Sonntag, 30. Juli 2023

heitere rosa

                                                    

                                                           Relief über Fenster

ist das relief mahnung oder maske? jedenfalls finde ich es gruselig und denke, heute würde sich niemand ein solches kunstwerk ans haus meißeln lassen. 


    Sieh, dass du Mensch bleibst.
    Mensch sein ist von allem die Hauptsache.
    Und das heisst, fest und klar und heiter sein, ja heiter, trotz alledem.

    Rosa Luxemburg, 1871 - 1919

diese zuversicht möchte ich haben, ich bemühe mich, hätten frühere lehrer geschrieben. wunderbar ist die welt der bücher zum hinabtauchen. beim auftauchen staune ich, wie wenig menschen lernen, trotz aller wissenschaft. 
zuviel angst und zuviel folgsamkeit gegenüber den rattenfängern sehe ich. zuviel festhalten an gewohntem, zu wenig kreativität, auch im widerstand. 

gestern in der ard mediathek sahen wir einen tollen schweizer film über br queer: rosie ( leider gibt es ihn dort nicht mehr).
   





 

Dienstag, 25. Juli 2023

Status quo festhalten?


                                                                     
                                                                      Heiko Pippig


Auszüge aus dem RNZ- Interview(25.07.23) mit Annette Kehnel, Uni Mannheim:

"Festhalten am Status quo treibt uns in die Falle"

"Es ist ein Phänomen des 19. Jahrhunderts, in dem Gesellschaften der westlichen Welt auf die Idee kamen, Effizienssteigerung und Wachstum zum Hauptgegenstand ihres Interesses zu machen. Das hat auch sehr viele positive Entwicklungen ermöglicht. Meine Frage ist nur, ob sich mit diesem Konzept, das im 19. und auch im 20. Jahrhundert sinnvoll war, auch die Probleme des 21. Jahrhunderts lösen lassen. Oder ist es nicht so, dass wir jetzt die unbeabsichtigten Nebenfolgen dieser Moderne bearbeiten müssen? Etwa den Co2 - Ausstoß oder Mobilitätskonzepte?

...Albert Einstein sagte einmal: Man kann Probleme nie mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind." 

- wie wir aus dieser abwärtsspirale rauskommen sollen erschließt sich mir noch nicht. eine diktatur möchte ich nicht, verstand kann ich nicht verteilen, umerziehen geht auch nicht. trotzdem muss etwas passieren. wir können uns freuen, wenn nicht noch schlimmere dinge geschehen, ehe bei manchen die einsicht dämmert (und politikerinnen und politiker nicht im wahlzyklen agieren).

es fehlt am ganzheitlichem denken, es fehlt bereitschaft, verantwortung zu übernehmen fürs ganze, auch wenn man nur einen teilbereich bearbeitet. der begriff "ganzheitlich"  ist etwas in verruf gekommen, mir fällt leider kein anderer, passender begriff ein. es geht um die einsicht, dass man nicht eine schraube  drehen kann, ohne alles zu berücksichtigen. 

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"In jüngern Tagen war ich des Morgens froh,

des Abends weint' ich; jetzt da ich älter bin,

beginn' ich zweifelnd meinen Tag, doch

heilig und heiter ist mir sein Ende."

Friedrich Hölderlin


Donnerstag, 20. Juli 2023

respekt und fürsorge


                                                    passionsblume vor meinem bürofenster

" Ohne liebevolle Fürsorge können wir nicht überleben, ohne liebevolles Handeln vermissen wir den Sinn des Lebens. "     Tina Turner


menschen müssen sich als wirksam erfahren, sie müssen spüren können, dass sie etwas bewirken können. und sie brauchen einen sinn in ihrem leben, es ist unsere aufgabe als menschen, diesen sinn zu finden. das hat nun nicht mit einer weltabgewandten sinnsuche zu tun, viel eher mit einer bejahung des eigenen lebens als grundlage dessen, was uns ausmacht: unsere talente und schwachstellen, unsere freude und gewordenes leben bis heute. wo stehen wir, was ist uns wichtig? können wir andere dafür begeistern? haben wir die kraft und die phantasie zu unserem weg? haben wir mut zum eigenen denken?

