Skulptur: Marianne Wagner, Breuberg
Unsere Enkelinnen können sich ein Leben nur in Kleidern nicht vorstellen. Dabei wuchs ich damit auf, dass Mädchen keine Hosen tragen durften. Ich bekam 1961 eine "Keilhose", schwarz mit eingewebten goldenen Lurexfäden. Der Steg war unter den Füssen, eigentlich sollte es wohl eine Skihose sein. Eine häßliche Hose, auf die sehr stolz war. Meine erste Hose, sie ersparte mit unbequeme Wollstrumpfhosen, zum Schlittenfahren war sie wunderbar.
Bis weit in die fünfziger Jahre durften Frauen in Hosen nicht in Gaststätten und Hotels.
Elke Heidenreich schreibt in ihrem Buch: Männer in Kamelhaarmänteln, Carl Hanser Verlag, 2020 über die Kleidung und ihren damit verbundenen Geschichten in ihrem Leben.
" Es ist belegt, dass der Sängerin Esther Ofraim 1966 in Hambuurg der Zutritt zu einer Bar verwehrt wurde, weil sie einen Hosenanzug trug.... CSU- Bundestagsvizrpräsident Richard Jäger drohte 1970, er werde jede Frau, die in Hosen im Parlament erschiene, aus dem Saal jagen. Und am 31. Januar 2013 wurde in Frankreich ein Gesetz offiziell aufgehoben, das es Frauen verbot, sich in der Öffentlichkeit in Hosen zu zeigen."
Der WDR berichtet über das Jahr 1970 unter der Rubrik Stichtag im Internet:
"Willy Brandt ist Kanzler. Seit Jahren rebellieren die Studenten, leben
in Kommunen und predigen freie Liebe. Oswalt Kolle klärt den Rest der
Nation auf. Frauen verbrennen ihre Büstenhalter, nackte Haut blitzt auf
den Titelseiten der Illustrierten. Doch als die neue SPD-Abgeordnete
Lenelotte von Bothmer, 54, Mutter von sechs Kindern, am 15. April 1970
den deutschen Bundestag betritt, hält die Republik den Atem an. Als
erste Frau trägt sie in diesem Haus einen Hosenanzug...
Sofort richten die Pressefotografen die Kameras
auf sie. Nach der Sitzung sprechen alle von Frau von Bothmer, ihren
beigefarbenen Hosen und der passenden, hochgeschlossenen Kostümjacke.
Die Herren – in Anzug und Krawatte – sind entsetzt, aber hilflos. Carlo
Schmid, SPD, sieht die Würde des Hauses verletzt,
Bundestagsvizepräsident Richard Jaeger, CSU, die Würde der Frau. "Dann
kamen von überall her Briefe", erinnert sich von Bothmer. "Da sieht man
wohin das mit den roten Parteiweibern führt, schrieben sie. Und: Sie
sind keine Dame." Einer schrieb gar, das nächste Mal werde sie wohl
nackt auftreten."
Zur aktuellen Lage der CDU: Wenn gewählte Gremien Entscheidungen treffen muss das mehr Gewicht haben als eine Meinungsumfrage. Das Ergebnis einer Umfrage kann in vier Wochen anders sein, warum auch immer, Volksabstimmungen sind eine Prämie für Demagogen, sagte vor über 70 Jahren ein Bundespräsident. Die Mitglieder des Vorstandes sind demokratisch legitimiert und stehen langfristig zu ihrem Entscheid.