenn die Schrift just nicht erbaulich, nun, was kann das Blatt dafür?
 

Sonntag, 28. November 2021

hoffnung lernen

 

                                                       unbequeme ruhebank, symbolbild

die sonnenblume dreht bereits in der nacht ihren kopf in richtung der demnächst aufgehenden sonne, hörte ich eben im radio. das sollte uns ein zeichen von vertrauen und zuversicht sein, erklärte im deutschlandfunk kultur die nonne melanie wolfert aus wien(28.11.2021, 7.04 uhr). ihre anregung zu vertrauen und der stärkung der zuversicht hat mir gefallen. 

die zuversicht hilft uns dabei uns den problemen zuzuwenden. die parabel von den drei fröschen sollte  beispiel sein, nur der frosch, der strampelte, der nicht aufgab und so die milch zu sahne stapfte, überlebt. eine zuversichtlicher mensch sieht die möglichkeiten in der krise, sucht nach den vorhandenen reaktionsalternativen. wir können den tag missmutig begrüßen oder mit freude über einen neuen tag, der noch ungeprägt vor uns liegt. geben wir diesem tag eine eigene prägung, über alle alltagsdinge hinaus.

zuversicht ist erinnern in die zukunft hinein, kraft schöpfen aus vergangenen und überwundenen krisen. manchmal auch hoffnung wider alle vernunft, weil unser geist einfach nicht alles erkennen kann, wenn  unsere angst zu groß ist.

auszug aus machmal, songtext von trude herr: 

Kopp huu
Jläuv an dich
Du liers noch et Fleje
Du häss noch alles üvverlääv
Mit Narbe mit Woot
Un met Bloot
Un met Trääne
Un mit Dreck der an dir klääv

Op enmol
Do merkste
Du kanns wirklich fleje
Wie Vuelcher mim Wind

übersetzung: ... kopf hoch, glaube an dich, du lernst noch das fliegen, du hast noch alles überlebt. mit narben, mit wut und mit blut, und mit tränen, und mit dreck, der an dir klebt.

auf einmal merkst du, du kannst wirklich fliegen, wie die vögelchen mit dem wind...

allen hier lesenenden einen angenehmen sonntag.



 

 


Freitag, 26. November 2021

ungerecht oder normal?

 


https://www.swr.de/swr2/literatur/26111931-erich-kaestner-stellt-puenktchen-und-anton-vor-100.html

heute gibt es einmal eine vier minuten dauernde audiodatei, die heute morgen bei swr2 gesendet wurde. sehr verblüfft hat mich, dass eine meiner lieblings- kinderbücher: "pünktchen und anton" heute neunzig jahre wird.

es macht mich traurig, dass wir als gesellschaft keinen schritt weiter gekommen sind, eher ist der abstand zwischen denen, die nichts haben, und den menschen, die mehr als genug haben, grösser geworden. was muss passieren, damit sich etwas ändert? 


Sonntag, 21. November 2021

frau möchte entspannt zaubern können

 

Zauberspruch


(von Max Kruse)

Nimm Entenfedern,
Löwenzahn
und einen Löffel
Lebertran.
sprich Hunke-
munke-mops dabei
und mische
einen dicken Brei.
Schmier dir
die Nasenspitze ein,
und stell dich
in den Mondenschein.
Und schwebst du nun
nicht in die Nacht -
dann hast du etwas
falsch gemacht!

entnommen aus dem Band "Ein Klecks ging mal spazieren", im St. Michaels Verlag

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Deutschlandfunk, Carola Zinner am 19.11.2021 zum 100. Geburtstag von Max Kruse:

"Max Kruse: „Nur, wenn man als Kind lebt, lebt man neugierig. Und wenn man neugierig lebt, entdeckt man eben auch die Schönheit des Lebens immer wieder neu.“
Die Kindheit blieb bis zum Schluss der Dreh- und Angelpunkt im Leben von Max Kruse. Aber es war natürlich auch eine Kindheit, von der andere nur träumen konnten. Der am 19. November 1921 geborene Schriftsteller wuchs auf in einer durch und durch künstlerischen Familie: Seine Eltern waren der Bildhauer Max Kruse und dessen rund 30 Jahre jüngere Frau, die berühmte „Puppenmutter“ Käthe Kruse.   

„Meine Mutter war sich seinerzeit klar, dass ich wahrscheinlich das letzte ihrer Kinder werden würde, das achte. Und so war die nun auch schon reiferen Alters und wollte unbedingt noch einen Max Kruse haben.“  
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max kruse war einer der mitbegründer der gruppe 47 nach dem krieg. in dieser gruppe arbeitete er gemeinsam mit michael ende, otfried preußler, james krüss und später mit janosch an der gestaltung einer neuen art kinderbuchliteratur . er schenkte uns viele stunden vergnügter und guter unterhaltung. 
"Der Löwe ist los" oder "Urmel aus dem Eis" kannte jedes kind, und kennen die kinder noch heute, vieles wurde verfilmt, die geschichten mit der augsburger puppenkiste erfreuen immer neue kindergenerationen.
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hokuspokus - ein jahr vorbei wie nichts, und dank vieler unbelehrbarer zurück auf anfang- gehts noch?
bleibt gesund, eine gute neue woche für euch leserinnen und leser.





Mittwoch, 17. November 2021

Meinungshoheit

                                                 Seckach, http://skulpturenpark-seckach.de/
 

"Meinungen sind wie Grundstücke: Erstens sind sie zu teuer, und zweitens kann man nicht immer darauf bauen."  Dieter Hildebrandt

scheinbar geht es um die meinungshoheit nicht nur an den stammtischen der nation, sondern auch in den tv-sendern, ich mag vieles nicht mehr hören.

aber man kann einen park gestalten, mit menschen, geduld und arbeit. und immer wieder gibt es etwas zu sehen, die natur verändert manches, regen und zeit tun ihr werk stetig. es versöhnt mit den umtrieben überall, wenn man ruhig in der natur spazieren geht. 

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Der Rezensent

Da hatt ich einen Kerl zu Gast,
Er war mir eben nicht zur Last,
Ich hatt so mein gewöhnlich Essen.
Hat sich der Mensch pump satt gefressen
Zum Nachtisch was ich gespeichert hatt!
Und kaum ist mir der Kerl so satt,
Tut ihn der Teufel zum Nachbar führen,
Über mein Essen zu raisonnieren.
Die Supp hätt können gewürzter sein,
Der Braten brauner, firner der Wein.
Der tausend Sackerment!
Schlagt ihn tot den Hund! Es ist ein Rezensent.

J.W. Goethe

Kommentar von Marcel Reich-Ranicki: Doch das dümmste, das seiner Feder entstammt, ist wohl das Gedicht „Rezensent“, veröffentlicht im März 1774.

da beziehe ich mal lieber auf die gravur im stein am anfang der seite: 

Heiterkeit ist die Leiter zum Himmel, bemühen wir uns, es kann gelernt werden.



Spiegelungen

 im städtchen gibt es immer wieder überraschene blickwinkel auf gewohnte gebäude. es gibt spiegelungen, die das bekannte fremd scheinen lass...