da schaue ich mir die nachrichten an von jungen männern(fast ausschließlich männer) in schwimmbädern und anderswo, die streit suchen und finden, die vor nichts und niemanden respekt haben. können sie sich nur in der konfrontation spüren? glauben sie, sonst nimmt sie niemand wahr? es braucht ein ganzes dorf, um einen jungen menschen gesund aufwachsen zu lassen. und wenn nun das dorf fehlt, wenn die eltern nicht erziehen können, weil sie selbst unsicher sind? wenn großeltern und andere verwandte weit weg sind? verloren gegangen...

als jugendliche waren wir genervt weil wir uns beobachtet fühlten. falls wir etwas falsch machten, erfuhren es schnell die eltern, oder jemand wies uns zurecht. der ruf nach der polizei ist kein guter ersatz dafür, und einfaches übersehen nicht hilfreich. 

wie kann es gehen? ein gutes beispiel fand ich: 

Herr Bachmann und seine Klasse - 3sat Mediathek

fast hätte ich vergessen wer heute 75 jahre wird: cat stevens/ yusuf. ihm verdanke ich viel erinnerungsreiche stunden. er hat eine neue platte herausgebracht: "the laughing apple". ich werde mal hören, ob noch etwas vom alten zauber bei uns beiden übriggeblieben ist.


Montag, 17. Juli 2023

anstehende veränderungen


"...  vermutlich erhebliche Wohlstandsverluste hinnehmen oder unseren Wohlstand doch zumindest grundlegend anders verstehen, definieren und gestalten. Wir werden außerdem vermutlich demnächst mit wesentlich größeren Krisen zurechtkommen müssen, als es in den letzten paar Jahrzehnten, etwa in meiner Jugend, von uns erwartet wurde, das sicher auch. Wir müssen also viel vernünftiger sein, um es auf eine konzentrierte Formel zu bringen.    ... Denn die Fähigkeit zur Mäßigung war zwar über viele Jahrhunderte eine eminent wichtige und auch als erstrebenswert geltende Tugend in nahezu allen Weltgegenden und Religionen, sie war es aber nicht bei uns in den letzten, na, sagen wir sechzig Jahren. 

Oder um den Finanzminister zu zitieren: „Ich will nicht verzichten!“ Es ist ein bemerkenswert infantiler Satz, den er da vor einiger Zeit getwittert hat, aber es ist doch auch ein großes Zitat, weil es einem zur Einsicht verhelfen kann, worum es bei allem geht."

 https://www.buddenbohm-und-soehne.de/   

 - im blog des herrn buddenbohm treffe ich immer wieder auf bemerkenswerte gedanken, die ich gerne weiterdenke.

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es ist die frage, ob wir unserer zuversicht vertrauen können, so nach dem kölner spruch: "es hätt noch immer jutt jegange..." ? zuversichtlich stimmt mich die lang andauernde hilfsbereitschaft beim hochwasser an der ahr und drumherum. die menschen fahren auch noch immer von weit her hin und packen an.

wir sollten etwas anderes wollen, als das gewohnte, dann ist es auch kein verzicht mehr. dürft ihr auch dem christian l. sagen. der hätte sich auch "erden" können durch einen schaufeleinsatz, sich spüren in anderen zusammenhängen.


Montag, 10. Juli 2023

Berlin Taxi Paul 1966


 

Otto

Die Heerstraße ist sehr breit und reicht vom Funkturm bis Spandau. Sie führt zum großen Teil durch Waldgebiete. Etwa in der Mitte lag eine Siedlung, die nur aus sogenannten "Nissenhütten" bestand. Die Häuser aus runden Wellblechen, die das Dach und die Wände bildeten. Hier wurden in den letzten Kriegsjahren ausgebombte Berliner untergebracht, und später entwickelte sich der Ort zu einem sozialen Brennpunkt(würde man heute sagen).

Am Funkturm stieg ein Fahrgast ein und wollte in Richtung Spandau. Ich fuhr die Heerstraße runter ohne jegliche Bedenken. Es war schon nach Mitternacht und es regnete. Nach einer Weile wurde er merkwürdig unruhig und ich hatte ein dummes Gefühl. Was bedeutete das Fahrziel "Richtung Spandau"? Über Funk meldete ich mich und sagte: "OTTO fährt auf der Heerstraße in Höhe der Nissenhütten“. 

OTTO war das Code-Wort für die Kollegen, dass ich mich bedroht fühlte. Im Nu waren einige Taxen mit aufgeblendetem Scheinwerfer hinter mir. Der Fahrgast wurde noch nervöser und wollte aussteigen, mitten in der Dunkelheit und kein Haus weit und breit. Er suchte in seinen Taschen nach Geld und zahlte den Fahrpreis. Er stieg aus und ich sah, dass der ganze Sitz nass war. Ich konnte ihn gerade noch am Mantel festhalten und sagte       Das kostet 10 Mark Reinigungsgebühr“. Die Kollegen standen noch mit aufgeblendeten Licht hinter mir. Der Fahrgast hatte offensichtlich große Angst. Ich bekam das Geld und er verschwand im Wald in Richtung Nissenhütten.

Über Funk bedankte ich mich bei den Kollegen und nach wenigen Sekunden lag die Heerstraße wieder da als sei nichts geschehen.

Der alte Mercedes 180D hatte Sitze mit Federkern und eine Rosshaar-Schicht. Der Urin konnte deshalb relativ schnell durch die Rosshaar-Matte auf den Boden fließen. Ich wendete auf der breiten Straße und fuhr zurück in Richtung Funkturm.

In den Messehallen fand einmal jährlich der Presseball statt. Dort trafen sich die Spitzen der Gesellschaft, sehen und gesehen werden war die Devise.

Dieser Ball fand gerade in diesem Abend statt und es war schon weit nach Mitternacht. Als ich dort vorbeifuhr stoppten mich zwei Paare in festlicher Kleidung. Die Herren im Smoking und die Damen mächtig aufgetakelt. Ich fühlte auf dem Vordersitz, er war nur noch etwas klamm, es ging. Ich hielt und die Fahrgäste nahmen Platz. Eine der Frauen mit einer weißen Stola und elegantem langen Kleid setzte sich auf den Vordersitz. Sie bemerkte mein Grinsen und fragte: „ Worüber freuen Sie sich denn so, junger Mann, darf man sich mitfreuen“? Ich sagte: „Ach wissen Sie junge Frau, dass kann ich Ihnen gar nicht erklären“.

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"Erinnerung ist wichtiger als aktuelle Wahrnehmung oder Utopien, das ist Prousts großes Vermächtnis und seine tröstliche Verheißung."  Florian Illies, Liebe in Zeiten des Hasses

Am 10. Juli 1871 wurde Marcel Proust in Auteuil geboren.

Heute ist aber auch der Sterbetag von Erich Mühsam, er wurde im KZ Oranienburg ermordet.



Donnerstag, 6. Juli 2023

Abschied

 

                                       

             Ein großartiger Künstler ist gestorben.

Paul A. Wagner, als Bildhauer und Musiker über die Grenzen des Odenwaldes und des Baulandes bekannt, ist am 27.Juni 2023 im Krankenhaus Groß- Umstadt nach kurzem Aufenthalt im Alter von 88 Jahren an Herzversagen gestorben. Viele Jahre besuchte er regelmäßig Altenheime, um den Bewohnerinnen und Bewohner mit Musik zu erfreuen. Er gründete mit anderen die Art- House- Jazzband, die zum festen Bestandteil der hiesigen Musikszene über Jahre wurde.

Der Kunstpark Seckach mit etlichen von ihm geschaffenen Skulpturen zeigt seine Schaffenskraft bis ins hohe Alter. „Heiterkeit ist ein Turm, der bis zum Himmel reicht“ so schrieb Paul A. Wagner auf einen Stein im Kunstpark. Dieses Motto war ihm eine Leitfaden, deshalb arbeitete er gerne besonders mit Kindern und Jugendlichen. Dabei entstand ein vielbeachteter Stuhlturm, himmelhoch scheinbar, inzwischen längst verschwunden, im Gegensatz zu den Steinskulpturen. Auch die Wandgestaltung an Schulen oder ein Riesenmikado zeugen von seiner Arbeit mit Kindern. Wagner hinterließ ein beachtliches Werk.

Nach dem Umzug nach Hessen arbeitete er mit seiner Frau, der Bildhauerin Marianne Wagner, im Kurpark Bad König und auf dem dortigen Kunstplatz weiter, immer wieder schlossen sich altbekannte und neue Künstlerinnen und Künstler ihnen an. Auch die Musik im Altenheim und Konzerte der „Drei vom Lande“ in der Konzertmuschel des Kurparks waren ihm bis kurz vor seinem Tod wichtig.

Die Blogleser/ -innen kennen Paul noch als Taxifahrer, vor langer Zeit sein Zuverdienst in Berlin. Noch einige seiner Geschichten und Karikaturen liegen hier, seltsamerweise hatte ich die Fahrt mit dem Todesfall zuletzt ausgewählt. 

Wir werden ihn nie vergessen, ich freue mich, ihn getroffen zu haben. 


Sonntag, 2. Juli 2023

unterwegs

                                         

wolkenreisen am heimathimmel


luftwurzeln

halten traeume

gedankensplitter

zerstoßen

den mantel

gewebt aus routine

und angst

durchsichtig geworden

hänge ich schwebend

und richte mich ein.

                                                                           © roswitha 



Donnerstag, 29. Juni 2023

Berlin -Taxi, letzte Fahrt 1966



 Letzte Fahrt

Der Schuldenberg von der Familiengründung und Umzug war abgetragen und ich hätte einfach mit dem Taxifahren aufhören können. Aber Woche für Woche verschob ich die letzte Fahrt. Das Geld konnten wir auf dem Sparbuch gut gebrauchen.

Eines Tages hatte ich eine Fahrt von Steglitz zum Bahnhof Zoo. Zwei nette alte Damen waren meine Fahrgäste. Sie schienen glücklich, aber auch traurig zu sein. Sie erzählten mir, dass sie Schwestern seien und sich seit dem Mauerbau nicht mehr gesehen hatten. Die Mauer stand 1966 fünf Jahre. Westberliner durften nicht in den Osten. Doch nun bekamen ostdeutsche Rentnerinnen die Erlaubnis zur Reise nach Westberlin, zum Verwandtenbesuch. Es war offensichtlich, dass die Regierung hoffte, die Rentner blieben im Westen, damit die DDR die Rente für die Alten sparen könnte.

Wir waren gerade in der Nähe des Insulaners als eine der alten Damen rief: „Mein Gott, meine Schwester, helfen Sie mir!"

Im Rückspiegel sah ich, dass die Ostberliner Schwester ohnmächtig war. Über Funk meldete ich das Problem. Die Antwort der Funk-Zentrale kam sofort: „Fahren Sie zum Auguste-Viktoria-Krankenhaus." Dieses Krankenhaus war ganz in der Nähe. Ich fuhr so schnell wie möglich. Am Tor standen schon Pfleger mit einer Trage bereit. Sie hoben den leblosen Körper vorsichtig aus dem Wagen und ab ging es in die Notaufnahme. Die weinende Schwester lief hinterher. Nach kurzer Zeit kam sie zu mir, bezahlte den Fahrpreis und sagte unter Tränen: „Meine Schwester ist verstorben." 

Verlegen verabschiedete ich mich und sagte über Funk: „Liebe Kollegen, ich mache Schluss mit dem Taxifahren, eben ist mein letzter Fahrgast gestorben."

Wer meine Aufzeichnungen liest könnte meinen, dass Taxifahren ein aufregender und interessanter Job sei. Das Gegenteil ist der Fall, eigentlich ist die Arbeit langweilig und auch ein wenig stupide. Meist wartet man, in der Wartezeit kann man nichts tun. Viele lesen die Bildzeitung vom ersten bis zum letzten Satz. Daraus bilden sie sich ihre Meinung. Kontakte mit Kollegen sind äußerst selten. Über Funk ist das anders, wenn man einen Ort nicht kennt oder Probleme hat, sind alle sofort bereit zu helfen. 

Werbung: www.skulpturenpark-seckach.de  und  www.skulpturenpark-odenwald.de  (bad könig)   Filmtipp: jim jarmusch, night on earth (ein wunderbarer film über taxifahrten in weltstädten, u.a. mit armin müller-stahl)

Sonntag, 25. Juni 2023

wege suchen und finden

                                               
 

Christian Morgenstern:
Wer vom Ziel nicht weiß,
kann den Weg nicht haben,
wird im selben Kreis
all sein Leben traben;
kommt am Ende hin,
wo er hergerückt,
hat der Menge Sinn
nur noch mehr zerstückt.

Denn zu fragen ist

nach den stillen Dingen,
und zu wagen ist,
will man Licht erringen;
wer nicht suchen kann,
wie nur je ein Freier,
bleibt im Trugesbann
siebenfacher Schleier. 

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es scheint zu gelten, dass wir, egal was um uns passiert, eine eigene haltung dazu finden sollten. das ist die freiheit, die wir haben. ohne illusion, etwas am weltgeschehen ändern zu können einfach tun, was zu uns passt. aber es ist manchmal bedauerlich, nicht mal so richtig zu schimpfen zu können, zu toben und zu fragen, wo das gehirn mancher akteure geblieben ist. 

verantwortung und mut gehören dazu, hoffnung trotz allem und weiter...

26.06.: ein wenig ist es so, als sänge man im dunklen wald, um die eigene angst zu besiegen.

 

Mittwoch, 21. Juni 2023

Gegenwart in Freiheit

 

                                                            Hof Tacheles, Berlin


"Im Kopf hatte ich noch die alten Konflikte des Wohlverhaltens vor Gott in der Josephs- Vergangenheit des Romans(Thomas Mann, Joseph und seine Brüder) und in der neuen Zeitung die Wohlverhaltensdiktatur der Zukunft und fühlte mich glücklich!

Da die Vergangenheit, da die Zukunft, begreife den Reichtum deiner Gegenwart, so ähnlich pathetisch blitzten die unfertigen Gedanken. Ein kleiner Moment der Erleuchtung, irgendwo zwischen Ostkreuz, Treptower Park und Neukölln. Ich sah mich um und hatte den Eindruck, der einzig glückliche Fahrgast zu sein. Richtig glücklich, dass ich, dass wir die Zwischenphase erwischt haben, eine Gesellschaft, die nicht vom Gehorsam geprägt ist. Ahnungslos drehen wir unsere S- Bahn-Runden, hecheln voran auf unserem banalen kleinen Lebenslauf und merken nicht, in welcher relativ glücklichen Epoche wir leben."

aus: Friedrich Christian Delius, Wenn die Chinesen Rügen kaufen, dann denkt an mich, rororo Tb.

ich lese mit wachsendem erstaunen das buch und erschrecke beim lesen der tageszeitungen und netznachrichten. wir wussten alles und taten zu wenig, und gleichzeitig gab es nie eine generation wie unsere, die der menschen ab ca. 1948 bis 1970, die nur aufschwung erlebten in westdeutschland. eigentlich gibt es wenig dankbarkeit, wir hatten unsere chancen und die freiheit, anders als die menschen vor uns, aber auch anders als die, die nach uns kommen.   

ich kann die zeit nicht rückwärts drehen, aber ich kann meine ansprüche begrenzen, eine freiheit zu einem gutem leben für möglichst viele suchen, indem ich beginne.

selbstversorgung und suche

lebenskrisen können wichtige anreize zur veränderung anstossen. bücher können die erinnerungen an eine teilweise vergessene vergangenheit wa...